Mittwoch, 25. November 2009

Margriet de Moor; Sturmflut

Die Geschichte zweier Schwestern erzählt Margriet de Moor in ihrem Buch. Der Zufall will es, daß die beiden Schwestern ihre Pläne für abends tauschen und somit ihr Leben dadurch völlig verändern. Lidy begibt sich auf die Halbinsel Schouwen-Duiveland und kommt dort in der großen niederländischen Sturmflut von 1953 um. Armanda geht anstelle ihrer Schwester zu einer Party und überlebt folglich. 

Zwei Geschichten also; eine Geschichte vom Überleben und eine Geschichte vom Sterben. Und diese eingebettet in die Betrachtung von Lebensabläufen bis hin zum Tod der überlebenden Schwester Armanda. Margriet de Moor macht es dem Leser nicht leicht. Eine Geschichte eigentlich eine ganze Lebenszeit überspannend bis hin zum Zwiegespräch der Schwestern im Augenblick des Todes von Armanda. 
Für mich sind viele niederländische Schriftsteller "Klarformulierer". Ihre Sprache ist gradlinig und auf den Punkt gebracht. So auch bei Margriet de Moor. Sie behandelt das Schicksal der beiden Schwestern mit der erforderlichen Anteilnahme, aber auch mit der gebotenen Distanz. Alles ist in diesem Roman vorhanden: große Gefühle,  die Verzweifelung, Pathos und auch die Naturgewalt in Form der niederländischen Jahrhundertsturmflut. Und immer wieder die Frage, warum verläuft ein Leben so wie es verläuft. Was treibt uns Menschen an? Sinnbildlich dargestellt eben an dieser Sturmflut. In diesem Moment des Ausgeliefertseins liegen Tod und Geburt eng zusammen, wie eine Szene zeigt, als ein Baby mitten in dieser verheerenden Flut geboren wird. Der Leser weiß aber auch sofort, daß keine Hoffnung auf Überleben besteht. Und so gestaltet sich das Buch dann auch, die Frage nach dem Warum im Leben, durchaus in dem Leben jedes Menschen. 
Ein riesiges Thema, natürlich auch mit der Gefahr für den Schriftsteller zu scheitern. Margriet de Moor scheitert nicht, liefert dem Leser aber ein Buch, daß er sich erarbeiten muß. Diese Arbeit lohnt!

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