Wow, das neue Jahr startet mit einem Roman, der wie ein Fels in der Brandung der Nordsee steht, ganz hoch oben in dieser Republik an der Grenze zu Dänemark. Jan Christophersens Schneetage ist ein Roman, der schon beeindruckend ist. Dabei ist besonders zu bedenken, daß es sich um das Erstlingswerk von Jan Christophersen handelt.
Der Autor erzählt darin die Geschichte von Jannis, einem Jungen, der nach dem II. Weltkrieg an der deutsch-dänischen Grenze hängen bleibt. Dort von Paul und seiner Familie aufgenommen wird. Paul kehrt aus Kriegsgefangenschaft zurück und betreibt dort mit seiner Frau, immer Chefin genannt, den Grenzkrug, eine alte Gaststätte, später dann mit Fremdenzimmern. Paul ist ein begeisteter Hobbyarchäologe, der auf der Suche nach Rungholt ist, einer Stadt versunken in der Nordsee, schon fast sagenumwoben. Und er reißt Jannis in seiner Begeisterung mit. Jannis, der mit zunehmendem Lebensalter auch immer mehr zu einem Freund von Paul wird. Und so auch auf der Suche nach seiner eigenen Herkunft!
Dabei nutzt Christophersen zwei Ebenen in seiner Erzählung: zum einen beschreibt er die Situation 1977/78 in dem kleinen Dorf Vidtoft zur Zeit der großen Schneekatastrophe und zum zweiten blendet er zurück und erzählt so die Geschichte des Grenzkrug und seiner Bewohner. Es ist nicht unbedingt ein großer Bogen, den er spannt. Aber er spannt den Bogen geschickt und auf das Leben der Menschen bezogen. Viele Charaktere tauchen auf und versammeln sich an den Tischen der Gaststätte, Geschichten werden ausgetauscht oder auch ersponnen? Man kennt und mag sich in diesem Mikrokosmos hoch im Norden. Und Christophersen ist ein Könner, was die Beschreibungen gerade der nordischen Landschaft angeht. Ich weiß nicht, ob ein Vergleich mit Siegfried Lenz erlaubt ist, nötig ist er auf keinen Fall, denn Christophersen hat ein eigenständiges Buch geschrieben.
Seine Landschaftsbeschreibungen, die Zeichnung von Stimmung am Meer haben mich in gänze beeindruckt. Eine klare Sprache, tolle Bilder, wie das der Okarina, was jedoch nicht weiter erklärt werden soll, soll doch der Leser noch einiges im Buch entdecken.
An einigen Stellen des Buches hatte ich den Eindruck, der Wind von der Nordsee wird greifbar, das Geschrei der Möwen zu hören. So sehr ist Christophersen mit dem Land verbunden. Also, ein außergewöhnlicher, eindrücklicher Roman!
Samstag, 14. Januar 2012
Samstag, 31. Dezember 2011
Trotz Längen, erneut gute Unterhaltung durch einen Roman von Petra Schier
Petra Schiers Bücher habe ich auf diesem blog schon an anderer Stelle vorgestellt. Hier ihr neuester historischer Roman. Ein bißchen hat mich dieser Roman enttäuscht. Zwar gelingt es Petra Schier erneut durch eine gekonnte Sprache den Leser zunächst an das Buch zu fesseln, doch schlußendlich verliert der Roman etwas an Fahrt. Etwas straffer hätte aus meiner Sicht die Geschichte angelegt werden können, aber dennoch, gute Unterhaltung allemal bietet der Roman.
Petra Schier entführt den Leser mit ihrem neuen Roman in das Mittelalter, in die Stadt Koblenz.
Luzia, eine junge Frau von niederem Stand hat zusammen mir ihrem Bruder eine Pestepidemie überlebt und wurde von Elisabeth von Manten liebevoll aufgenommen. In Koblenz lernt sie nun Martin Wied kennen, ein erfolgreicher Händler. Dieser ist durch einen furchtbaren Brand entstellt. Wied bittet Luzia ihm auf dem Jahrmarkt an seinem Stand für Gewürze zu helfen. Dieses gelingt gut, da Luzia, selten für die damalige Zeit, als Frau lesen, schreiben und auch sehr gut rechnen kann. Zärtliche Bande zwischen den beiden entwickeln sich und der Leser kann gespannt mitfiebern, ob sich die beiden denn nun letztendlich auch bekommen werden. Zahlreiche Widrigkeiten und Anfeindungen haben beide, aber in ersten Linie Luzia, zu ertragen. Es wäre nicht ein Roman von Petra Schier, wenn nicht ein glückliches Ende zu erwarten wäre.
Petra Schiers Romane, und es ist nicht der erste, den ich lese, haben häufig starke Frauenpersönlichkeiten zum Thema. So auch hier. Luzia ist so eine Frau. Eine Frau im Mittelalter, auf sich alleine gestellt, sie und ihr kleiner Bruder sind die einzigen, die nach der Pest von der Familie übrig blieben. Sie beißt sich durch auch mit der Hilfe ihrer Freundin Elisabeth von Manten.
Petra Schier gelingt es auch mit diesem Roman erneut eine interessante Frauengestalt dem Leser nahe zu bringen. Die Figur ist plastisch, sympathisch und glaubwürdig. Die Dialoge gelungen entwickelt, auch so, daß der Leser die Schlagfertigkeit und Intelligenz der Hauptfigur als sehr glaubhaft empfindet.
So entwirft Petra Schier denn auf 543 Seiten, nebst Anhang, ein schon beeindruckendes historisches Bild. Aber, dies ist auch ein bißchen das Manko des Romans. Die Geschichte ist aus meiner Sicht etwas zu breit und langatmig angelegt. Schon schnell ist dem Leser eigentlich klar, daß Luzia und Martin für einander gemacht sind. Eine gewisse Vorhersehbarkeit ist da. Etwas straffer hätte die Geschichte erzählt werden könne, ohne das es ihr zum Nachteil gereicht hätte.
Dennoch ist es kein schlechtes Buch. Petra Schier ist eine Könnerin in ihrem Metier. Die Sprache paßt und der Roman, ist trotz der Längen, flott und unterhaltsam zu lesen. Und das ist es, was ich an den Romanen von Petra Schier so schätze: auch wenn sie kleine Mängel haben, sind sie gut geschrieben und recherchiert. Ein Autorin, die gute Arbeit in ihren Romanen für ihre Leser abliefert!
Petra Schier entführt den Leser mit ihrem neuen Roman in das Mittelalter, in die Stadt Koblenz.
Luzia, eine junge Frau von niederem Stand hat zusammen mir ihrem Bruder eine Pestepidemie überlebt und wurde von Elisabeth von Manten liebevoll aufgenommen. In Koblenz lernt sie nun Martin Wied kennen, ein erfolgreicher Händler. Dieser ist durch einen furchtbaren Brand entstellt. Wied bittet Luzia ihm auf dem Jahrmarkt an seinem Stand für Gewürze zu helfen. Dieses gelingt gut, da Luzia, selten für die damalige Zeit, als Frau lesen, schreiben und auch sehr gut rechnen kann. Zärtliche Bande zwischen den beiden entwickeln sich und der Leser kann gespannt mitfiebern, ob sich die beiden denn nun letztendlich auch bekommen werden. Zahlreiche Widrigkeiten und Anfeindungen haben beide, aber in ersten Linie Luzia, zu ertragen. Es wäre nicht ein Roman von Petra Schier, wenn nicht ein glückliches Ende zu erwarten wäre.
Petra Schiers Romane, und es ist nicht der erste, den ich lese, haben häufig starke Frauenpersönlichkeiten zum Thema. So auch hier. Luzia ist so eine Frau. Eine Frau im Mittelalter, auf sich alleine gestellt, sie und ihr kleiner Bruder sind die einzigen, die nach der Pest von der Familie übrig blieben. Sie beißt sich durch auch mit der Hilfe ihrer Freundin Elisabeth von Manten.
Petra Schier gelingt es auch mit diesem Roman erneut eine interessante Frauengestalt dem Leser nahe zu bringen. Die Figur ist plastisch, sympathisch und glaubwürdig. Die Dialoge gelungen entwickelt, auch so, daß der Leser die Schlagfertigkeit und Intelligenz der Hauptfigur als sehr glaubhaft empfindet.
So entwirft Petra Schier denn auf 543 Seiten, nebst Anhang, ein schon beeindruckendes historisches Bild. Aber, dies ist auch ein bißchen das Manko des Romans. Die Geschichte ist aus meiner Sicht etwas zu breit und langatmig angelegt. Schon schnell ist dem Leser eigentlich klar, daß Luzia und Martin für einander gemacht sind. Eine gewisse Vorhersehbarkeit ist da. Etwas straffer hätte die Geschichte erzählt werden könne, ohne das es ihr zum Nachteil gereicht hätte.
Dennoch ist es kein schlechtes Buch. Petra Schier ist eine Könnerin in ihrem Metier. Die Sprache paßt und der Roman, ist trotz der Längen, flott und unterhaltsam zu lesen. Und das ist es, was ich an den Romanen von Petra Schier so schätze: auch wenn sie kleine Mängel haben, sind sie gut geschrieben und recherchiert. Ein Autorin, die gute Arbeit in ihren Romanen für ihre Leser abliefert!
Mittwoch, 26. Oktober 2011
Ein Text, der bleibt!
Franz Tumler war mir bislang noch kein Begriff. Nach diesem Buch sollte er es sein. Seine Lebensgeschichte zeigt auch Brüche, dennoch scheint es mir, als ob in seinem Werk noch viel zu entdecken sei.
Hier der link zu weiteren Infos: Franz Tumler
Eigentlich ist es ein ganz schmales Werk, zählt man nur die Seiten. Dennoch beinhaltet es wohl eines der sehr interessanten Werke zum Hintergrund des Schreibens.
Franz Tumler befaßt sich in diesem Buch, welches bereits in der 60er Jahren erschienen ist, mit der Frage, ja einmal des Titels und zum zweiten auch mit der Frage seiner Einstellung zum Schreiben.
Vorweg gestellt ist dem Buch eine Beschreibung einer Wanderung durch und damit verbunden eine Schilderung der toskanischen Stadt Volterra in den 60er Jahren. Mit einer Begleitung erkundet er diese geschichtsträchtige mittelalterliche Stadt. Kurze, knapp skizzierte, Eindrücke bringt Tumler zu Papier. Beschreibungen der Stadt, seiner Eindrücke mehr nicht. Es mutet schon fast wie eine Schreibübung. Federleichte Sätze, so wie Stadt und Landschaft, so scheint es. Der Leser hat tatsächlich den Eindruck diese Sätze seien locker eines Schreibwerkzeuges entflossen.
