Sonntag, 22. November 2009

Jacques Berndorf, Die Raffkes; Weg aus der Eifel, der Krimistar einmal anders

Jacques Berndorf hat einmal, schriftstellerisch betrachtet, die wunderschöne Eifel verlassen und sich in die Hauptstadt nach Berlin begeben. Jochen Mann, Staatsanwalt in einem Jugenddezernat stolpert in einen Fall, dessen Kosequenzen bis in höchsten, politischen Kreise der Bundeshauptstadt reichen. Aufgehängt wird die Geschichte an dem (realen) Berliner Bankenskandal. Berlin wird dem Leser so vorgestellt, wie er es sich sowieso schon immer vorstellte, von Korruption und Klüngel bestimmt. Es gelingt Berndorf anfangs eine Geschichte mit Fahrt und Tempo zu schreiben. Dieses Tempo bereitet dem Leser dann auch einen guten, neugierig machenden Einstieg in die Geschichte. Diese Fahrt verliert der Roman jedoch recht bald. Eine Zeit des Dümpelns entsteht und erst gegen Ende, wenn der Staatsanwalt selbst (illegale) Hand anlegt, ist das Tempo und die Spannung wieder da. Die Figuren sind unterschiedlich in ihren Anlagen. Die meisten sind so wie erwartet. so zB die bösen und fiesen Banker. Dazu kommt noch die, eigentlich, gute osteuropäische "Mafia", die durch starke "Familienverbundenheit" gekennzeichnet ist. Die Figur, die den meisten Eindruck hinterließ, ist die von Tante Ichen, die Tante Staatsanwalt Manns. Selbst etwas "halbseiden", außerordentlich reich, ausgestattet mit Verbindungen in höchste Kreise greift sie immer dann ein, wenn ihrem Neffen die Puste auszugehen scheint. Im Fazit ein guter, solider Krimi mit gut gesetzten kritsichen Tönen. Dennoch: Mir gefallen die knorrigen, verschrobenen Charaktere der Eifel-Krimis von Berndorf besser!  

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