Samstag, 30. April 2011

Nicolas Lessing, Und stehe auf von den Toten

Rom im Jahre 1701 ist der Schauplatz des Romans von Nicolas Lessing.
Seltsame Dinge gehen vor in der Ewigen Stadt. Mitten während des Karnevals, die Stadt ist im
Ausnahmezustand, verschwinden junge Mädchen und die Bevölkerung, besonders der arme Teil,
der davon in der Hauptsache betroffen ist, ist in Aufregung. Als nun Cäcilia, die Schwester des
Velloni, eines Bücherwurms und Hilfspräfekten der päpstlichen Bibliothek, verschwindet, befasstttt
sich der  päpstliche Hilfsauditor bei der Rota, dem höchsten römischen Gericht,  Prospero
Lambertini mit den den Kriminalfällen, um seinem Freund zu helfen und dessen Schwester aus den
Fängen der bösen Mächte zu retten. Dabei zur Seite steht ihm Alessandro Caprara, sein
Vorgesetzter. Die eigentliche Aufgabe der beiden besteht darin, sich mit Heiligsprechungen zu
beschäftigen und diese für den Papst vorzubereiten und aufzuarbeiten.
Schnell ist klar, dass diese Aufgabe zunächst in der Hintergrund gerät, sind doch Menschenleben zu
retten. Und so macht sich Prospero Lambertini auf in die dunklen Gassen und Keller der Palazzi der
Ewigen Stadt um die Schwester seines Freundes aus der Gewalt des Bösen zu retten. Das dieses
Böse seinen Ursprung auf der dunklen Seite des Lebens, beim Mysteriösen und etwas im Reich der
Phantasie hat, sei an dieser Stelle noch verraten, mehr jedoch nicht, da sich der Roman zum Ende hin rasant entwickelt. Das heißt, der Leser wird bis zum Ende in einer gewissen Spannung gehalten.
Also ein historischer Krimi im Sinne des angelsächsischen „whodunit“.
Ich muss zugeben, dass ich zunächst, nach den ersten Seiten, skeptisch war, ob dieses Konzept
trägt. Eigentlich hat Lessing etwas einfaches gemacht. Er hat den modernen Serientäter in das 18.
Jahrhundert transferiert. Die Konstellationen seines Buch sind daher dem modernen Krimi
entliehen. Und ich muss sagen, es funktioniert. Prospero und sein Team arbeiten wie heutige
Ermittler nur vor etwas mehr als 300 Jahren. Selbst der Rechtsmediziner ist dabei. Und so ist eine
illustre Gruppe im Kampf gegen das Böse aufgestellt und, wie es sich für einen Krimi gehört, am
Ende erfolgreich.
Gefallen haben mir die Charaktere, die ausreichend dargestellt sind. Prospero ist nicht der
strahlende Held, sondern der zweifelnde, mit sich hadernde Detektiv, dessen Verzweiflung im
Kampf gegen die knappe Zeit zur Aufklärung der Verbrechen anschaulich ist. Auch Fehlschläge gilt
es weg zustecken, Schläge einzustecken. Und auch der Kampf gegen korrupte, involvierte Mächte
muss ausgefochten werden. Doch dabei kommt ihm das gemeine, einfache Volk in Gestalt der
Tiberfischer der damaligen Zeit zur Hilfe. Auch hier  gelingt es Lessing geschickt einen
Handlungsfaden  in das Geschehen einzubauen, der zeigt, dass es nicht nur Adel und Klerus im 18.
Jahrhundert gab!
Natürlich lebt auch dieser Roman von gewissen Versatzstücken, die immer wieder in historischen
Romanen  auftauchen, hier die unglückliche Liebe des Prospero Lambertini zu der attraktiven Jüdin
Deborah. Das diese dann auch noch in einen späteren Hauptverdächtigen verliebt, sogar mit ihm
verlobt ist, hätte sicherlich nicht sein müssen, wirkt etwas aufgesetzt, stört aber im großen und
ganzen nicht. Auch stört nicht, ohne zu viel zu verraten, dass die Geschichte zum Ende hin doch
etwas in eine Fantasyecke, so glaubt zumindest der Leser, führt. Nein, es wird schon zum Schluss
nachvollziehbar und passend aufgeklärt. Und, das ist besonders wichtig, spannend bis zur fast
letzten Seite.
Das ist es in der Tat, ein spannendes, etwas wunderliches Buch, das eindeutig Interesse macht auf
weitere Bücher von Nicolas Lessing. Der Leser erhält einen Krimi im historischen Gewand mit erstaunlichen Qualitäten!

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