Dagegen, oder besser gesagt, erklärend, steht der zweite Teil des Buches. In diesem erklärt Tumler seine Herangehensweise an Literatur. Er erklärt seinen Standpunkt zur Literatur und insbesondere zu seinen Texten. Nun muß man sich das nicht leicht vorstellen. Nein, Tumler kämpft um die Szenen, die er beschreibt. Er geht dabei von seiner Rolle als Autor aus. Er ist der Ansicht, daß dabei entscheidend ist die Trennung von Autor und des von ihm Geschriebenen Dieses ist die Voraussetzung zur Schaffung von Kunst. Das klingt widersinnig und es ist Tumler auch bewußt und klar. Aber ist es nicht dennoch zutreffend? Ist nicht wichtig für die Entstehung eines literarischen Textes, daß sich der Autor von ihm trennt? Ja, so sagt Tumler, denn der Lebensstoff aus dem der literarische Stoff entsteht, gehört immer noch dem Autor und bleibt auch dort! Und das macht diese beiden Texte, der eine Prosa, der andere Essay, so wichtig. Zeigt der zweite dem Leser doch, wie der erste entstanden ist und warum er so entsteht. Tumler gewährt Einblicke in die Entstehung seines Werkes und in seine Sicht auf Kunst, speziell der Literatur. Er entzaubert damit aber nicht den Moment des Schreibens, des Entstehens. Sondern er nimmt den Leser an die Hand, mit ihm zusammen seine Prosa näher zu verstehen. Der Zauber von Literatur, hier der Prosa, bleibt, nur ist der Leser durch mehr Verstehen näher am Text. Gut, daß derartige Text nicht an Aktualität verlieren und das sie bleiben.
Hier der link zu weiteren Infos: Franz Tumler
Eigentlich ist es ein ganz schmales Werk, zählt man nur die Seiten. Dennoch beinhaltet es wohl eines der sehr interessanten Werke zum Hintergrund des Schreibens.
Franz Tumler befaßt sich in diesem Buch, welches bereits in der 60er Jahren erschienen ist, mit der Frage, ja einmal des Titels und zum zweiten auch mit der Frage seiner Einstellung zum Schreiben.
Vorweg gestellt ist dem Buch eine Beschreibung einer Wanderung durch und damit verbunden eine Schilderung der toskanischen Stadt Volterra in den 60er Jahren. Mit einer Begleitung erkundet er diese geschichtsträchtige mittelalterliche Stadt. Kurze, knapp skizzierte, Eindrücke bringt Tumler zu Papier. Beschreibungen der Stadt, seiner Eindrücke mehr nicht. Es mutet schon fast wie eine Schreibübung. Federleichte Sätze, so wie Stadt und Landschaft, so scheint es. Der Leser hat tatsächlich den Eindruck diese Sätze seien locker eines Schreibwerkzeuges entflossen.
Dagegen, oder besser gesagt, erklärend, steht der zweite Teil des Buches. In diesem erklärt Tumler seine Herangehensweise an Literatur. Er erklärt seinen Standpunkt zur Literatur und insbesondere zu seinen Texten. Nun muß man sich das nicht leicht vorstellen. Nein, Tumler kämpft um die Szenen, die er beschreibt. Er geht dabei von seiner Rolle als Autor aus. Er ist der Ansicht, daß dabei entscheidend ist die Trennung von Autor und des von ihm Geschriebenen Dieses ist die Voraussetzung zur Schaffung von Kunst. Das klingt widersinnig und es ist Tumler auch bewußt und klar. Aber ist es nicht dennoch zutreffend? Ist nicht wichtig für die Entstehung eines literarischen Textes, daß sich der Autor von ihm trennt? Ja, so sagt Tumler, denn der Lebensstoff aus dem der literarische Stoff entsteht, gehört immer noch dem Autor und bleibt auch dort! Und das macht diese beiden Texte, der eine Prosa, der andere Essay, so wichtig. Zeigt der zweite dem Leser doch, wie der erste entstanden ist und warum er so entsteht. Tumler gewährt Einblicke in die Entstehung seines Werkes und in seine Sicht auf Kunst, speziell der Literatur. Er entzaubert damit aber nicht den Moment des Schreibens, des Entstehens. Sondern er nimmt den Leser an die Hand, mit ihm zusammen seine Prosa näher zu verstehen. Der Zauber von Literatur, hier der Prosa, bleibt, nur ist der Leser durch mehr Verstehen näher am Text. Gut, daß derartige Text nicht an Aktualität verlieren und das sie bleiben.
Sonntag, 23. Oktober 2011
Zu entdecken- der Schriftsteller und Lyriker Jürgen Theobaldy
Auf Jürgen Theobaldys Roman Sonntags Kino bin ich aufmerksam geworden durch eine Rubrik in der online-Ausgabe Der Zeit. Diese Rubrik beschäftigt sich mit "vergessenen" Büchern und ihrer Qualität.
Jürgen Theobaldy wurde 1944 geboren, studierte Literaturwissenschaften, zuvor Lehramt für die Grundschule und lebt seit 1984 in der Schweiz, nach meinen Informationen ist dort auch als Parlamentsschreiber tätig. Neben Lyrik veröffentlichte er auch mehrere Prosabände, einer davon ist Sonntags Kino. Ein weiterer Roman trägt den Namen Spanische Wände und liegt auch schon bereit.
Sonntags Kino beschäftigt sich mit dem Aufwachsen in der Bundesrepublik in den 60er Jahren. Theobaldys Helden sind Jugendliche in der Ausbildung zwischen Aufbegehren und der Tristesse der Städte, vor allem an den Sonntagnachmittagen. Es sind die kleinen Fluchten ins Kino, die ersten Fummeleien und mehr mit Mädchen, tapsig und unbeholfen und das anschließende Prahlen damit vor den Kumpels, die Theobaldy liebevoll und unvoyeuristisch schildert. Es sind die "einfachen" Charaktere, die diesen Roman tragen und sehr authentisch wirken lassen. Man kann den Eindruck gewinnen, und es paßt ja auch, Theobaldy wurde 1944 geboren, als ob er diese Geschichten selbst erlebt hat. Dann kommen aber auch die ernsten Momente, wenn ein Kumpel bei der Probefahrt, er arbeitet als Lehrling an einer Tankstelle, mit dem Porsche des Kunden bei der Probefahrt verunglückt. Dann ist der Roman ernst und traurig und der Leser spürt die Unsicherheit der Jungen. Die brutale Frage nach der eigenen Existenz kommt auf, plötzlich kommt auch der Tod in das Leben der Jugend. Theobaldy läßt es am Ende offen, ob der Junge stirbt, ob er gelähmt bleibt. Genauso, wie seine Charaktere es nicht wissen, wohin sie ihr Leben führt, bleibt der Leser darüber im Unklaren. Und da ist auch fast folgerichtig, daß das Buch tragischkomisch endet. Riko, einer der Jungen, will, egal wie, nach Paris, einmal von den Hügel von Sacré-Coeur über die Dächer von Paris schauen, koste es was wolle. Der Job im Büro ist ihmgleichgültig, nur einmal dieses Gefühl haben. Die Reise endet am Bahnhof mitten in der Nacht. Der Zug nach Paris fährt erst am Morgen und da er keine Fahrkarte hat, endet sei Ausbrechen im Gewahrsam der Polizei, nachdem er noch eine Ohrfeige bekam. Jedenfalls kann er am anderen Tag etwas den Kumpels erzählen!
Jürgen Theobaldy ist mit diesem Roman, der 1978 erschienen ist, ein detaillreiches Porträt Deutschlands in den 60er Jahren gelungen. Die Charaktere sind stimmig und glaubwürdig, sie passen! Ab und an erinnerte mich der Roman an Lieder von Franz-Josef Degenhardt, der ja auch häufig den Mief Deutschlands in seinen Liedern darstellte.
Ein zu Unrecht vergessener Roman!
Jürgen Theobaldy wurde 1944 geboren, studierte Literaturwissenschaften, zuvor Lehramt für die Grundschule und lebt seit 1984 in der Schweiz, nach meinen Informationen ist dort auch als Parlamentsschreiber tätig. Neben Lyrik veröffentlichte er auch mehrere Prosabände, einer davon ist Sonntags Kino. Ein weiterer Roman trägt den Namen Spanische Wände und liegt auch schon bereit.
Sonntags Kino beschäftigt sich mit dem Aufwachsen in der Bundesrepublik in den 60er Jahren. Theobaldys Helden sind Jugendliche in der Ausbildung zwischen Aufbegehren und der Tristesse der Städte, vor allem an den Sonntagnachmittagen. Es sind die kleinen Fluchten ins Kino, die ersten Fummeleien und mehr mit Mädchen, tapsig und unbeholfen und das anschließende Prahlen damit vor den Kumpels, die Theobaldy liebevoll und unvoyeuristisch schildert. Es sind die "einfachen" Charaktere, die diesen Roman tragen und sehr authentisch wirken lassen. Man kann den Eindruck gewinnen, und es paßt ja auch, Theobaldy wurde 1944 geboren, als ob er diese Geschichten selbst erlebt hat. Dann kommen aber auch die ernsten Momente, wenn ein Kumpel bei der Probefahrt, er arbeitet als Lehrling an einer Tankstelle, mit dem Porsche des Kunden bei der Probefahrt verunglückt. Dann ist der Roman ernst und traurig und der Leser spürt die Unsicherheit der Jungen. Die brutale Frage nach der eigenen Existenz kommt auf, plötzlich kommt auch der Tod in das Leben der Jugend. Theobaldy läßt es am Ende offen, ob der Junge stirbt, ob er gelähmt bleibt. Genauso, wie seine Charaktere es nicht wissen, wohin sie ihr Leben führt, bleibt der Leser darüber im Unklaren. Und da ist auch fast folgerichtig, daß das Buch tragischkomisch endet. Riko, einer der Jungen, will, egal wie, nach Paris, einmal von den Hügel von Sacré-Coeur über die Dächer von Paris schauen, koste es was wolle. Der Job im Büro ist ihmgleichgültig, nur einmal dieses Gefühl haben. Die Reise endet am Bahnhof mitten in der Nacht. Der Zug nach Paris fährt erst am Morgen und da er keine Fahrkarte hat, endet sei Ausbrechen im Gewahrsam der Polizei, nachdem er noch eine Ohrfeige bekam. Jedenfalls kann er am anderen Tag etwas den Kumpels erzählen!
Jürgen Theobaldy ist mit diesem Roman, der 1978 erschienen ist, ein detaillreiches Porträt Deutschlands in den 60er Jahren gelungen. Die Charaktere sind stimmig und glaubwürdig, sie passen! Ab und an erinnerte mich der Roman an Lieder von Franz-Josef Degenhardt, der ja auch häufig den Mief Deutschlands in seinen Liedern darstellte.
Ein zu Unrecht vergessener Roman!
Historischer Krimi aus (Duisburg) Ruhrort
Silvia Kaffkes Roman Das rote Licht des Mondes ist angesiedelt in Ruhrort im Jahre 1854. Daher die Überschrift, denn zur damaligen Zeit ist Ruhrort noch eigenständig. Es ist die Zeit der beginnenden Industrialisierung der Rhein-Ruhr-Region. Bestialische Morde, verübt durch eine "Sekte" beschäftigen den Kommissar in einer Welt, die sich an der Schwelle zu einer neuen Zeit befindet. Eine Liebesgeschichte und die Emanzipation der weiblichen Hauptfigur kommen hinzu. Die Düsternheit der engen Gassen, das Elend der Arbeiter und dagegengestellt die wohlgeordnete Welt der Honorationen, Kaufleute und Fabrikbesitzer, daß alles stellt Silvia Kaffke eindrucksvoll dar. Kein Wunder, lebt sie doch in Ruhrort und ist gebürtige Duisburgerin. Das sie ursprünglich Kriminalromane erfolgreich schrieb, merkt man dem Buch an. Die Geschichte ist gut angelegt, die Spannung auf den Punkt gebracht, wenn auch die Hintergründe der Sekte etwas mystisch sind, etwas im Verborgenen bleiben. Somit ein Roman, der absolut empfehlenswert ist.
Überhaupt hat das Ruhrgebiet in den letzten Jahren, so seit ca. 20 Jahre, eine lebhafte Krimiszene hervorgebracht. Einige Romane habe ich ja schon vorgestellt. Geht man von West nach Ost, so findet man in jeder größeren Ruhrgebietsstadt Autoren, die ihre Stadt zur Kulisse von Krimis machten. Nun auch das historische Ruhrort. Es paßt und zeigt, wie interessant und spannend diese Szene ist. Nun gut, literarische Höchstleistungen darf man nicht erwarten, jedoch viel Lokalkolorit und nicht zu vergessen, den Wiedererkennungsfaktor. Und viel typischen Ruhrgebietshumor, den die Protagonisten brauchen, um in diesem Landstrich ein Bein auf die Erde zu bekommen! Und da stellt Das Rote Licht des Mondes eine gelungene Ergänzung dar!
Überhaupt hat das Ruhrgebiet in den letzten Jahren, so seit ca. 20 Jahre, eine lebhafte Krimiszene hervorgebracht. Einige Romane habe ich ja schon vorgestellt. Geht man von West nach Ost, so findet man in jeder größeren Ruhrgebietsstadt Autoren, die ihre Stadt zur Kulisse von Krimis machten. Nun auch das historische Ruhrort. Es paßt und zeigt, wie interessant und spannend diese Szene ist. Nun gut, literarische Höchstleistungen darf man nicht erwarten, jedoch viel Lokalkolorit und nicht zu vergessen, den Wiedererkennungsfaktor. Und viel typischen Ruhrgebietshumor, den die Protagonisten brauchen, um in diesem Landstrich ein Bein auf die Erde zu bekommen! Und da stellt Das Rote Licht des Mondes eine gelungene Ergänzung dar!
Montag, 3. Oktober 2011
Max Frisch--Der Mensch erscheint im Holozän--Klassiker schon heute
Max Frisch gehört bis heute zu den Schriftstellern, zu denen ich immer wieder zurückkehre. Er hat mich seit jeher fasziniert und beschäftigt. Die Lektüre seiner Bücher bringt immer wieder neues zu Tage. Seine Ansätze, Thesen und Meinungen sind für mich zeitlos. Sein ständiges Ringen mit sich selbst, mit seiner Umwelt und der Frage nach dem menschlichen Sein, das ist immer modern.
Nun, Der Mensch erscheint im Holozän, diese kleine, kurze, fast schon knappe Erzählung zeigt die ganze Breite seines Denkens. 1979 erschienen, ist sie durchaus dem Alterswerk zuzurechnen. Ob sie autobiografisch ist, wie es mitunter behauptet wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Darauf kommt es mEn auch gar nicht an.
Herr Geiser, der Protagonist, befindet sich in einem Tal im Tessin, durch ständige Regenfälle ist das Tal von der Umwelt abgeschlossen. Alleine in seinem Haus beginnt der Verfall dieses Menschen. Eine beginnende Demenz zeigt ihre ersten Symptome. Herr Geiser merkt das und versucht verzweifelt seinem (Rest?) Leben eine Ordnung und damit wiederum einen Sinn zu geben. Das Leben reduziert sich auf einige Vorräte und eine bescheidene Bibliothek. Erst liest er, später schneidet er aus den Büchern aus und sammelt Zettel, quasi auch Versatzstücke aus seinem Leben. Ein Ausbruch gelingt nicht und schlußendlich erleidet er noch einen Schlaganfall. Also faßt schon ein normaler Gang eines Lebens, zum Schluß zusammen gehalten von dem Wunsch nach Struktur und Ordnung.
Ob es noch Gott gibt, wenn es einmal kein menschliches Hirn mehr gibt, das sich eine Schöpfung ohne Schöpfer nicht denken kann, fragt sich Herr Geißer. (S. 17)
Ist diese Fragestellung nicht eine, die Frisch ein Leben lang begleitet hat? Frisch als Zweifler. In Der Mensch erscheint im Holozän bringt Frisch diese Fragen auf wenigen Seiten auf den Punkt. Ein Buch, daß auch durch die Prägnantheit seiner Sätze, seiner Ideen lebt und beeindruckt. Herr Geiser stellt fest, wie nutzlos Wissen ist im Anblick der eigenen Vergänglichkeit. Alles verschwimmt, geht innerhalb kurzer Zeit verloren.
...schon eine Stunde später erinnert man sich nur noch ungenau, vor allem Namen und Daten prägen sich nicht ein... (S. 28)
Alles vergeht, dem kann Herr Geiser nichts entgegensetzen. So betrachtet er denn seinen eigenen Verfall. Es bleiben nur Fragen am Ende eines Lebens.
Seit wann gibt es Wörter? (S. 54) Ist es die Angst des Schriftstellers davor, die Fähigkeit zu verlieren, zu schreiben. Diese Wörter kann es nur sehr kurze Zeit im Verhältnis zur Entwicklung des Universums, der Erde geben. Es sind eigentlich Momente, seit dem sie existieren. Wie bewußt muß das Frisch gewesen sein?
Frisch ist und bleibt Skeptiker, wohl sein ganzes Leben lang. Ist es das, was ihn in seinem Schreiben voran trieb? MEn durchaus denkbar.
-daß es Gott gibt, wenn es einmal keine Menschen mehr gibt, die sich eine Schöpfung ohne Gott nicht denken können, ist durch die Bibel und das Muttergottes-Fresko nicht bewiesen; die Bibel ist von Menschen verfaßt. (S.102/103) Und so findet der Mensch auch keinen Trost in der Religion.
Und so resümiert er fast schon: Es bleibt nichts als Lesen. (S. 16) Ob allerdings das Lesen den Trost spendet, den Frisch erwartet, mag dahinstehen. Seine Fähigkeit dem Leser vieles mit auf den Weg zu geben, ist unbestritten. Frisch gilt es zu entdecken, auch heute noch.
* Alle Zitat aus der Ausgabe Suhrkamp, 2011.
Nun, Der Mensch erscheint im Holozän, diese kleine, kurze, fast schon knappe Erzählung zeigt die ganze Breite seines Denkens. 1979 erschienen, ist sie durchaus dem Alterswerk zuzurechnen. Ob sie autobiografisch ist, wie es mitunter behauptet wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Darauf kommt es mEn auch gar nicht an.
Herr Geiser, der Protagonist, befindet sich in einem Tal im Tessin, durch ständige Regenfälle ist das Tal von der Umwelt abgeschlossen. Alleine in seinem Haus beginnt der Verfall dieses Menschen. Eine beginnende Demenz zeigt ihre ersten Symptome. Herr Geiser merkt das und versucht verzweifelt seinem (Rest?) Leben eine Ordnung und damit wiederum einen Sinn zu geben. Das Leben reduziert sich auf einige Vorräte und eine bescheidene Bibliothek. Erst liest er, später schneidet er aus den Büchern aus und sammelt Zettel, quasi auch Versatzstücke aus seinem Leben. Ein Ausbruch gelingt nicht und schlußendlich erleidet er noch einen Schlaganfall. Also faßt schon ein normaler Gang eines Lebens, zum Schluß zusammen gehalten von dem Wunsch nach Struktur und Ordnung.
Ob es noch Gott gibt, wenn es einmal kein menschliches Hirn mehr gibt, das sich eine Schöpfung ohne Schöpfer nicht denken kann, fragt sich Herr Geißer. (S. 17)
Ist diese Fragestellung nicht eine, die Frisch ein Leben lang begleitet hat? Frisch als Zweifler. In Der Mensch erscheint im Holozän bringt Frisch diese Fragen auf wenigen Seiten auf den Punkt. Ein Buch, daß auch durch die Prägnantheit seiner Sätze, seiner Ideen lebt und beeindruckt. Herr Geiser stellt fest, wie nutzlos Wissen ist im Anblick der eigenen Vergänglichkeit. Alles verschwimmt, geht innerhalb kurzer Zeit verloren.
...schon eine Stunde später erinnert man sich nur noch ungenau, vor allem Namen und Daten prägen sich nicht ein... (S. 28)
Alles vergeht, dem kann Herr Geiser nichts entgegensetzen. So betrachtet er denn seinen eigenen Verfall. Es bleiben nur Fragen am Ende eines Lebens.
Seit wann gibt es Wörter? (S. 54) Ist es die Angst des Schriftstellers davor, die Fähigkeit zu verlieren, zu schreiben. Diese Wörter kann es nur sehr kurze Zeit im Verhältnis zur Entwicklung des Universums, der Erde geben. Es sind eigentlich Momente, seit dem sie existieren. Wie bewußt muß das Frisch gewesen sein?
Frisch ist und bleibt Skeptiker, wohl sein ganzes Leben lang. Ist es das, was ihn in seinem Schreiben voran trieb? MEn durchaus denkbar.
-daß es Gott gibt, wenn es einmal keine Menschen mehr gibt, die sich eine Schöpfung ohne Gott nicht denken können, ist durch die Bibel und das Muttergottes-Fresko nicht bewiesen; die Bibel ist von Menschen verfaßt. (S.102/103) Und so findet der Mensch auch keinen Trost in der Religion.
Und so resümiert er fast schon: Es bleibt nichts als Lesen. (S. 16) Ob allerdings das Lesen den Trost spendet, den Frisch erwartet, mag dahinstehen. Seine Fähigkeit dem Leser vieles mit auf den Weg zu geben, ist unbestritten. Frisch gilt es zu entdecken, auch heute noch.
* Alle Zitat aus der Ausgabe Suhrkamp, 2011.
