Sonntag, 8. Mai 2011

Lesetagebuch

Kurt Bracharz hat mit Für reife Leser ein außerordentlich interessantes Lesetagebuch verfaßt. Man stelle sich vor, ein Schriftsteller nimmt sich vor, innerhalb eines Jahres folgende Büher zu lesen:
- William S. Burroughs: "The Naked Lunch"
- Wilhelm Busch: "Der Schmetterling"
- Elias Canetti: "Die Blendung"
- Salvador Dali: "Verborgene Gesichter"
- Don DeLillo: "Mao II"
- Alfred Döblin: "Berlin Alexanderplatz"
- Witold Gombrowicz: "Kosmos"
- Georg Herriman: "Krazy Kat"
- James Joyce: "Ein Portrait des Künstlers als junger Mann"
- Christine Lavant: "Das Kind"
- Henro Michaux: "Ein gewisser Plume"
- Vladimir Nabokov: "Pnin"
Diese Auswahl sollte eigentlich den Leser "schocken", tut sie aber nicht! Bracharz liest all diese Bücher, aber er ist auch ein "Meister der Abschweifung." Nichts und niemand ist ihm heilig, auch Kolleginnen und Kollegen werden in diese herrlich subjektive Sicht der Dinge einbezogen. Die Bücher sind nur ein Mittel zum Zweck, nämlich des ungehemmten "Drauflosfabulierens". Das beherrscht Bracharz sehr gut. Und es macht einfach Spaß diesem "Fabulierdrang" des Autors zu folgen. Man folgt ihm in die Welt des Comics genauso wie in die Welt des Films. Bracharz macht auf mich den Eindruck eines manischen Sammlers, Lesers und Entdeckers. Eines Getriebenen für seine Leser. Er will sie teilhaben lassen an seinen Leseausflügen, er will sie von der Qualität der Bücher überzeugen. Sie sollen gelesen werden.  Und gerade diese unbekannteren Schrifsteller lohnen schon die Lektüre. Sie zu entdecken, einen Anstoß in ihre Richtung zu bekommen, daß allein ist ein Verdienst von Bracharz. Und an den bereits bekannten Büchern lassen sich neue Seiten entdecken. Somit ist sein Buch nicht nur ein Lesetagebuch sondern auch eine Tour durch Literaturepochen, verschiedene Literaturstile und -zeiten. Alles hat seinen Platz und soll gelesen werden. Wenn Bracharz Buch eine Botschaft hat, dann diese: Leser lies! Lies soviel du kannst, lies wo immer du bist und lies solange du kannst. Kann es für einen manischen Leser etwas schöneres geben?

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