Donnerstag, 21. April 2011

Petra Schier; Der gläserne Schrein

Petra Schier legt mit dem Roman „Der gläserne Schrein“ den zweiten Band ihrer Trilogie über das Leben der Handwerkerwitwe Marysa vor. Wiederum ist der Schauplatz der Geschichte die alte Kaiserstadt Aachen im Jahre 1413. Die Chorhalle des Doms soll umgestaltet werden in Hinblick auf den Todestag von Kaiser Karl des Großen. Entsprechend angespannt ist die Stimmung in der Stadt. Ins wanken geraten die Vorbereitungen, als seltsame Unfälle auf der Baustelle geschehen. Sogar Tote sind zu beklagen. Als noch Bardolf, der Mann von Marysas Mutter verhaftet und des Mordes beschuldigt wird, ist es an Marysa, sich der Angelegenheit anzunehmen. Unterstützt wird sie dabei von Christopherus, dem mysteriösen Mönch, der Marysas Bruder Aldo auf dessen Sterbebett versprochen hat, sich um Marysa fortan zu kümmern. Da Christopherus auch ein ausgesprochen gutaussehender Mann ist, knistert es zwischen ihm und Marysa von Anfang heftig. Das sich die Geschichte zum Ende hin positiv entwickelt, sei noch verraten, mehr jedoch nicht, dem geneigten Leser soll nicht die Vorfreude und Spannung genommen werden.

Petra Schier ist mit diesem Band erneut ein erfrischend unprätentiöses Buch gelungen. Sie erzählt die Geschichte nüchtern, nie langweilig, aber immer so, daß man ihr die Bemühungen und die Ideen abnimmt. Und das schätze ich so an der Autorin. Sie weiß was sie in ihren Büchern will und vor allen Dingen, was sie schriftstellerisch kann. Sie hat es nicht nötig, Plots aufzubauschen. Die Handlung ist klar gegliedert, zB auch durch eine kluge Einteilung der Kapitel. Dadurch versetzt sie den Leser in die Lage, immer den Überblick über die Geschehnisse zu behalten. Die Personen, es sind derer nicht so viele, sind gut in der Handlung positioniert. Gut zur Geltung kommt dadurch zB die Gliederung der einzelnen Handwerkszweige in der damaligen Zeit. Damit auch verbunden die Problematik von Frauen, die nach Verlust des Ehemanns der Handwerksbetrieb fortführen mussten. Es war für sie nicht einfach, dieses zu tun. Häufig wurde es nur geduldet, dieses zeitlich befristet zu tun. Wenn nun Marysas Leben in diesem Spannungsfeld geschildert wird, so werden  die Probleme, die ihr daraus entstehen, plastisch. Sie muß, obwohl schon in gehobener Position, um ihre Eigenständigkeit kämpfen. ZB dann, wenn sie gegen ihren Willen verheiratet werden soll. Und so nimmt man Petra Schier in dieser Schilderung auch ab, dass Marysa für die damalige Zeit eine unabhängige Frau war, ohne das eine übertriebene Emanzipation dargestellt wird. Marysa ist eine starke, eigenständige Frau, von der man sich vorstellen kann, dass sie im 15. Jahrhundert gelebt haben könnte.
Und so bleibt mir nur die Empfehlung, dieses Buch zu lesen und die Vorfreude auf den dritten Teil der Geschichten um Marysa und Christopherus.

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