Samstag, 24. September 2011
Melancholischer Neurotiker-- Wolfgang Hermanns "Faustini"
Dem Haymon Verlag sei erneut gedankt für diesen kleinen, feinen Roman, den es zu entdecken gab.
Wolfgang Hermann, ein österreichischer Schriftsteller stellt dem Leser mit Die Augenblicke des Herrn Faustini nunmehr schon den dritten Roman mit dem Neurotiker Faustini vor. Dieser Roman ist im positiven Sinne schwer zu fassen. Von Banalitäten bis hin zu philosophischen Betrachtungen; nichts läßt Wolfgang Hermann aus. Keine Zeile langweilig, sprachlich umfassend und vor allen Dingen intelligent. Ein bisschen Faustini sollte in uns sein, es würde lohnen!
Wolfgang Hermanns Roman ist mittlerweile der dritte, der sich mit dem verschrobenen Neurotiker Faustini beschäftigt.
Faustini entdeckt einen „Riß“ in seinem Leben. Damit meint er, eine Verschiebung in der Wahrnehmung seiner Umwelt. Das Leben, das er zu leben scheint, betrachtet er seltsam von außen, immer wieder mit der Fragestellung, warum tue ich das oder jenes in diesem oder einem anderen Zeitpunkt. Eine Psychologin kann ihm ad hoc auch nicht helfen und gibt ihm die Empfehlung, zu verreisen, seine angestammte Situation auf Zeit zu verlassen und der „Riß“ sei danach vergessen und vergangen. Gesagt, getan Herr Faustini verläßt Dornbirn und fährt, nach einem herrlich dargestellten Gespräch mit der Fahrkartenbuchung der Bahn und damit verbunden, der Buchung einer Bahnfahrt, nach Edenkoben. Ja, in der Tat Edenkoben, die Stadt in Rheinland-Pfalz, gelegen an der südliche Weinstraße. Warum ausgerechnet diese Stadt, nun es wird ein Geheimnis von Herrn Faustini bleiben. Eine Veränderung reichte ihm aus und diese erlebt er.
Faustini ist voller Absurditäten und Verschrobenheiten. Sein Leben verläuft nicht gradlinig und folgerichtig, nein herrlich sind diese Brüche, Verzagtheiten und ungläubigen Beobachtungen, die Faustini macht. Überhaupt sind es aus meiner Sicht die Beobachtungen, die dieses Buch tragen. Wolfgang Hermann läßt Faustini beobachten und analysieren. Die Umwelt liegt quasi wie ein Buch vor Faustini. Wenn er es öffnet, so kann er entweder darin lesen oder neue Fragen tauchen auf. Sensibel ist Faustini, weit über die Sensibilität seiner Mitmenschen hinaus, sieht er sich in seiner Umgebung. So zB in einer Szene, wenn er den Kölner Dom besichtigt. Sein Auge sieht sofort die jahrhundertalte, düstere Atmosphäre in diesem Gemäuer, die Schwere, die Bedrückung wird für Faustini sichtbar und greifbar. Er bedauert dieses und vergleicht das Gebäude mit dem lichten, durchströmten Dom zu Speyer. In der Tat: „ Wie schwer die stehende Zeit wog“. Ja, die Zeit wog schwer, auch Faustini belastet sie. Aber, im Laufe der Geschichte verliert der Riß seinen Schrecken und wandelt sich. Faustini erlangt durch die Beobachtung neuen Mut, vielleicht auch, weil er merkt, daß sein Anderssein gar nicht so anders ist. Auch die Anderen sind mit Rissen behaftet, kann eventuell das ganze Leben ein Riß sein? Und so ist Faustini für mich nicht ein schwer belasteter, düsterer Neurotiker, sondern ein Sonderling im positiven Sinne. Faustini macht dem Leser Mut in einer immer komplizierter werdenden Welt. Seine Sichtweise auf die Welt läßt sie nicht so schwer erscheinen, was will man mehr!
Hier die hp von Wolfgang Hermann: wolfganghermann.at/
Wolfgang Hermann, ein österreichischer Schriftsteller stellt dem Leser mit Die Augenblicke des Herrn Faustini nunmehr schon den dritten Roman mit dem Neurotiker Faustini vor. Dieser Roman ist im positiven Sinne schwer zu fassen. Von Banalitäten bis hin zu philosophischen Betrachtungen; nichts läßt Wolfgang Hermann aus. Keine Zeile langweilig, sprachlich umfassend und vor allen Dingen intelligent. Ein bisschen Faustini sollte in uns sein, es würde lohnen!
Wolfgang Hermanns Roman ist mittlerweile der dritte, der sich mit dem verschrobenen Neurotiker Faustini beschäftigt.
Faustini entdeckt einen „Riß“ in seinem Leben. Damit meint er, eine Verschiebung in der Wahrnehmung seiner Umwelt. Das Leben, das er zu leben scheint, betrachtet er seltsam von außen, immer wieder mit der Fragestellung, warum tue ich das oder jenes in diesem oder einem anderen Zeitpunkt. Eine Psychologin kann ihm ad hoc auch nicht helfen und gibt ihm die Empfehlung, zu verreisen, seine angestammte Situation auf Zeit zu verlassen und der „Riß“ sei danach vergessen und vergangen. Gesagt, getan Herr Faustini verläßt Dornbirn und fährt, nach einem herrlich dargestellten Gespräch mit der Fahrkartenbuchung der Bahn und damit verbunden, der Buchung einer Bahnfahrt, nach Edenkoben. Ja, in der Tat Edenkoben, die Stadt in Rheinland-Pfalz, gelegen an der südliche Weinstraße. Warum ausgerechnet diese Stadt, nun es wird ein Geheimnis von Herrn Faustini bleiben. Eine Veränderung reichte ihm aus und diese erlebt er.
Faustini ist voller Absurditäten und Verschrobenheiten. Sein Leben verläuft nicht gradlinig und folgerichtig, nein herrlich sind diese Brüche, Verzagtheiten und ungläubigen Beobachtungen, die Faustini macht. Überhaupt sind es aus meiner Sicht die Beobachtungen, die dieses Buch tragen. Wolfgang Hermann läßt Faustini beobachten und analysieren. Die Umwelt liegt quasi wie ein Buch vor Faustini. Wenn er es öffnet, so kann er entweder darin lesen oder neue Fragen tauchen auf. Sensibel ist Faustini, weit über die Sensibilität seiner Mitmenschen hinaus, sieht er sich in seiner Umgebung. So zB in einer Szene, wenn er den Kölner Dom besichtigt. Sein Auge sieht sofort die jahrhundertalte, düstere Atmosphäre in diesem Gemäuer, die Schwere, die Bedrückung wird für Faustini sichtbar und greifbar. Er bedauert dieses und vergleicht das Gebäude mit dem lichten, durchströmten Dom zu Speyer. In der Tat: „ Wie schwer die stehende Zeit wog“. Ja, die Zeit wog schwer, auch Faustini belastet sie. Aber, im Laufe der Geschichte verliert der Riß seinen Schrecken und wandelt sich. Faustini erlangt durch die Beobachtung neuen Mut, vielleicht auch, weil er merkt, daß sein Anderssein gar nicht so anders ist. Auch die Anderen sind mit Rissen behaftet, kann eventuell das ganze Leben ein Riß sein? Und so ist Faustini für mich nicht ein schwer belasteter, düsterer Neurotiker, sondern ein Sonderling im positiven Sinne. Faustini macht dem Leser Mut in einer immer komplizierter werdenden Welt. Seine Sichtweise auf die Welt läßt sie nicht so schwer erscheinen, was will man mehr!
Hier die hp von Wolfgang Hermann: wolfganghermann.at/
Freitag, 9. September 2011
Chufo Lloréns, Das Vermächtnis des Marti Barbany
Der Roman des spanischen, besser gesagt, katalanischen Schriftstellers Chufo Lloréns führt uns in das Barcelona der Jahre 1053, 1055.
Erzählt werden in diesem Roman eigentlich mehrere Geschichten. Zum einen die Geschichte des Emporkömmlings Marti Barbany und zum anderen, und dieses mit realem, historischen Hintergrund die Geschichte der Fürsten von Barcelona in der damaligen Zeit. Dieser Strang der Geschichte ist dann auch der historisch belegte Teil, was zumindest die Fürsten angeht. Die Geschichte des Marti Barbany entspringt der Phantasie des Autors und ist das Kerngeschehen des Buches.
Marti Barbany wächst bei seiner Mutter auf, seinen Vater kannte er kaum, da dieser als Söldner sein Geld verdiente. Nach dem Tod des Vaters erwartet Marti eine Überraschung. Sein Vater hat für ihn vorgesorgt und den Geistlichen Eudald Llobet beauftragt, quasi als Testamentsvollstrecker, seinem Sohn zu helfen. Dieser Geistliche war nicht immer ein solcher, sondern kannte den Vater aus seiner Zeit als Soldat. Und so kommt Marti nach Barcelona um dort zu leben und zu arbeiten. Er darf nur außerhalb von Barcelona leben, da er nicht Bürger dieser Stadt ist. Jedoch gelingt es ihm, eine zweifelhafte Freundschaft zu Bernat Montcusi aufzubauen, der ein einflussreicher Bürger der Stadt ist und Marti verliebt sich, so viel sei verraten, mit sehr unglücklichem Ende in Laia Betancourt, die Stieftochter Montcusis. Auch entwickelt sich eine intensive Freundschaft zu Beruch Benvenist, dem Vorsteher der Geldverleiher, also einem Menschen jüdischen Glaubens. Dieser ist Marti ein verläßlicher Ratgeber in vielen Dingen seiner Lebens. In all diesen Geflechten gelingt es Marti reich zu werden. Besonders hilft ihm dabei das schwarze Öl, das Barcelona praktisch ermöglicht, Laternen in den Straßen aufzustellen und damit die Stadt sicherer zu machen. Dieses wird von Marti entdeckt und dann nach Barcelona gebracht.
All das hört sich positiv an, wäre da nicht der durchtriebene und hinterlistige Bernat Montcusi, der ein falsches Spiel mit unserem Helden spielt. Und so baut sich die Spannung zum Ende hin auf und Marti erreicht zum Ende hin, um das falsche Spiel von Bernat Montcusi zu entlarven, dass eine „lis honoris“ zwischen den beiden Kontrahenten ausgetragen werden muss. Es handelt sich dabei um ein streng reglementiertes Streitgespräch zur Wiederherstellung der Ehre der beteiligten Personen. Zu welcher Seite am Schluß sich das Blatt wendet, mag der geneigte Leser herausfinden.
Fast 700 Seiten pralles, sinnenfrohes Leben in einer pulsierenden Stadt Barcelona breitet Chufo Lloréns dem Leser aus. Ein Roman, der alles hat: Verwicklungen, Liebesgeschichten und Darstellungen zB, der Handelsverbindungen im 11. Jahrhundert auf der Welt. Sprachlich auf der Höhe gelingt es Lloréns dem Leser eine Epoche des heutigen Spaniens und eine Stadt, die wohl bis heute nichts an Reiz verloren hat, nahe zu bringen. Die Charaktere leben aus ihren Gegensätzen heraus. Die Hauptfiguren sind stimmig gezeichnet und man nimmt ihnen ab, dass sie diesen oder jenen Charakterzug haben. Wobei allerdings auch eine gewisse Blässe störend auffällt.
Darin liegt die Problematik des Romans. Er lebt etwas zu sehr von einer gewissen Schwarz/Weiß Zeichnung der Charaktere, sie sind etwas eindimensional, etwas zu berechenbar. Und so geht dann die Geschichte auch ruhig dahin. Sie ist nicht langweilig, nein, damit würde man Lloréns Unrecht tun, aber es fehlen andererseits leider auch etwas die Höhepunkte in der Erzählung.
Ein Höhepunkt zum Schluss ist dann sicherlich noch einmal die oben bereits erwähnte „lis honoris“. Hier zeigt Lloréns deutlich auf, dass er spannend erzählen kann, die Wendungen in diesem Streitgespräch sitzen und überzeugen. Hier erfährt der Roman Tempo und Verve. Leider ist das Ende durchaus vorhersehbar.
Was also erhält der Leser mit diesem Buch? Er erhält sicherlich ein Buch, was zum Gegenstand hat eine schon vor rund 800 Jahren faszinierende Stadt: Barcelona. Eine klug angelegte Geschichte, gut gemischt zwischen historischen Fakten und erzählerischer Freiheit. Ein sehr liebevoll ausgestattetes Buch mit Anhang, Glossar und Personenverzeichnis.
Was er nicht erhält, ist ein Buch mit überraschenden Wendungen und Spannung bis zur letzten Seite. Und darin liegt auch ein klein wenig die Schwäche des Buches.
Der Leser mag sich insofern ein eigenes Bild machen. Lohnend ist es auf jeden Fall!
Erzählt werden in diesem Roman eigentlich mehrere Geschichten. Zum einen die Geschichte des Emporkömmlings Marti Barbany und zum anderen, und dieses mit realem, historischen Hintergrund die Geschichte der Fürsten von Barcelona in der damaligen Zeit. Dieser Strang der Geschichte ist dann auch der historisch belegte Teil, was zumindest die Fürsten angeht. Die Geschichte des Marti Barbany entspringt der Phantasie des Autors und ist das Kerngeschehen des Buches.
Marti Barbany wächst bei seiner Mutter auf, seinen Vater kannte er kaum, da dieser als Söldner sein Geld verdiente. Nach dem Tod des Vaters erwartet Marti eine Überraschung. Sein Vater hat für ihn vorgesorgt und den Geistlichen Eudald Llobet beauftragt, quasi als Testamentsvollstrecker, seinem Sohn zu helfen. Dieser Geistliche war nicht immer ein solcher, sondern kannte den Vater aus seiner Zeit als Soldat. Und so kommt Marti nach Barcelona um dort zu leben und zu arbeiten. Er darf nur außerhalb von Barcelona leben, da er nicht Bürger dieser Stadt ist. Jedoch gelingt es ihm, eine zweifelhafte Freundschaft zu Bernat Montcusi aufzubauen, der ein einflussreicher Bürger der Stadt ist und Marti verliebt sich, so viel sei verraten, mit sehr unglücklichem Ende in Laia Betancourt, die Stieftochter Montcusis. Auch entwickelt sich eine intensive Freundschaft zu Beruch Benvenist, dem Vorsteher der Geldverleiher, also einem Menschen jüdischen Glaubens. Dieser ist Marti ein verläßlicher Ratgeber in vielen Dingen seiner Lebens. In all diesen Geflechten gelingt es Marti reich zu werden. Besonders hilft ihm dabei das schwarze Öl, das Barcelona praktisch ermöglicht, Laternen in den Straßen aufzustellen und damit die Stadt sicherer zu machen. Dieses wird von Marti entdeckt und dann nach Barcelona gebracht.
All das hört sich positiv an, wäre da nicht der durchtriebene und hinterlistige Bernat Montcusi, der ein falsches Spiel mit unserem Helden spielt. Und so baut sich die Spannung zum Ende hin auf und Marti erreicht zum Ende hin, um das falsche Spiel von Bernat Montcusi zu entlarven, dass eine „lis honoris“ zwischen den beiden Kontrahenten ausgetragen werden muss. Es handelt sich dabei um ein streng reglementiertes Streitgespräch zur Wiederherstellung der Ehre der beteiligten Personen. Zu welcher Seite am Schluß sich das Blatt wendet, mag der geneigte Leser herausfinden.
Fast 700 Seiten pralles, sinnenfrohes Leben in einer pulsierenden Stadt Barcelona breitet Chufo Lloréns dem Leser aus. Ein Roman, der alles hat: Verwicklungen, Liebesgeschichten und Darstellungen zB, der Handelsverbindungen im 11. Jahrhundert auf der Welt. Sprachlich auf der Höhe gelingt es Lloréns dem Leser eine Epoche des heutigen Spaniens und eine Stadt, die wohl bis heute nichts an Reiz verloren hat, nahe zu bringen. Die Charaktere leben aus ihren Gegensätzen heraus. Die Hauptfiguren sind stimmig gezeichnet und man nimmt ihnen ab, dass sie diesen oder jenen Charakterzug haben. Wobei allerdings auch eine gewisse Blässe störend auffällt.
Darin liegt die Problematik des Romans. Er lebt etwas zu sehr von einer gewissen Schwarz/Weiß Zeichnung der Charaktere, sie sind etwas eindimensional, etwas zu berechenbar. Und so geht dann die Geschichte auch ruhig dahin. Sie ist nicht langweilig, nein, damit würde man Lloréns Unrecht tun, aber es fehlen andererseits leider auch etwas die Höhepunkte in der Erzählung.
Ein Höhepunkt zum Schluss ist dann sicherlich noch einmal die oben bereits erwähnte „lis honoris“. Hier zeigt Lloréns deutlich auf, dass er spannend erzählen kann, die Wendungen in diesem Streitgespräch sitzen und überzeugen. Hier erfährt der Roman Tempo und Verve. Leider ist das Ende durchaus vorhersehbar.
Was also erhält der Leser mit diesem Buch? Er erhält sicherlich ein Buch, was zum Gegenstand hat eine schon vor rund 800 Jahren faszinierende Stadt: Barcelona. Eine klug angelegte Geschichte, gut gemischt zwischen historischen Fakten und erzählerischer Freiheit. Ein sehr liebevoll ausgestattetes Buch mit Anhang, Glossar und Personenverzeichnis.
Was er nicht erhält, ist ein Buch mit überraschenden Wendungen und Spannung bis zur letzten Seite. Und darin liegt auch ein klein wenig die Schwäche des Buches.
Der Leser mag sich insofern ein eigenes Bild machen. Lohnend ist es auf jeden Fall!
Zivilcourage
An dieser Stelle möchte ich einmal auf ein kleines, feines schmales Buch hinweisen, daß mich vor einiger Zeit doch sehr angesprochen hat.
Antonio Tabucchi, Erklärt Perreira.
Tabucchi ist Italiener lebt aber auch in Portugal. Er schreibt auf italienisch, abgesehen von einem Buch und ist gleichzeitig Herausgeber und Kommentator der Werke des großen portugiesischem Dichters Fernando Pessoa.
Tabucchi beschreibt in diesem Buch das Leben eines älteren Kulturredakteurs in einem diktatorischen Staatssystem. Konkret ist es das Jahr 1938 in der Salazar Diktatur in Portugal. Ein heißer Sommer, der Leser spürt schon fast die Hitze, die auf den Figuren des Romanes lastet. Diese ist ist aber gleichzeitig ein Zeichen für die Qualen, die die Hauptfigur, Perreira, aushalten muß und die immer stärker für ihn werden. Auch ein Zeichen für die wachsende Zivilcourage von Perreira. Zunächst politisch uninteressiert, wechselt er später in die Opposition. Dieses erzählt Tabucchi konsequent und in sich schlüssig. Dabei bedient er sich des erzählerischen Kunstgriffes, daß er das Buch als Vernehmung durch die Polizei schreibt. Es ist dabei nicht ersichtlich, wer Perreira vernimmt. Tabucchi bedient sich ferner dabei der Wiederholung und zwar dergestalt, daß er den Titel des Buches, Erklärt Perreira, immer wieder als Floskel Sätzen voranstellt. Interessanterweise ist das zwar eine Floskel, aber es wird nicht floskelhaft. Ich bin der Ansicht, daß man diese Floskel auch schon fast als seine verbalisierte Auflehnung gegen das System deuten kann, denn sie wird im Trotz und dennoch mutig immer wieder ausgesprochen. Und Perreira wächst an dieser Floskel, Formel. Er wächst an ihr und wird auch durch ihr zu einem Erkennenden der Umstände in seinem Land. Das ist die politische Seite des Buches. Was mir aber darüber noch auffiel, waren die Beschreibungen der Menschen und der Orte in dem Buch. Liebevoll, detailgetreu schildert er "Land und Leute". Auch die täglichen Abläufe des Lebens von Perreira werden plastisch dargestellt, ohne zu langweilen.
Ein Buch, das die Entwicklung eines Lebens, einer Zivilcourage zeigt und das damit unverzichtbar ist.
Antonio Tabucchi, Erklärt Perreira.
Tabucchi ist Italiener lebt aber auch in Portugal. Er schreibt auf italienisch, abgesehen von einem Buch und ist gleichzeitig Herausgeber und Kommentator der Werke des großen portugiesischem Dichters Fernando Pessoa.
Tabucchi beschreibt in diesem Buch das Leben eines älteren Kulturredakteurs in einem diktatorischen Staatssystem. Konkret ist es das Jahr 1938 in der Salazar Diktatur in Portugal. Ein heißer Sommer, der Leser spürt schon fast die Hitze, die auf den Figuren des Romanes lastet. Diese ist ist aber gleichzeitig ein Zeichen für die Qualen, die die Hauptfigur, Perreira, aushalten muß und die immer stärker für ihn werden. Auch ein Zeichen für die wachsende Zivilcourage von Perreira. Zunächst politisch uninteressiert, wechselt er später in die Opposition. Dieses erzählt Tabucchi konsequent und in sich schlüssig. Dabei bedient er sich des erzählerischen Kunstgriffes, daß er das Buch als Vernehmung durch die Polizei schreibt. Es ist dabei nicht ersichtlich, wer Perreira vernimmt. Tabucchi bedient sich ferner dabei der Wiederholung und zwar dergestalt, daß er den Titel des Buches, Erklärt Perreira, immer wieder als Floskel Sätzen voranstellt. Interessanterweise ist das zwar eine Floskel, aber es wird nicht floskelhaft. Ich bin der Ansicht, daß man diese Floskel auch schon fast als seine verbalisierte Auflehnung gegen das System deuten kann, denn sie wird im Trotz und dennoch mutig immer wieder ausgesprochen. Und Perreira wächst an dieser Floskel, Formel. Er wächst an ihr und wird auch durch ihr zu einem Erkennenden der Umstände in seinem Land. Das ist die politische Seite des Buches. Was mir aber darüber noch auffiel, waren die Beschreibungen der Menschen und der Orte in dem Buch. Liebevoll, detailgetreu schildert er "Land und Leute". Auch die täglichen Abläufe des Lebens von Perreira werden plastisch dargestellt, ohne zu langweilen.
