Montag, 8. Dezember 2014

Rezensionen und anderes auch woanders!

An dieser Stelle möchte ich auf eine neue, sehr interessante Seite im Internet hinweisen:booknerds

Seite über Literatur, Musik und allerlei kultureller Dinge.

Auch ich schreibe dort. Eine Rezension und zwei Konzertberichte, nebst Fotos, sind online. Und Seethalers wunderbare Lesung!

Rezi zu Markus Mörth: Die Surrealisten

Konzertberichte: Scott H. Biram & The Hackensaw Boys

Lesung:Robert Seethaler; Filmstudio Essen

Mehr dürfte in Zukunft kommen; Bücher liegen bereit; Konzerte wurden schon besucht!

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Robert Seethaler, Der Trafikant

Seethaler ist fast schon ein Phänomen. Ein Roman wie Der Trafikant zeigt sich als ein ganz starkes Stück Literatur. Poetisch, liebevoll, neugierig und traurig wird die Geschichte des Franz Huchel 1937 erzählt. Wien 1937, die Bedrohung durch die Nazis ist auch dort zu spüren. Franz wird aus der Provinz dorthin geschickt, um bei Otto Trsnjek zu arbeiten und zu leben. Bald herrscht zwischen dem Jungen und dem Alten doch so etwas wie eine enge Verbindung. Auch durch den Antifaschismus des Trafikanten geprägt. 
Und Franz lernt in der Großstadt die Liebe kennen. Aber auch die Abgründe und Enttäuschungen der Liebe. Und vor allem lernt er Siegmund Freund kennen. Eine ungewöhnliche Verbindung entsteht. Der unbedarfte, ja naive Junge und der große Freud. Der Doktor und seine Couch. Aber bei Fragen nach der Liebe genau so hilflos wie der junge Bursche. Aber der junge Bursche muß schnell lernen, daß die Zeit über ihn schon fast hinweg fegt. Otto Trsnjek wird von den Nazis abgeholt und kurz darauf ermordet. 
Franz reagiert so naiv darauf, daß es schon fast beim lesen wehtut. Er geht Tag für Tag zur Zentrale der Nazipolizei und fragt nach dem Verbleib von Trsnjek, so lange bis er brutal verprügelt wird. Die Zeit überrollt ihn, politisiert ihn aber auch. Er klebt als Widerstandshandlung sodann kleine Zettel an die Schaufenster des Trafik, um seinen Widerstand naiv und trotzig zu leisten. Das das nicht gut gehen kann, wird schnell klar und auch Franz von den Nazis verhaftet. 
Der Roman endet dann 1944 als Franzens Liebe Anezka zum Trafik kommt, noch Reste von den Zetteln am Schaufenster findet. Ganz leise und eindringlich ist dieses Ende. Es sit offen, ob Franz die Nazizeit überlebt hat. 
Seethaler läßt es wohl bewußt offen. Der Leser kann in die eine wie auch die andere Richtung denken!
Seethalers Sprache ist präzise und außerordentlich poetisch. Und auch gereift. Man hat den Eindruck, kein Wort zuviel, kein Wort an der falschen Stelle. Dieses setzt sich fort in seinem neuen Buch Ein ganzes Leben, welches ich allerdings bislang nur gehört habe. Der DLF brachte zwei Sendungen, jeweils eine halbe Stunde darüber. Seethaler las selbst. Und er kann das, da merkt man den gelernten Schauspieler.
Insgesamt ist Seethaler eine riesige Endtdeckung! 

Nachklapp: Dieser Fund im www ist fast schon Satire. Eine recht bekannte Seite, die sich mit historischen Romanen befaßt und die mir schon den einen oder anderen Heiterkeitserfolg brachte, läßt Der Trafikant rezensieren. Ist ja auch logisch, spielt er ja 1937/38, also historisch! Nun, aber auch eine sehr schlichte Betrachtungsweise. Was dann allerdings vollends zur, dann doch schlechten, Satire führt, ist die Tatsache, daß die Rezensentin diesen Roman mit den Kategorien eines historischen Romans erfassen will! Da ist dann Lesen und Verstehen gründlich schiefgegangen! Gänzlich geht die Rezension schief, wenn die Rezensentin örtliche Ungenauigkeiten bekrittelt.
Nun bleibt nur noch: Ungenügend, setzen!

