Sonntag, 8. Mai 2011

Das Fremde, der Fremde und die Heimat

Semier Insayi, Faruq ist ein Buch, daß es seinem Leser nicht ganz so leicht macht. Konsequent in seiner Kleinschreibung und auch konsequent in seinem Tempo. Der Leser wird gefordert. Die Geschichte des namenlosen Erzählers ist zunächst nicht so einfach zu verstehen. Wie hingehaucht sind die Wörter, es hat den Anschein, als ob der Autor lediglich assoziiert. Sätze, teilweise nur aus einem Wort bestehend, ergeben erst im Zusammenhang mit den weiteren Sätzen einen Sinn. Aber Semier Insayif bricht auch diesen Stil. Nämlich dann, wenn er von der Vergangenheit, der Familie und dem Irak erzählt. Der namenlose Erzähler erzählt auch die Geschichte seiner Familie, die Geschichte seines Vaters, der aus dem Irak nach Österreich geht und dort Medizin studiert. Die Familie integriert sich. Dennoch sind die Verbindungen in die Vergangenheit, die Verbindung zur arabischen Sprache immer da. Erzählt Semier Insayif diese Geschichte, so verändert er seinen Erzählstil. Zwar schreibt er weiterhin alles klein, aber sein Stil verändert sich von der experimentellen Schiene zu einem durchaus klassisch zu nennenden Sprachfluß. Und Insayif beherrscht auch diese Art des Erzählens. Liebevoll erzählt er die Geschichte der Familien im modernen Westen und im, zunächst von Saddam Hussein, beherrschten Irak. Die Brüder, der Vater des Erzählers und sein Onkel, treffen sich im berüchtigten Gefängnis Abu Graib wieder und das nach 21 Jahren. Eine Szene, die eindrucksvoller wohl kaum geschildert werden kann. Der Bogen spannt sich schließlich bis in die Zeit bis nach Saddam Hussein. Eine Zeit, die dennoch nicht friedlich ist. Dennoch verliert die Familie nicht den Mut, sondern gibt sich immer wieder Hoffnung auf eine morgen.
Semier Insayif ist ein beeindruckendes Buch, aber auch ein verwirrendes Buch gelungen. Er fordert den Leser und beeindruckt ihn mit einem soghaften Tempo in der Sprache. Kein Buch für nebenher, sondern es fordert. Doch diese Forderung ist dem Buch erlaubt. Es ist ein besonderes Buch mit einem besonderen Thema in einer besonderen Form umgesetzt. Semier Insayif sind weitere Bücher in dieser Stärke zu wünschen.
Weitere Informationen:  www.semierinsayif.com 
Das Buch ist im Haymon-Verlag erschienen; weitere Informationen: haymonverlag 

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