Ein Buch, das die Entwicklung eines Lebens, einer Zivilcourage zeigt und das damit unverzichtbar ist.
Robert R. McCammon, Unschuld und Unheil, eine Reise in das Amerika der 60er Jahre.
Robert R. McCammon ist eigentlich als Autor von Horrorliteratur bekannt geworden. Mir war er bislang überhaupt nicht bekannt. Der Roman stand im Regal, wie er da hin kam, keine Ahnung. Wahrscheinlich eines der unzähligen Bücher, welches auf dem Flohmarkt, im modernen Antiquariat gekauft wurde.
Egal, ein spannendes, fesselndes Buch!
Es schildert die Geschichte des Cory Jay Mackenson im Jahre 1964 in Alabama in der Kleinstadt Zephyr. Unterteilt ist der Roman in 4 Kapitel, die den Jahrezeiten entsprechen. Es beginnt mit einer unheimlichen Begegnung Corys und seines Vaters auf einer Landstraße, die sein und das Leben seines Vaters grundlegend verändert!
Das es um Mord geht und sich irgendwo im Buch eine Geschichte darum rankt, ist eigentlich eine Nebensache.
Hauptsache des Buches ist das Amerika der 60 er Jahre, das beginnende Erwachsenwerden der Jungen und damit verbunden die Sorgen der Eltern. Der noch offene Rassimus, das Wort "Nigger" wird öffentlich ausgesprochen. Hauptsache ist auch der Ort, die Stimmungen in diesem Ort in den jeweiligen Jahreszeiten und die skurrilen Personen an allen Ecken und in allen Häusern! Wie zB Owen Cathcoate, der sich bei Friseur rühmt, bei der Schießerei am O. K. Corral einen Mann getötet und damit das Leben von Wyatt Earp gerettet zu haben. Herrlich vom Autor ausgeschmückt und ironisiert, da natürlich dem alten Mann niemand glaubt. Aber der alte Herr wird es noch seinen Kumpels zeigen und in einer brenzligen Situation eine wichtige Rolle spielen. Auch der Großvater, Jaybird, ist ebenfalls eine dieser verschrobenen Charaktere.Und mitten drin Cory, der eine Antenne für das Schreiben hat und als Erwachener als gestandener Schriftsteller in den kleinen, verschlafenen Ort Zephyr für kurze Zeit zurückkehrt. Mit Familie an seiner Seite kommen ihm nocheinmal die Gedanken und Gefühle seiner Kindheit, wenn er durch den nun verfallenen Ort streift.
Ein schönes Ende, dieses Buchs, das sich zwar Thriller nennt, aber keiner ist.
Das ist auch gar nicht schlimm, sondern in diesem Falle gut für den Leser, der eine gut geschriebene, stimmige Geschichte voller Verschrobenheit und liebevoller Betrachtungen aus der Sicht eines 12 jährigen Jungen präsentiert bekommt!
Daher meine unbedingte Empfehlung: lesen
Egal, ein spannendes, fesselndes Buch!
Es schildert die Geschichte des Cory Jay Mackenson im Jahre 1964 in Alabama in der Kleinstadt Zephyr. Unterteilt ist der Roman in 4 Kapitel, die den Jahrezeiten entsprechen. Es beginnt mit einer unheimlichen Begegnung Corys und seines Vaters auf einer Landstraße, die sein und das Leben seines Vaters grundlegend verändert!
Das es um Mord geht und sich irgendwo im Buch eine Geschichte darum rankt, ist eigentlich eine Nebensache.
Hauptsache des Buches ist das Amerika der 60 er Jahre, das beginnende Erwachsenwerden der Jungen und damit verbunden die Sorgen der Eltern. Der noch offene Rassimus, das Wort "Nigger" wird öffentlich ausgesprochen. Hauptsache ist auch der Ort, die Stimmungen in diesem Ort in den jeweiligen Jahreszeiten und die skurrilen Personen an allen Ecken und in allen Häusern! Wie zB Owen Cathcoate, der sich bei Friseur rühmt, bei der Schießerei am O. K. Corral einen Mann getötet und damit das Leben von Wyatt Earp gerettet zu haben. Herrlich vom Autor ausgeschmückt und ironisiert, da natürlich dem alten Mann niemand glaubt. Aber der alte Herr wird es noch seinen Kumpels zeigen und in einer brenzligen Situation eine wichtige Rolle spielen. Auch der Großvater, Jaybird, ist ebenfalls eine dieser verschrobenen Charaktere.Und mitten drin Cory, der eine Antenne für das Schreiben hat und als Erwachener als gestandener Schriftsteller in den kleinen, verschlafenen Ort Zephyr für kurze Zeit zurückkehrt. Mit Familie an seiner Seite kommen ihm nocheinmal die Gedanken und Gefühle seiner Kindheit, wenn er durch den nun verfallenen Ort streift.
Ein schönes Ende, dieses Buchs, das sich zwar Thriller nennt, aber keiner ist.
Das ist auch gar nicht schlimm, sondern in diesem Falle gut für den Leser, der eine gut geschriebene, stimmige Geschichte voller Verschrobenheit und liebevoller Betrachtungen aus der Sicht eines 12 jährigen Jungen präsentiert bekommt!
Daher meine unbedingte Empfehlung: lesen
Geschichte, sehr lebendig
Iris Kammerers Roman Varus ist einer der gelungensten historischen Romane, den ich in der letzten Zeit gelesen habe. Und zu einigen habe ich in der letzten Zeit ja auch geschrieben.
Wie der Titel schon sagt, spielt der Roman zur Zeit der Varusschlacht, also der Schlacht bei der den Römern, geführt durch eben diesen Varus, durch den germanischen Feldherrn Arminius eine verheerende Niederlage beigebracht wurde. Diese legendenumwobene Schlacht, deren genaue Örtlichkeit bis heute unter den Amateurforschern bis hin zu den Profis einigermaßen umstritten ist. Iris Kammerer gelingt es historisch sehr präzise zu sein. Der Roman besticht durch eine genaue, dem historischen Kontext angemessene Sprache. Das ist nicht immer in historischen Romanen der Fall. Ein kleine Liebesgeschichte ist auch dabei; es handelt sich jedoch nicht um die herkömmlich "Boy-meets-Girl" Konstellation, sondern Iris Kammerer schildert darin noch geschickt den Konflikt, die Begebenheit zwischen Herr und Sklave und später dann zwischen einer befreiten Sklavin und ihrem ehemaligen Herrn. Nun gut, es ist auch eine Liebesgeschichte zwischen einem Römer und einer Germanin, aber sie paßt. Iris Kammerer scheut nicht davor zurück, die Schlachtszenen drastisch darzustellen. Krieg war und ist zu jeder Zeit brutal, menschenverachtend und grausam. So auch schon vor ca. 2000 Jahren. Nur die Mittel und Waffen waren andere. Das kommt deutlich in dem Buch heraus. Aber auch die Geschichte von Freundschaft und Verrat wird erzählt. Nicht zuletzt ist es auch der Verrat von Arminius an Varus, der den Reiz des Buches ausmacht. Warum nun Arminus diese tat, auch mit dieser Brutalität tat, bleibt, wie auch in der realen Geschichte, offen. Das muß auch nicht die vordringliche Aufgabe eines historischen Romans sein. Dieses ist Aufgabe der Geschichtsschreibung und der Historiker, nicht der der Schriftsteller. Iris Kammerer hat den schmalen Grat dazwischen hervorragend gelöst. Sie hat einen historisch präzisen und erzählerisch gelungenen Roman geschrieben. Das ist ihr hoch anzurechenen und dieser Roman ist eindeutig zu empfehlen.
Wie der Titel schon sagt, spielt der Roman zur Zeit der Varusschlacht, also der Schlacht bei der den Römern, geführt durch eben diesen Varus, durch den germanischen Feldherrn Arminius eine verheerende Niederlage beigebracht wurde. Diese legendenumwobene Schlacht, deren genaue Örtlichkeit bis heute unter den Amateurforschern bis hin zu den Profis einigermaßen umstritten ist. Iris Kammerer gelingt es historisch sehr präzise zu sein. Der Roman besticht durch eine genaue, dem historischen Kontext angemessene Sprache. Das ist nicht immer in historischen Romanen der Fall. Ein kleine Liebesgeschichte ist auch dabei; es handelt sich jedoch nicht um die herkömmlich "Boy-meets-Girl" Konstellation, sondern Iris Kammerer schildert darin noch geschickt den Konflikt, die Begebenheit zwischen Herr und Sklave und später dann zwischen einer befreiten Sklavin und ihrem ehemaligen Herrn. Nun gut, es ist auch eine Liebesgeschichte zwischen einem Römer und einer Germanin, aber sie paßt. Iris Kammerer scheut nicht davor zurück, die Schlachtszenen drastisch darzustellen. Krieg war und ist zu jeder Zeit brutal, menschenverachtend und grausam. So auch schon vor ca. 2000 Jahren. Nur die Mittel und Waffen waren andere. Das kommt deutlich in dem Buch heraus. Aber auch die Geschichte von Freundschaft und Verrat wird erzählt. Nicht zuletzt ist es auch der Verrat von Arminius an Varus, der den Reiz des Buches ausmacht. Warum nun Arminus diese tat, auch mit dieser Brutalität tat, bleibt, wie auch in der realen Geschichte, offen. Das muß auch nicht die vordringliche Aufgabe eines historischen Romans sein. Dieses ist Aufgabe der Geschichtsschreibung und der Historiker, nicht der der Schriftsteller. Iris Kammerer hat den schmalen Grat dazwischen hervorragend gelöst. Sie hat einen historisch präzisen und erzählerisch gelungenen Roman geschrieben. Das ist ihr hoch anzurechenen und dieser Roman ist eindeutig zu empfehlen.
