Samstag, 16. August 2014

Poschenrieder und Delius

Lange Zeit nichts geschrieben; genug gute Bücher waren dabei.

Eins davon war Christoph Poschenrieder; Die Welt im Kopf.
Poschenrieder, ausgewiesener Schopenhauer Fachmann verarbeitet hier ein historisches Ereignis, nämlich eine Reise Schopenhauers nach Italien. Also im Prinzip ein historischer Roman. Aber zum Glück nicht einer, den man auf den ersten fünf Metern im Eingangsbereich der großen Buchhandlungsketten findet. Und auch nicht einer der Sorte, der in den unsäglichen Foren, speziell über historische Romane, unbedingt Beachtung findet. Zum Glück muß ich sagen. Denn dort würde er untergehen im Gewusel der historischen Romane, die ja nun häufig kaum diese Bezeichnung verdienen. Gut auch, daß er nicht in den diversen Foren zwischen Liebesromanen mit kleinem historischen Zusätzen diskutiert wird von Leuten, die teils an den simplen Voraussetzungen unserer Sprache scheitern, sich aber als "belesen" bezeichnen.

Aber nun genug der Lästerei, mußte aber mal sein!

Ein kleiner, feiner Roman mit einer präzisen Sprache, eben einer Sprache des Wissenschaftlers. Nie langweilig, detailreich und durchaus auch spannend, möchte ich diesen Roman bezeichnen. Poschenrieder will darstellen, eine kurze Episode im Leben Schopenhauers herausnehmen. Eine Reise nach Italien, Venedig, Goethe, Lord Byron; fast will man das als Stationen nennen. Sie geht noch weiter.
Schopenhauers Schwierigkeiten sein Werk Die Welt als Wille und Vorstellung zu veröffentlichen werden dargestellt. Interessant geschrieben, versehen mit kleinen Hinweisen auf seine Philosophie. Auch die Überzeugung die Schopenhauer hatte; dieses Werk ist gut, lest es! Poschenrieder findet die richtigen Worte und macht den Stoff gut lesbar.

Ein tolles Buch, der Klappentext hat Recht: weniger Schopenhauers Philosophie, sondern ein Teil seines Lebens!

Was wäre es ohne ein Zitat von Schopenhauer:

Was uns fast unumgänglich zu lächerlichen Personen macht,
ist der Ernst mit dem wir die jedesmalige Gegenwart behandeln,
die einen nothwendigen Schein von Wichtigkeit an sich trägt.
Wohl nur wenige große Geister sind darüber hinweggekommen,
und aus lächerlichen zu lachenden Personen geworden. A. S.

Wie wahr!


F. C. Delius, Als die Bücher noch geholfen haben. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob das voranstehende Schopenhauer Zitat nicht vielleicht auf Delius paßt. Seine biografischen Skizzen, so der Untertitel, beschreiben die Zeit von ca. Anfang/Mitte der 60er Jahre bis zur Wende. Natürlich im wesentlichen aus literarischer Sicht. Was anderes konnte auch nicht erwartet werden.
Das hätte spannend werden können, wenn da nicht im Text die schleichende "Selbstlobhudelei" von Delius wäre. Der Leser erfährt, er, Delius, wußte bereits 68, daß das nix werden würde. Marcuse, zu hoch in seinen Schriften und im übrigen außerordentlich arrogant. Der Wagenbach Verlag, diesem wird im Buch viel Raum gegeben, eine Enttäuschung überhaupt. Auch einige Autoren, Thomas Brasch sei hier genannt, auch. Delius hat irgendwie alles gewußt und leidet, fast möchte ich sagen, wie ein Hund darunter!
Und so stellt sich dem Leser ein ambivalentes Buch in den Weg. Gut gemeint, aber nicht zwingend erzählt oder erlebt; ich weiß es nicht und will es eigentlich auch nicht erfahren.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen