Freitag, 22. Juli 2011

Brigitte Riebe, Die Hüterin der Quelle--sehr gelungen

Man schreibt ja gemeinhin dem Mittelalter die Eigenschaften des Aberglaubens, der Dunkelheit und der religiösen Kämpfe, Auseinandersetzungen zu. Nun zeigt Brigitte Riebe in ihrem Roman Die Hüterin der Quelle aber dem Leser, daß auch das 17. Jahrhundert geprägt ist durch Aberglaube, Dunkelheit, Verfolgung andersgläubiger und durch religiöse, sprich in diesem Falle christlicher Verirrungen.
Die Geschichte des Romans ist angesiedelt in Bamberg. Dort wütet, eine historische Person, der Weihbischof Friedrich Förner.  Er ist ein Hexenbrenner der übelsten Sorte. Nichts ist vor ihm sicher, die geringste Denunziation reicht, um Menschen, selbst Kinder in das sogenannte Loch zu stecken. War die Person erst einmal dort, so war fast immer keine Rettung möglich, der Tod besiegelt. In diesem Umfeld der religiösen Verfolgung, der religiösen Verblendung erzählt Brigitte Riebe die Geschichte. In einem Spannungsfeld zwischen einerseits fanatischen Eiferern und dem auch naturverbundenen Glauben der Menschen. Dem Leben mit der Natur und den Weisheiten, die sich daraus ergeben. Eine Geschichte, die auch geprägt wird von starken, unerschrockenen Frauen und deren Auseinandersetzung mit dem religiösen, sprich christlichem Wahn der damaligen Zeit. Eine dieser Frauen ist Ava. Eine erdverbundene Person, bewandert in der Kräuterkunde und in dem Leben mit den Jahreszeiten. Überhaupt sind es starke Frauencharaktere, die dieses Buch bestimmen. Die Männer spielen zwar keine untergeordnete Rolle in der Geschichte, haben nicht immer den Stellenwert, es sei denn, es handelt sich bei ihnen um die, ja so kann man es formulieren, Unterdrücker. Sie sind dann aber auch immer geblendet durch ihren religiösen Fanatismus. Aber dennoch gelingt es Brigitte Riebe eine krasse Schwarzweißzeichnung zu vermeiden, denn sie läßt auch Ausnahmen von diesem Männerbild zu. Dieses wird anschaulich z.B. in der Person des Veit Sternen und seines Sohnes. Sie sind Krippenschnitzer und in ihrem Handwerk hoch angesehen. Der Leser erfährt einiges über dieses Handwerk in der dunklen Zeit des 17. Jahrhunderts. Ja, es ist in der Tat eine dunkle Zeit, sehr geprägt durch Hungersnöte, Kriege und Hexenverfolgung. Wenig versöhnlich zeichnet Brigitte Riebe, eine gelernte Historikerin, diese Zeit.
Aber das muß wohl auch so sein, denn eine andere, positive Darstellung der Geschehnisse in Bamberg würde eine falsche Sicht der Dinge sein.
Was besonders positiv an diesem Buch auffällt, ist sein differenzierter und in verschiedenen Handlungssträngen aufgeteilterAufbau. Geschickt fügen sich die verschiedenen Perspektiven, auch bestimmt durch die handelnden Personen, zu einem abgerundeten Ganzen zusammen. Historische Richtigkeit in Personen und Abläufen mischt sich gelungen mit den Dingen, die sich Brigitte Riebe dazu gedacht und geschrieben hat. Es paßt zusammen! Auch sprachlich enthielt der Roman aus meiner Sicht keine Schwachstellen. Die Sprache ist durchgehend der Thematik angepaßt.
Und somit muß ich abschließend feststellen, daß Brigitte Riebe mit Die Hüterin der Quelle ein ganz außergewöhnlicher Roman gelungen ist.
Historische Authentizität verbunden mit starken, sehr positiv anzumerken, Frauengestalten, ein ungetrübter Blick auf ein dunkles Kapitel der Vergangenheit, ergeben einen Roman von ausgesprochener Dichte und auch Spannung.
Abgerundet wird das Buch noch durch einen Anhang, der interessante historische Hinweise für denjenigen gibt, der sich über das Buch hinaus  mit dieser Zeit und dieser Gegend beschäftigen will.
Daher meine Empfehlung: Unbedingt lesen!

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