Sonntag, 4. September 2011
Ein Verwirrspiel--Edith Kneifl, Zwischen zwei Nächten
Der zweite Roman von Edith Kneifl, den ich in kurzer Zeit gelesen habe. Ein gelungener Krimi, der auch als dichte Studie einer Frauenfreundschaft gelesen werden kann. Alles in allem ein gelungener Roman, psychologisch dicht und spannend bis zur letzten Seite. Zur Recht mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet
Edith Kneifls Krimi ist erstmalig 1991 erschienen und wurde 1992 mit dem Friedrich-Glauser-Preis für den besten deutschsprachigen Kriminalroman ausgezeichnet. Nun ist dieser Roman, der vergriffen war, im Haymon Verlag als Taschenbuchausgabe neuveröffentlicht worden.
Zum Glück kann dazu nur gesagt werden, erhält der Leser doch einen interessanten, außerhalb des gängigen Krimigenres liegenden Roman.
Anna und Ann-Marie, eigentlich Anne-Marie sind alte Freundinnen. Die eine, Anna, lebt in Wien, die andere Ann-Marie in New York. Gemeinsamen haben sie ihre Vergangenheit in Wien, dort stammen beide her. Und nun ist Anna tot. Selbstmord sagt die lapidare Erklärung der Polizei. Ann-Marie glaubt das nicht, nein, nicht Anna, ihre gute, alte Freundin, die noch voller Pläne mit ihr war. Und so begibt sie sich in Wien auf die Suche nach dem Täter. Nur wenig Zeit bleibt ihr dafür und je mehr sie sich in dieser Suche verliert, umso mehr wird es auch eine Verwirrung ihrer Gedanken, Gefühle und auch Kenntnisse über ihre alte Freundin. Was ist im ihrem Bild über ihre Freundin richtig und was ist falsch? Sind alte Bilder richtig oder neue Informationen, die sie bekommt? Alles eigentlich offen, hin bis zum Schluß.
Edith Kneifls Roman ist unkonventionell. Nichts ist so, wie es scheint. Es herrscht mit zunehmender Geschichte der Zweifel vor. Keine strahlenden Krimihelden sind hier die Protagonisten, sondern Personen, die an sich zweifeln, zweifeln an dem, was sie bisher für richtig hielten. Das trifft besonders zu auf Ann-Marie, diese gebrochene Frau aus New York City. Sie nimmt an, daß ihre Freundin Anna einen Schlußstrich unter ihr Leben in Wien gezogen hat, ihren untreuen Ehemann verlassen und das ungeliebte Architekturbüro verkaufen will. Und sodann zu Ann-Marie nach New York gehen will. Aber immer mehr Zweifel kommen ihr nach Gesprächen mit verschiedenen Menschen, die Anna kannten und schätzten. Diese Zweifel macht Kneifl plastisch. Die Eigenschaften der handelnden Person verschwimmen mit fortschreitender Handlung. Spannend ist diese Konstruktion. Selten habe ich in einem Krimi so gut gezeichnete Charaktere gefunden. Beide Frauen sind in ihrer Gebrochenheit absolut authentisch. Die immer stärker werdende Skepsis bei Ann-Marie ist greifbar. Aber ist auch Ann-Marie die Person, für die sie sich auch selbst hält? Der Leser sollte bis zuletzt seine Vorbehalte haben. Nichts ist, wie es scheint, aber bis zum Schluß lesenswert und spannend. Dieser Roman ist gekennzeichnet durch dichte Beschreibungen der Psyche von Anna und Ann-Marie und das macht ihn unbedingt empfehlenswert.
Edith Kneifls Krimi ist erstmalig 1991 erschienen und wurde 1992 mit dem Friedrich-Glauser-Preis für den besten deutschsprachigen Kriminalroman ausgezeichnet. Nun ist dieser Roman, der vergriffen war, im Haymon Verlag als Taschenbuchausgabe neuveröffentlicht worden.
Zum Glück kann dazu nur gesagt werden, erhält der Leser doch einen interessanten, außerhalb des gängigen Krimigenres liegenden Roman.
Anna und Ann-Marie, eigentlich Anne-Marie sind alte Freundinnen. Die eine, Anna, lebt in Wien, die andere Ann-Marie in New York. Gemeinsamen haben sie ihre Vergangenheit in Wien, dort stammen beide her. Und nun ist Anna tot. Selbstmord sagt die lapidare Erklärung der Polizei. Ann-Marie glaubt das nicht, nein, nicht Anna, ihre gute, alte Freundin, die noch voller Pläne mit ihr war. Und so begibt sie sich in Wien auf die Suche nach dem Täter. Nur wenig Zeit bleibt ihr dafür und je mehr sie sich in dieser Suche verliert, umso mehr wird es auch eine Verwirrung ihrer Gedanken, Gefühle und auch Kenntnisse über ihre alte Freundin. Was ist im ihrem Bild über ihre Freundin richtig und was ist falsch? Sind alte Bilder richtig oder neue Informationen, die sie bekommt? Alles eigentlich offen, hin bis zum Schluß.
Edith Kneifls Roman ist unkonventionell. Nichts ist so, wie es scheint. Es herrscht mit zunehmender Geschichte der Zweifel vor. Keine strahlenden Krimihelden sind hier die Protagonisten, sondern Personen, die an sich zweifeln, zweifeln an dem, was sie bisher für richtig hielten. Das trifft besonders zu auf Ann-Marie, diese gebrochene Frau aus New York City. Sie nimmt an, daß ihre Freundin Anna einen Schlußstrich unter ihr Leben in Wien gezogen hat, ihren untreuen Ehemann verlassen und das ungeliebte Architekturbüro verkaufen will. Und sodann zu Ann-Marie nach New York gehen will. Aber immer mehr Zweifel kommen ihr nach Gesprächen mit verschiedenen Menschen, die Anna kannten und schätzten. Diese Zweifel macht Kneifl plastisch. Die Eigenschaften der handelnden Person verschwimmen mit fortschreitender Handlung. Spannend ist diese Konstruktion. Selten habe ich in einem Krimi so gut gezeichnete Charaktere gefunden. Beide Frauen sind in ihrer Gebrochenheit absolut authentisch. Die immer stärker werdende Skepsis bei Ann-Marie ist greifbar. Aber ist auch Ann-Marie die Person, für die sie sich auch selbst hält? Der Leser sollte bis zuletzt seine Vorbehalte haben. Nichts ist, wie es scheint, aber bis zum Schluß lesenswert und spannend. Dieser Roman ist gekennzeichnet durch dichte Beschreibungen der Psyche von Anna und Ann-Marie und das macht ihn unbedingt empfehlenswert.
Donnerstag, 25. August 2011
Max Frisch -- Der Mensch erscheint im Holozän
Eine aufregende, wiederholte Lektüre. Demnächst mehr über ein Buch in dessen 140 Seiten anscheinend mehr steckt, als in manchem dicken Wälzer!
Samstag, 20. August 2011
Commissario Laurenti--Veit Heinichen, Die Toten vom Karst
Bislang kannte ich Commissario Laurenti nur als Film mit dem hervorragenden Henry Hübchen in der Rolle des Commissarios. Die Filmserie ist natürlich, so muß man fast sagen, der Quote zum Opfer gefallen. Nun fiel mir durch Zufall ein Krimi aus der Serie in in die Hände. Kein Fehlgriff. Veit Heinichens Buch ist empfehlenswert.
In Triest wird eine Famlie in die Luft gesprengt. Es scheint zunächst so, als ob ein Motiv nicht zu finden sei. Laurenti, stark gebeutelt, denn seine Frau hat ihn auf Zeit (?) im Stich gelassen, stapft mißmutig durch den Triester Winter, dazu kommt noch der fiese Bora, der den Trientiner zu setzt. Irgendwie scheint sich alles gegen Laurenti verschworen zu haben. So sehr, daß er sogar wieder mit dem rauchen beginnt. Herrlich sind diese kleinen Szenen, die zeigen, wie "verzweifelt" ein italienischer Mann sein kann, wenn die geliebte Ehefrau weg ist. Heinichen zeigt das alles mit Ironie und Distanz und schafft es damit, einen Krimi zu verfassen, der eigentlich mehr ist. Er ist auch ein bisschen Spiegelbild der italienischen Realität. Darin eingebettet ein Commissario, der den angenehmen Dingen des Lebens, dem Essen, dem Trinken und natürlich auch den Frauen sehr zugetan ist. Betrachtet man jedoch seine Assistentin, so sieht aber auch, daß die Frauen gut dagegen halten können und durchaus den "Macho" im Griff haben. Alles überzeugend gezeichnet und stilistisch gelungen; nicht der letzte Laurenti für mich!
In Triest wird eine Famlie in die Luft gesprengt. Es scheint zunächst so, als ob ein Motiv nicht zu finden sei. Laurenti, stark gebeutelt, denn seine Frau hat ihn auf Zeit (?) im Stich gelassen, stapft mißmutig durch den Triester Winter, dazu kommt noch der fiese Bora, der den Trientiner zu setzt. Irgendwie scheint sich alles gegen Laurenti verschworen zu haben. So sehr, daß er sogar wieder mit dem rauchen beginnt. Herrlich sind diese kleinen Szenen, die zeigen, wie "verzweifelt" ein italienischer Mann sein kann, wenn die geliebte Ehefrau weg ist. Heinichen zeigt das alles mit Ironie und Distanz und schafft es damit, einen Krimi zu verfassen, der eigentlich mehr ist. Er ist auch ein bisschen Spiegelbild der italienischen Realität. Darin eingebettet ein Commissario, der den angenehmen Dingen des Lebens, dem Essen, dem Trinken und natürlich auch den Frauen sehr zugetan ist. Betrachtet man jedoch seine Assistentin, so sieht aber auch, daß die Frauen gut dagegen halten können und durchaus den "Macho" im Griff haben. Alles überzeugend gezeichnet und stilistisch gelungen; nicht der letzte Laurenti für mich!
Donnerstag, 11. August 2011
Ulrich Wickert, Die Wüstenkönigin---Friedrich Ani---Die Tat
Zwei Krimis von deutschsprachigen Autoren, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
Ulrich Wickerts, Die Wüstenkönigin handelt von dem französischen Untersuchungsrichter Jacques Ricou, der öfter schon Held der Wickertschen Krimis war. Nationale französische und internationale Verwicklungen sind Gegenstand dieses Krimis. Alle Versatzstücke der französischen Kultur hat der frankophile Wickert verarbeitet. Gutes Essen, die Restaurants und Bistros von Paris tauchen auf, die Empfänge und das bourgeoise Leben ganz allgemein. Seltsam platt wirkt das alles auf mich, blutleer. Die Figur des Untersuchungsrichters Ricou überzeugt nicht. Zu schematisch, mit nur positiven Akzenten besetzt, agiert sie gegen schier übermächtige Gegner. Dabei wird natürlich nicht der Genuß vergessen. Nein, mich hat diese Konstruktion nicht überzeugt.
