Freitag, 29. April 2011

Beate Sauer, Die Buchmalerin; gelungener historischer Krimi

Ein historischer Roman, noch dazu ein Krimi, der sicherlich als gelungen und im oberen Rahmen liegend betrachtet werden muss, ist Beate Sauer, Die Buchmalerin. 1235 im Deutschen Reich ist dieses Buch zeitlich eingeordnet. Es tobt der Kampf zwischen Papst Gregor IX und Kaiser Friedrich II. In diese Auseinandersetzung wird die als Ketzerin verfolgte junge Frau Donata hineingezogen. Sie beobachtet einen Mord an dem Inquisitor Gisbert, der ausgeübt wird von Kardinal Enzio von Trient. Nein, ich verrate nicht den Plot der Geschichte, denn der Mörder steht schon nach wenigen Seiten fest. Und darum geht es auch nicht. Es geht im weiteren darum, wie Donata mit diesem Geheimnis als Spielball der Mächtigen umgeht. Ihr Kampf mit sich selbst und den Ränkespielen, in die sie verstrickt wird. Schnell wird dem Leser aber auch klar, dass sie Hilfe hat. Der Medicus Roger, ein Kundschafter Friedrich II, nimmt sich ihrer an, häufig auch gegen den Widerstand Donatas. Und so kämpfen sich die beiden während eines bitterkalten Winters durch die Gegend um Köln bis hin in die Eifel durch die Geschichte. Spannend und vor allem historisch interessant aufgebaut, kann der Leser diesen Wegen der beiden verfolgen. Authentisch sind die Beschreibungen der Wege, die von beiden gemeinsam zurückgelegt werden. Man fühlt die Kälte, die zwischen den Ritzen der ärmlichen Hütten den Menschen zu schaffen macht. Die Aggressivität der Massen wird greifbar, wenn sie durch den Kardinal aufgestachelt wird gegen sogenannte Ketzer vorzugehen. All das baut Beate Sauer geschickt zwischen die historischen Fakten ein. Der Kaiser und der Papst sind historische Personen, wie auch der Erzbischof von Köln, Heinrich von Müllenark. Der Inquisitor Gisbert hat sein historische Entsprechung in Konrad von Marburg. Es passt einfach zusammen. Die Mischung von Fantasie und Fakten ist gelungen, so gelungen, wie ich sie zuletzt selten in einem historischen Roman vorgefunden habe. Auch die weiteren historischen Fakten, wie zB die Beginen, die Albigenser fügen sich gut in die Geschichte ein. Wo kleine historische Unschärfen sind, erklärt Beate Sauer sie in ihrem Nachwort. Somit erhält der Leser einen gelungen historischen Roman, der auch den Spannungsbogen eines Kriminalromans hält. Nicht nur Spannung erhält er, sondern auch überraschende Wendungen und gut in Szene gesetzte Taten. Die Bösen sind richtig böse und zeigen auch, wie leicht andere ihnen in die Falle tappen und dann im Dunstkreis der Mächtigen umkommen. Diese Mächtigen der Kirche kennen nur ihre eigenen Vorteile. Ein interessanter Aspekt auch in diesem Buch.
Stellt sich nun nur noch die Frage, warum der Roman Die Buchmalerin als Titel hat. Nun, Donata ist mit der Fähigkeit ausgestattet, sehr präzise schreiben und zeichnen zu können. Eine Fähigkeit, die in der damaligen Zeit nicht nur positiv war. Nein, negativ auch denn, wenn zB Pflanzen besonders getreu gezeichnet werden konnten; schnell war der Künstler der Ketzerei verdächtig.

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