Donnerstag, 21. April 2011

Petra Schier; Die Eifelgräfin

Die Eifel im Jahre 1348 ist Schauplatz dieses Romans von Petra Schier. Die Burg Kempenich ist Zufluchtsort für Elisabeth von Küneburg, die sich dort aufhalten muss, weil ihr Vater auf der Familienburg in eine Erbstreitigkeit verwickelt ist. Aber es war auch durchaus üblich, Töchter zu befreundeten Familien zwecks Erziehung zu geben. Dort lernt Elisabeth Luzia kennen, eine Bauerntochter, die dort ihren Dienst als Magd verrichtet. Die ungleichen jungen Frauen, was zumindest den Stand angeht, lernen sich kennen und auch gegenseitig schätzen. Eine Freundschaft entsteht, obgleich das zur damaligen Zeit nicht üblich war wegen des Standesunterschiedes. Und diese beiden Frauen verbindet ein gemeinsames Schicksal in Form eines Kreuzes, die eine besitzt das Kreuz, die andere eine Einfassung dazu.
Diese beiden Frauen leben nun zusammen auf der Burg Kempenich. Alle Höhen und Tiefen ihrer  Jugend teilen sie. Schicksalsschläge nehmen sie gemeinsam hin. Luzia verliert während einer Pestepedemie ihre Familie, nur ihr kleiner Bruder überlebt und bleibt ihr. Elisabeth bangt um ihren Vater, der  sich im Feldzug befindet. Und beiden ist gemeinsam, dass sie ihre ersten Liebeserfahrungen machen. Ein schwieriges Unterfangen in einer Zeit, in der die Töchter verheiratet wurden und die Mitgift entscheidend war. Und so ist dieser Roman in erster Linie die Geschichte von zwei Frauen, die sich zufällig kennenlernen, aber sofort ihre geheimnisvolle Verbundenheit zueinander spüren; in zweiter Reihe ein Geschichte um die Liebe. Nun, Liebesgeschichten enden ab und an doch glücklich und das sei verraten, so auch hier.
Petra Schier gelingt etwas, was ihr hoch anzurechnen ist: sie schafft eine Geschichte, die in der Tat in ersten Linie eine, oder auch zwei, Liebesgeschichten ist. Und das gelingt ihr aus meiner Sicht auch recht gut. Die handelnden Personen, und dabei sind Elisabeth und Luzia die stärksten, sind lebendig und inhaltlich stimmig. Der Erzählung nimmt man die Situation der Zeit des 14. Jahrhunderts ab. Dabei ist es auch nicht störend, dass der Roman eigentlich „nur“ aus Liebesgeschichten  im 14. Jahrhundert besteht.
Kleine Rahmenhandlungen und einige Wechsel des Handlungsortes ergänzen die Geschichte zutreffend. Historisch eingeordnet sind einige Ereignisse der damaligen Zeit in die Geschichte eingebaut, so zB die Pest und die Pogrome gegenüber den Juden in Koblenz, denen ja häufig die Schuld an dem Ausbruch der Pest gegeben wurde. Auch ist die Burg Kempenich historisch belegt, bzgl. ihrer Bewohner sind jedoch die Quellen nicht so ergiebig, so dass vieles in dieser Hinsicht erzählerische Freiheit ist.
Was mir besonders an diesem Roman von Petra Schier gefällt, ist die Sprache, der Erzählstil. Petra Schier gelingt es, in einem unaufgeregten, eigentlich schon knapp zu nennenden Sprachstil eine fesselnde Geschichte zu erzählen. Trotz der eingegrenzten Handlung und der übersichtlichen Personenstruktur, kommt keine Langeweile auf. Bemüht sich mancher Autor um eine besonderes opulente Sprache, schafft es Petra Schier mit eingängigen Sätzen den Leser zu binden. Zwar ist dieses Buch kein „pageturner“, aber ein Buch, das den einmal beschrittenen Bogen hält. Und somit eher ein Roman, der die Leser anspricht, die Historie verbunden mit Liebesgeschichten mögen.

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