Samstag, 24. November 2012

Herman Koch; Angerichtet, Zerstörung des Idylls

Wohl ein Bestseller, dieses Buch von Herman Koch. Dennoch mir nicht aufgefallen, bis zu einer Empfehlung!
Es treffen sich die Brüder Serge und Paul Lohmann nebst ihren Frauen in einem Nobelrestaurant zur Besprechung einer Situation in ihrem Leben, die alles verändern kann. Eigentlich muß man sagen: schon hat. Ihre Kinder, Rick und Michel, sind für den Tod einer obdachlosen Frau verantwortlich. Langsam entwickelt sich diese Situation für die Beteiligten. Paul, der beruflich entwurzelte Lehrer und auf der anderen Seite  Serge, Spitzenpolitiker, Kandidat für den Posten des Ministerpräsidenten. Im Restaurant und schon vor dem Treffen eine Atmosphäre von Argwohn und Mißtrauen. Wie Brüder nun mal (zumindest manchmal) mit einander umgehen. Besonders auffallend hier, daß diese Brüder so unterschiedlich sind.
Wie geht man mit dieser Schuld der 15 jährigen Jungen um?
Warum ist das überhaupt passiert?
So hart das auch klingen mag, warum befand sich das Opfer eigentlich am Ort des Geschehens? Das sind die Fragen, die sich speziell die Mutter von Michel stellt. Eine Mutter, die um alles in der Welt ihr Kind, ihren Sohn schützen will. Verständlich, aber auch soweitgehend?
Aber auch ein Buch, das auf geradezu erschreckende Art und Weise zeigt, wie Eltern und Kinder aneinander vorbei leben können! Es zeigt, wie schwierig das Verhältnis ist. Aber es zeigt auch im Verlauf, wie eine Fassade bröckelt. Gerade die bürgerliche Tristesse zerstört sich in diesem Roman selbst. Scheint diese Tat schon ansich ungeheuerlich, zeigt aber auch der Umgang damit, wie sehr sich auch die Generation der Eltern in einem Sumpf von Lügen und Vorurteilen befindet. Eigentlich ist alles Schein und unwirklich. Geht es noch um ein ehrliches Leben? Sind die Ansprüche an sich und das Leben noch vertretbar?
Ich weiß nicht, ob Herman Koch eine Antwort darauf gibt. Ist in diesem Roman auch letztendlich egal. Was nicht  egal ist, sind seine Bloßstellungen von Leben und Lebensplanungen. Alles hat seine Ursprünge und baut auf einander auf. Es müssen nur an den entscheidenen Stellen die Weichen richtig gestellt werden.
Nur wo sie sind, sagt uns Herman Koch nicht. Zum Glück. Das müssen wir selbst heraus finden!

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