Donnerstag, 21. April 2011

Edith Kneifl, Stadt der Schmerzen

Der neue Kriminalroman von Edith Kneifl trägt den Untertitel Ein Florenz-Krimi.
Selten habe ich einen Untertitel bei einem Buch gelesen, der zutreffender war. In der Tat dieser Roman hat beides: eine gelungene, spannende Krimigeschichte und eine grandiose Kulisse mit Florenz und mit letzterem verbunden unzähligen Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten und Ecken in der Traumstadt der Renaissance.
Die kriminalistische Geschichte ist schnell skizziert. Katharina Kafka und ihr schwuler Freund Orlando müssen nach Florenz, weil Orlandos Vater verstorben ist. Die Beerdigung wird gestört durch die Ermordung Riccardos. Da Riccardo ein Mitglieder der Familie Pazzini ist, zugleich Orlandos Onkel, begeben sich die beiden natürlich auf die Jagd nach dem Mörder. Eine Hatz durch die gesamte Stadt beginnt. Und schnell stellt sich heraus, daß die ach so ehrenwerte Familie Pazzini außerordentlich dunkle Geheimnisse birgt. Die Fassade der Gutbürgerlichkeit fällt zügig ein und Menschenhandel, Kinderprostitution kommen an das Licht der toskanischen Sonne. Mittendrin nun das ungleiche Duo Katharina und Orlando. Wer ist Freund, wer ist Feind, genau können das die mutigen Helden des Buches nicht immer beurteilen. Das zum Schluß, wie in jedem Krimi eigentlich, eine Lösung steht, versteht sich von selbst.
Edith Kneifls Krimi überzeugt. Er überzeugt durch gelungene Personen, denen man ihre Eigenschaften und überdrehten Momente abnimmt. Dieses ist besonders der Fall bei Orlando, dem schwulen Freund Katharinas mit seinem Hang zu Frauenkleidern der Fall. Und auch die Figur der Katharina ist stimmig. So zB ihr Faible für Kriminalgeschichten. Der Leser erfährt so, daß sie bereits in Wien Morde aufgeklärt hat. Darum gebettet die Geschichte der Familie Pazzini, alteingesessen in Florenz und nun in einem nur noch heruntergekommenen Zustand. Es entwickelt sich daraus eine Geschichte, die in diesem Geflecht von Unzulänglichkeiten und persönlichen Schicksalen erstaunlich gut eingebaut ist, ohne das es aufgesetzt wirkt.
Darüber, über diese gesamte Krimigeschichte, schwebt, so kann man es fast schon formulieren, die Stadt Florenz. Immer wieder streut Edith Kneifl historische Fakten über diese Stadt ein. Orte werden beschrieben und vor den Augen des Lesers lebendig. Beide Stränge passen gut zusammen und werden auch geschickt miteinander verbunden. Die Szenen, in denen der Leser mit der toskanischen Eßkultur, der toskanischen Küche und den Restaurants in Florenz konfrontiert wird, machen große Lust auf mehr. Sie wecken das Interesse an eine Reise in diese Stadt der Kunst, Kultur und der phantastischen Küche. Und so läßt sich Edith Kneifls Roman an diesen Stellen auch als Anregung darauf verstehen. Und so sind diese Abschnitte auch gut als Reiseführer zu gebrauchen.
Fazit: Eine eindrucksvolle Krimigeschichte vor der Kulisse der Stadt Florenz.

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