Sonntag, 16. März 2014

Gelungen, mit vielen Fragen! Lydia Mischkulnig- Vom Gebrauch der Wünsche

Es gibt seltsam schöne Bücher. Bücher, die sich einem nur schlecht oder teilweise garnicht erschließen. Deren Symbolik man vielleicht nicht versteht.  Die Thematik kommt nicht an, es kann vielfache Gründe haben. Aber dennoch haben diese Bücher ihren Reiz, ihre Geheimnisse. 
So ein Buch ist Vom Gebrauch der Wünsche von Lydia Mischkulnig. 
Dem Haymon-Verlag wie üblich Dank für das ebook.

Hier die Rezension aus amazon:


Selten hat mich ein Buch so ratlos gelassen.
Lydia Mischkulnig erzählt die Geschichte des Leon Schellander. Beginnend mit seiner Mutter, mamu genannt, in einem Altenheim als kleiner Junge lebend. Ein seltsamer alter Mann, Giovanni, ist völlig auf den Jungen fixiert. Es lässt sich böses ahnen. Der alte Mann stirbt unter mysteriösen Umständen. Leon und seine Mutter verlassen das Altenheim. Leon wächst auf, studiert, heiratet, lebt eine im Prinzip unglückliche Ehe mit drei Kindern. Zum Ende hin, nach Scheidung von seiner Frau Elsbeth, trifft er auf Irmgard einer geheimnisvollen, seine Leidenschaft für Tango teilenden Frau. Alles scheint vertraut, wie aus einem anderen Leben. Und Leon, so möchte ich sagen, begibt sich auf die Suche. Auf die Suche nach gestern.
Die Geschichte ist im Prinzip so einfach erzählt. Aber es ist nicht einfach, zum Glück. Mischkulnig baut Fallen, falsche Richtungen in Ihre Geschichte. Auch als die letzte Seite gelesen war, habe ich mich im Zweifel gefunden. Im Zweifel über guten und böse, im Zweifel über die Aussage, im Zweifel über die Symbolik des Romans. Der Tango, ja wofür steht er; für die Sehnsucht? Für die kühle Erotik? Vielleicht auch für das Fremde, Verborgene? Für die Distanz zwischen den Partner? All das mag es sein. Es entsteht dadurch in Bild im Kopf des Lesers, welches durchaus gefällt. Dennoch kommen immer wieder Szenen und Sätze im Roman, die zweifeln lassen.
Ein verschlossenen Roman bietet sich dem Leser. Viel Raum für Spekulationen auf Seiten des Lesers ist da. Und das ist auch gut so, zieht der Roman gerade daraus seine Kraft und seine Faszination.
Sprachlich ist Lydia Mischkulnig auf der Höhe. Fein gesponnen sind die Sätze und auf den Punkt geschrieben. Der Leser merkt, dass diese Schriftstellerin schon zu Recht einige bedeutende Literaturpreise erhalten hat. Stilsicher ist Lydia Mischkulnig in ihrer Sprache. Thematisch hatte ich insofern nicht immer den Eindruck. Und so ergeben sich kleine Einschränkungen bei der Thematik, die etwas gegen Ende den Gesamteindruck trüben.

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