Donnerstag, 21. April 2011

Silvia Kaffke, Herzensgut, Ein Ruhrgebietskrimi

Nun gut, in der letzten Zeit sind es einige Krimis, die hier auftauchen. Das liegt sicher daran, daß mich dieses Genre seit vielen Jahren begleitet. Einen guten Krimi kann man fast immer lesen! Und auch deutschsprachige Krimis haben ja in den letzten Jahren einen enormen Auftrieb erfahren. Schon in den 70er Jahren gab es den einen oder anderen guten, deutschen Krimi. Konkret denke ich dabei an -Ky (alias Horst Bosetzky), Horst Bieber und auch Jürgen Lodemann. Diese Aufzählung ist nur exemplarisch, es könnten noch viele andere genannt werden. Später, für mich so Anfang der 80er Jahre kamen dann die Krimis mit gewissem Lokalkolorit hinzu. Das Ruhrgebiet war vertreten zB mit Werner Schmitz (Nahtlos braun) erschien 1984. Gabriella Wollenhaupt kam hinzu und natürlich, allerdings nicht aus dem Ruhrgebiet, Jacques Berndorf  mit seinen Eifel-Krimis. Auch Horst Ecker und Jürgen Kehrers Wilsberg seien genannt. Allen Romanen ist das Lokalkolorit gemein und die Tatsache, das sie im grafit Verlag erschienen sind.
Nahtlos in diese Reihe hervorragender Krimis reiht sich nun Silvia Kaffke mit Herzensgut ein. Erzählt wird die Geschichte um die ehemalige Profilerin Barbara Pross, die bei der Suche nach einer Wohnung auf die Leiche einer jungen Frau in der Nebenwohnung stößt. Zwar ist unsere Heldin nicht mehr bei der Polizei, sondern versucht ihrem Leben nach Promotion eine neue Richtung, auch durch Trennung von ihrem langjährigen Freund, zu geben. Aber wie heißt es doch so schön, einmal "Bulle immer Bulle". So auch hier, daß Ermittlungsfieber ist schnell wieder da und Frau Dr. Pross mit die Jagd nach dem Mörder auf.
Dieser Krimi ist nichts für schwache Nerven. Zwar kommt er weitestgehend ohne blutige Darstellungen aus. Aber sein Thema ist Kindesmißbrauch. Und ein Kindermörder, der jahrelang am Niederrhein sein Unwesen treibt. Das ist nicht jedermanns Thema, jedoch gelingt es Silvia Kaffke die Thematik gefühlvoll und glaubhaft zu transportieren. Barbara Pross ist keine Superheldin, sondern eine Frau mit Ecken und Macken. Und so spielt auch ihr Verhältnis zu Männern eine erhebliche Rolle in diesem Roman. Allzu menschliches wird sichtbar, ohne in eine kitschige Ecke abzugleiten. Und dieses Menschliche durchläuft den Roman wie ein roter Faden. Die Ermittler, die Rechtmediziner werden auch als das dargestellt was sind, in erster Linie Menschen mit Gefühlen und Empfindungen. Man glaubt den Figuren die Betroffenheit, wenn die Kinderleichen geborgen werden. Der Roman fängt die Verzweiflung ein, wenn den Ermittlern die Zeit zwischen den Fingern verrinnt, wenn die Wahrscheinlichkeit immer geringer wird, das entführte Kind noch leben zu finden. Und auch die Grenzen moderner Ermittlungstechniken werden dargestellt. Besonders schön, bis ironisch dargestellt, wenn sich Barbara Pross der Hilfe des Hauptkommissars a. D. Leiß versichert. Wunderbar wie Kaffke beschreibt, wie dieser Mann mit der schier unerschöpflichen Erfahrung, in seinem Seniorenheim lebt und von dort aus immer wieder ausrückt umd die Ermittlungen voranzutreiben. Und so wird natürlich am Ende die Mordserie aufgeklärt, aber Verwundungen bleiben zurück. Das happy-end ist eingeschränkt und das paßt auch zu diesem Roman.
Erwähnt werden muß, daß dieser Roman der zweite mit der Hauptfigur Barbara Pross ist, der erste trägt den Titel "Messerscharf".

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