Sonntag, 28. September 2014

Robert Seethaler

Die Entdeckung des Lesejahrs 2014 ist für mich Robert Seethaler.

Zuerst sein Debutroman Die Biene und der Kurt und nun in einer Lesung im DLF sein neues Buch Ein ganzes Leben.
Seethaler liest gekonnt zweimal eine halbe Stunde aus diesem Buch. Ein ganz schmaler Roman über ein karges Leben in den Bergen. Die Sterbeszene am Ende des Romans rührt an. 
Andreas Egger, die Hauptfigur, geht. Geht von dieser Welt, ohne Theatralik, ohne falsches Pathos. Ein Leben geht zuende. Von Seethaler gelesen, verursacht das schon einen Kloß im Hals.
Seethaler hat eine einfache Sprache, aber selten funktioniert das so gut wie hier. Eindrücklich  fesselnd erzählt er das Leben von Andreas Egger. Ein Leben, das wohl häufiger so gelebt wird von erdigen, ehrlichen Menschen. Es muß nicht die große Philosophie sein, die uns versucht einen Blick auf das Leben und dem warum zu geben. Nein, Seethaler gelingt das mit Ein ganzes Leben sehr gut.

Im Regal steht noch Der Trafikant; ich freue mich drauf!

Philipp Tingler, Fischtal

Philipp Tinglers Roman Fischtal ist ein Familienroman. Eine Familie voller verrückter, überdrehter und skurriler Protagonisten.
Oma ist tot und Gustav kehrt zurück, um die Erbmasse zu sichten, besser gesagt zu plündern, bevor die restliche Verwandtschaft ankommt. Eine Reise in das Haus Fischtal mit seinen Gerüchen, seinen Ausblick in einen jetzt leicht heruntergekommenen Garten, abgetrennt durch schwere, alte Vorhänge.
Und das wird schnell zu einer Reise in die Vergangenheit. In eine Vergangenheit der Jugend  und der Entdeckungen, Erinnerungen. Eine Vergangenheit der Menschen, die Gustav begleiteten. Und immer in eine Vergangenheit der großbürgerlichen Gesellschaft, die schon lange nicht mehr existiert.
Und über allem schwebt die verstorbene Großmutter mit allen ihren Marotten und Allüren. Sehr zum Amusement des Lesers; keine verlorene Zeit, sondern ein schönes, gelungenes Stück Literatur!

Samstag, 16. August 2014

Poschenrieder und Delius

Lange Zeit nichts geschrieben; genug gute Bücher waren dabei.

Eins davon war Christoph Poschenrieder; Die Welt im Kopf.
Poschenrieder, ausgewiesener Schopenhauer Fachmann verarbeitet hier ein historisches Ereignis, nämlich eine Reise Schopenhauers nach Italien. Also im Prinzip ein historischer Roman. Aber zum Glück nicht einer, den man auf den ersten fünf Metern im Eingangsbereich der großen Buchhandlungsketten findet. Und auch nicht einer der Sorte, der in den unsäglichen Foren, speziell über historische Romane, unbedingt Beachtung findet. Zum Glück muß ich sagen. Denn dort würde er untergehen im Gewusel der historischen Romane, die ja nun häufig kaum diese Bezeichnung verdienen. Gut auch, daß er nicht in den diversen Foren zwischen Liebesromanen mit kleinem historischen Zusätzen diskutiert wird von Leuten, die teils an den simplen Voraussetzungen unserer Sprache scheitern, sich aber als "belesen" bezeichnen.

Aber nun genug der Lästerei, mußte aber mal sein!

Ein kleiner, feiner Roman mit einer präzisen Sprache, eben einer Sprache des Wissenschaftlers. Nie langweilig, detailreich und durchaus auch spannend, möchte ich diesen Roman bezeichnen. Poschenrieder will darstellen, eine kurze Episode im Leben Schopenhauers herausnehmen. Eine Reise nach Italien, Venedig, Goethe, Lord Byron; fast will man das als Stationen nennen. Sie geht noch weiter.
Schopenhauers Schwierigkeiten sein Werk Die Welt als Wille und Vorstellung zu veröffentlichen werden dargestellt. Interessant geschrieben, versehen mit kleinen Hinweisen auf seine Philosophie. Auch die Überzeugung die Schopenhauer hatte; dieses Werk ist gut, lest es! Poschenrieder findet die richtigen Worte und macht den Stoff gut lesbar.

Ein tolles Buch, der Klappentext hat Recht: weniger Schopenhauers Philosophie, sondern ein Teil seines Lebens!

Was wäre es ohne ein Zitat von Schopenhauer:

Was uns fast unumgänglich zu lächerlichen Personen macht,
ist der Ernst mit dem wir die jedesmalige Gegenwart behandeln,
die einen nothwendigen Schein von Wichtigkeit an sich trägt.
Wohl nur wenige große Geister sind darüber hinweggekommen,
und aus lächerlichen zu lachenden Personen geworden. A. S.

Wie wahr!


F. C. Delius, Als die Bücher noch geholfen haben. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob das voranstehende Schopenhauer Zitat nicht vielleicht auf Delius paßt. Seine biografischen Skizzen, so der Untertitel, beschreiben die Zeit von ca. Anfang/Mitte der 60er Jahre bis zur Wende. Natürlich im wesentlichen aus literarischer Sicht. Was anderes konnte auch nicht erwartet werden.
Das hätte spannend werden können, wenn da nicht im Text die schleichende "Selbstlobhudelei" von Delius wäre. Der Leser erfährt, er, Delius, wußte bereits 68, daß das nix werden würde. Marcuse, zu hoch in seinen Schriften und im übrigen außerordentlich arrogant. Der Wagenbach Verlag, diesem wird im Buch viel Raum gegeben, eine Enttäuschung überhaupt. Auch einige Autoren, Thomas Brasch sei hier genannt, auch. Delius hat irgendwie alles gewußt und leidet, fast möchte ich sagen, wie ein Hund darunter!
Und so stellt sich dem Leser ein ambivalentes Buch in den Weg. Gut gemeint, aber nicht zwingend erzählt oder erlebt; ich weiß es nicht und will es eigentlich auch nicht erfahren.


Dienstag, 22. April 2014

Nicht gelungen, Eva Gründel, Mörderwetter, Ein Englandkrimi

Vielen Dank dem Haymon Verlag für das ebook.
Leider treffen die Krimis aus dem Haymon Verlag in der letzten Zeit nicht mehr auf mein ungetrübtes Lesevergnügen.
So auch hier. Eva Gründels Mörderwetter; Ein Englandkrimi überzeugt mich nicht. 
Die Geschichte ist blutleer, fast schon oberflächlich. Irgendwie, ich kann es nicht anders formulieren, paßt es mir einfach nicht zusammen. 
Keine überzeugenden Charaktere; die Geschichte zu zufällig aufgebaut und auch nicht überzeugend in der Abfolge. Zu viele Köche, sprich Figuren, verderben den Brei, heißt für mich häufig absolut nicht nachvollziehbar.
Schade, aber so besser nicht!
Hier, wie üblich meine amazon-Rezi.

Nein, es tut mir Leid, ein Vergnügen war dieser Krimi nicht.
Eva Gründel verlegt ihre Geschichte nach England. Während der Besichtigung  des Landsitzes durch eine Touristengruppe findet der  Earl of Wharvedale den Tod. Gefunden wird er im kunstvoll angelegten Labyrinth des Landsitzes. Schnell ist klar: Kein natürlicher Tod, sondern jemand hat nachgeholfen. Zum Glück sind aber die Reiseleiterin Elena Martell und später auch der italienische Kommissar Giorgio Valentino, der zunächst eine Tagung in London besucht, vor Ort und schalten sich in die Ermittlungen ein. Commissario Valentino war früher bei einer Mordkommission und ist nun Fachmann für Straftaten rund um den Kunsthandel. Auch dort gibt es viel zu tun, sind doch viele Kunstwerke gefälscht.
Jedenfalls macht sich ein illustres Team an die Klärung des Falles, der auch viele Wendung dann noch vollzieht und am Ende, natürlich, gelöst wird.
Warum war jetzt die Lektüre kein Vergnügen? Eva Gründel packt in diesen Krimi einfach zu viel hinein. Nicht nur der Mord wird geklärt, nein auch ein Kunstschwindel und auch der Verkauf von geschütztem Tierhorn. Der Leser erfährt die Namen der „gängigen“ Kunstfälscher wie zB Beltracchi und auch, dass auf dem Landsitz wohl fast nur gefälschte Kunstwerke hängen. Nun ja, mir kam das etwas wie Füllsel vor. Die Geschichte musste wohl aufgewertet werden.
Die Charaktere bleiben oberflächlich. Es gelingt der Autorin nicht, eine Stimmung auf dem Landsitz und auch in London herzustellen. Gerade die englischen Adeligen kommen blass und seltsam blutleer daher. Selbst der Butler ist nicht das, was er sein soll und der Leser wird auf eine der vielen falschen Spuren geschickt. Einfach zu viele. Das wirkt aufgesetzt und bemüht!
Und so baut Eva Gründel dann auch einfach zu viele kleine Haken und Wendungen ein unter denen dann die Geschichte leidet. Sie ist irgendwann schlicht zu überfrachtet und braucht dann viele Hinweise von verschiedenen Personen, um zu einer Aufklärung zu kommen. Nein, das überzeugt leider nicht.
Schnell erlahmte das Interesse an der Geschichte und den Handelnden. Es wird nicht unlogischen, aber es stellte sich an der einen oder anderen Stelle die Frage, warum nun gerade dieser Charaktere, diese Figur nun den weiterführenden Hinweis geben musste. Das führte dann dazu, dass viele Person zum Schluss hin an der Lösung des Falles beteiligt sind. Und der Eindruck entstand, dass manche Figur lediglich deshalb in die Handlung eingebaut wurde.
Und so bleibt leider zurück ein blasser, bemühter Krimi, mit einer Geschichte, die nicht tragfähig ist.

Montag, 7. April 2014

Die Kraft des Vergessens-Jürg Schubiger, Nicht schwindelfrei


Wieder ein wundervolles Buch aus dem Haymon Verlag. Ein kleines, nicht aufdringliches Werk des Schweizer Schriftstellers Jürg Schubiger.  Ich mag sie, diese Schweizer Schriftsteller mit ihrer feinen Art etwas zu erzählen und darzustellen. Max Frisch, Martin Suter und auch Markus Werner, mit seinen auf den Punkt geschriebenen Romanen.
Und Jürg Schubiger ist eine Entdeckung!
Dank dem Haymon Verlag und hier die Rezension:

Ein ganzer schmaler, dünner Roman ist das. Eigentlich schnell gelesen. Eine klare Sprache beherrscht die Geschichte um Paul. Paul wird/ist vergesslich geworden. Aber anscheinend macht ihm das nichts aus. Er geht weiterhin seinen Weg. Nur dieser scheint ein anderer geworden zu sein. Nichts ist mehr wie früher. Er wird anders behandelt, er handelt anders. Und, was ganz besonders wichtig erscheint, Paul lebt immer noch gerne! Nur halt anders! Eine schöne Geschichte ist das! Nicht eine weinerliche, gefühlschwangere, sondern eine beinah schon alltägliche. Paul schaut sich das an,, schaut sich jenes, denkt sich seinen Teil. Aber, so empfand ich es, lächelnd und gelassen bis fröhlich.
Jürg Schubiger sei dank, dass er das so erzählt hat. Wohl überlegt in Worte gefasst beschreibt er die Situation mit und um Paul. Paul ist wohl ein glücklicher Mensch. Vieles belastet ihn nicht mehr, vieles entdeckt er neu. Jürg Schubiger gelingt es dabei, sicherlich auch aufgrund seiner beruflichen Erfahrung, dieses niemals peinlich, mitleiderweckend darzustellen. Nein, mit Paul kann sich der Leser freuen und mitgehen.
Sprachlich ist das auf hohem Niveau, nicht übertrieben. Schon beinah nüchtern, aber immer überzeugend. Es ist immer schön, Paul auf seinen Wegen zu folgen. Jürg Schubiger gelingt es, das zu erzählen. Aber gleichzeitig stellt sich dem Leser doch die Frage, ob ein Leben ohne den „Ballast“ Erinnerung dennoch lebenswert sein kann. Brauchen wir nicht auch die Erinnerung als Teil unseres Lebens, unseres Daseins?
Da schwächelt dann der Roman auch etwas. Eine Antwort habe ich nicht gefunden. Ja, würde man sagen, bezöge sich der Verlust nur auf die negativen Erinnerungen. Andererseits brauchen wir diese aber auch, um nicht dieselben Erfahrungen im negativen zu wiederholen. Machen wir es dennoch, dürfte darin das Scheitern liegen.
Jürg Schubiger enthält sich dieser Antwort, was bleibt ist ein wunderbarer, luftiger Roman über die positive Kraft des Vergessens.