Anders dagegen Friedrich Ani, Die Tat. Ani beschreibt in diesem Krimi tagtägliche Polizeiarbeit. Gesucht wird eine dreifach Mörder. Die Münchener Polizei scheut sich, den Begriff Serientäter zu verwenden, da zwischen den einzelnen Morden so recht keine Gemeinsamkeiten zu finden sind. Und so bedient sich das zuständige Kommissariat der Hilfe des ursprünglichen Leiters Vogel, der erblindet ist nach einem Dienstunfall. Sein Sohn ist nun auch in der Mordkommission tätig und so bezieht der Krimi auch durch die persönlichen Verflechtungen seine Brisanz. Keine strahlenden Helden, gestriegelte Überflieger sind hier an der Arbeit, sondern zweifelnde Polizisten, immer schwankend zwischen Erfolg und dem Gefühl, von allen Beteiligten angelogen zu werden. Die Spannung, für einen Krimi absolut erforderlich, ist da. Gut, gegen Ende flacht die Kurve etwas ab, dennoch verliert Ani nicht seine Linie. So zeigt Ani auf knapp 190 Seiten, daß Krimi auch anders geht. Es kommt nicht so sehr auf besonders perfide Morde an, nein, es reicht schon aus, in die dunklen Tiefen der bürgerlichen Seele einzudringen.
Ulrich Wickerts, Die Wüstenkönigin handelt von dem französischen Untersuchungsrichter Jacques Ricou, der öfter schon Held der Wickertschen Krimis war. Nationale französische und internationale Verwicklungen sind Gegenstand dieses Krimis. Alle Versatzstücke der französischen Kultur hat der frankophile Wickert verarbeitet. Gutes Essen, die Restaurants und Bistros von Paris tauchen auf, die Empfänge und das bourgeoise Leben ganz allgemein. Seltsam platt wirkt das alles auf mich, blutleer. Die Figur des Untersuchungsrichters Ricou überzeugt nicht. Zu schematisch, mit nur positiven Akzenten besetzt, agiert sie gegen schier übermächtige Gegner. Dabei wird natürlich nicht der Genuß vergessen. Nein, mich hat diese Konstruktion nicht überzeugt.
Anders dagegen Friedrich Ani, Die Tat. Ani beschreibt in diesem Krimi tagtägliche Polizeiarbeit. Gesucht wird eine dreifach Mörder. Die Münchener Polizei scheut sich, den Begriff Serientäter zu verwenden, da zwischen den einzelnen Morden so recht keine Gemeinsamkeiten zu finden sind. Und so bedient sich das zuständige Kommissariat der Hilfe des ursprünglichen Leiters Vogel, der erblindet ist nach einem Dienstunfall. Sein Sohn ist nun auch in der Mordkommission tätig und so bezieht der Krimi auch durch die persönlichen Verflechtungen seine Brisanz. Keine strahlenden Helden, gestriegelte Überflieger sind hier an der Arbeit, sondern zweifelnde Polizisten, immer schwankend zwischen Erfolg und dem Gefühl, von allen Beteiligten angelogen zu werden. Die Spannung, für einen Krimi absolut erforderlich, ist da. Gut, gegen Ende flacht die Kurve etwas ab, dennoch verliert Ani nicht seine Linie. So zeigt Ani auf knapp 190 Seiten, daß Krimi auch anders geht. Es kommt nicht so sehr auf besonders perfide Morde an, nein, es reicht schon aus, in die dunklen Tiefen der bürgerlichen Seele einzudringen.
Sonntag, 7. August 2011
Willy Josefsson---Denn ihrer ist das Himmelreich
Zwischendurch immer mal ein Krimi, steht doch die Bücherwand voll davon. Willy Josefssons, Denn ihrer ist das Himmelreich wird auf dem Cover mit den Romanen von Sjöwall/Wahlöö verglichen. Ein ziemlich gewagter Vergleich. Die Geschichte um die Pfarrerin Eva Ström, die in ihrer Pfarrei einen Fall von Kindesmißbrauch vermutet, ist doch meilenweit von der Qualität der Sjöwall/Wahlööschen Romanen entfernt. Die Geschichte ist recht simpel angelegt und die Hauptperson, o. g. Pfarrerin, kommt auch nicht sehr glaubwürdig beim Leser an. Nein, sogar eine gewisse Naivität muß man ihr unterstellen. Die Zweifel, die ihr angeblich immer wieder kommen, sind schon realitätsfremd, besonders in Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der Polizei. Einzig das Ende, recht überraschend, versöhnt etwas mit dem sonst doch schwachen Krimi!
Samstag, 6. August 2011
Max Broll is back
Der geneigte Leser wird festgestellt haben, daß auf diesem blog immer wieder Bücher des österreichischen Haymon Verlags auftauchen. Seit einiger Zeit bekomme ich, zur Zeit der Neuerscheinungen, einige Bücher des Verlags zur Rezension. Darüber freue ich mich immer wieder, denn die Bücher, die dort erscheinen, haben eine hohe Qualität. Es bereitet schon ein gewisses Vergnügen, diese Bücher zu lesen. Somit an dieser Stelle einmal vielen Dank dem Verlag!
Die Anmerkungen zum ersten Max Broll Krimi finden sich: hier
Bernhard Aichner hat nach seinem Krimi Debüt, Die Schöne und der Tod, um den Totengräber Max Broll, nun einen weiteren Krimi dem Leser abgeliefert.
Und der Leser begegnet auch hier wieder dem üblichen Personal: Baroni, dem ehemaligen Fußballstar, der Würstelverkäuferin Hanni und natürlich Max Broll.
Die Geschichte ist schnell erzählt. Tilda, Max Stiefmutter und Polizeibeamtin meldet sich per Handy bei Max und erzählt eine schier unglaubliche Geschichte.
Sie ist entführt worden und sitzt nun in einem Erdloch, kaum mit Sauerstoff versorgt. Lediglich mit einem Handy kann sie Kontakt zur Außenwelt herstellen. Doch wie lange der Akku des Handys reicht, weiß niemand. Die Polizei wird natürlich eingeschaltet, doch reicht das Max nicht aus. Und so beginnt er, mit Johann Baroni an seiner Seite mit eigenen Ermittlungen. Dabei stößt er, zum einen an die Grenzen seiner eigenen Belastbarkeit und zum anderen auf einen Kriminalfall, der lange Jahre zurückliegt und den Tilda bearbeitet hat. Nicht nur bearbeitet, sondern sie hat den Täter für lange Jahre hinter Gitter gebracht. Alles deutet auf diesen Täter hin, hätte es nicht einen gravierenden Fehler: der Mann sitzt im Knast. Und dort kommt man ja bekanntlich so einfach nicht raus. So auch hier. Also stehen alle Ermittler, ob Amateure oder Profis vor demselben Dilemma und die Zeit zur Rettung von Tilda wird immer knapper.
Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.
Bernhard Aichner hat auch mit seinem zweiten Max Broll Krimi ein solides Stück Arbeit abgeliefert. Zwar ist der Aufbau der Geschichte und die Personengestaltung relativ überschaubar, was aber nicht heißen muß, daß die Geschichte nicht trägt. Im Gegenteil von Anfang hat der Roman Spannung. Die Verzweiflung, die immer mehr von Max und Baroni Besitz ergreift, läßt den Leser mitfiebern. Wird es gut ausgehen?
Was auch schon den ersten Krimi von Aichner ausmachte, findet der Leser auch hier wieder. Die Zeichnung der Personen, die hier etwas zurücksteht, aber dennoch wieder überzeugt. Max Broll und der Ex-Fußballprofi Baroni sind schon ein seltsames Team in der Krimilandschaft, aber es paßt einfach. Aichner vermag eine überzeugende Zeichnung der Charaktere abzuliefern. Trotz allen Unglücks, das über Max Broll hereingebrochen ist, ist auch immer eine lakonische bis lustige Grundhaltung vorhanden. Max Broll als eine Art Racheengel, der immer wieder von Baroni auf den Boden zurückgeholt werden muß. Das Leben verläuft halt nicht in den Bahnen, die Max Broll geplant hat. Irgendwo will und muß es auch angenommen werden, was Max Broll auch schmerzhaft erfahren muß. Die Konstruktion der Geschichte ist etwas einfach geraten, was aber den Lesespaß nicht trübt. Wenn Bernhard Aichner nicht die Ideen ausgehen, kann Max Broll durchaus eine Größe in der Krimilandschaft werden.
Die Anmerkungen zum ersten Max Broll Krimi finden sich: hier
Bernhard Aichner hat nach seinem Krimi Debüt, Die Schöne und der Tod, um den Totengräber Max Broll, nun einen weiteren Krimi dem Leser abgeliefert.
Und der Leser begegnet auch hier wieder dem üblichen Personal: Baroni, dem ehemaligen Fußballstar, der Würstelverkäuferin Hanni und natürlich Max Broll.
Die Geschichte ist schnell erzählt. Tilda, Max Stiefmutter und Polizeibeamtin meldet sich per Handy bei Max und erzählt eine schier unglaubliche Geschichte.
Sie ist entführt worden und sitzt nun in einem Erdloch, kaum mit Sauerstoff versorgt. Lediglich mit einem Handy kann sie Kontakt zur Außenwelt herstellen. Doch wie lange der Akku des Handys reicht, weiß niemand. Die Polizei wird natürlich eingeschaltet, doch reicht das Max nicht aus. Und so beginnt er, mit Johann Baroni an seiner Seite mit eigenen Ermittlungen. Dabei stößt er, zum einen an die Grenzen seiner eigenen Belastbarkeit und zum anderen auf einen Kriminalfall, der lange Jahre zurückliegt und den Tilda bearbeitet hat. Nicht nur bearbeitet, sondern sie hat den Täter für lange Jahre hinter Gitter gebracht. Alles deutet auf diesen Täter hin, hätte es nicht einen gravierenden Fehler: der Mann sitzt im Knast. Und dort kommt man ja bekanntlich so einfach nicht raus. So auch hier. Also stehen alle Ermittler, ob Amateure oder Profis vor demselben Dilemma und die Zeit zur Rettung von Tilda wird immer knapper.
Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.
Bernhard Aichner hat auch mit seinem zweiten Max Broll Krimi ein solides Stück Arbeit abgeliefert. Zwar ist der Aufbau der Geschichte und die Personengestaltung relativ überschaubar, was aber nicht heißen muß, daß die Geschichte nicht trägt. Im Gegenteil von Anfang hat der Roman Spannung. Die Verzweiflung, die immer mehr von Max und Baroni Besitz ergreift, läßt den Leser mitfiebern. Wird es gut ausgehen?
Was auch schon den ersten Krimi von Aichner ausmachte, findet der Leser auch hier wieder. Die Zeichnung der Personen, die hier etwas zurücksteht, aber dennoch wieder überzeugt. Max Broll und der Ex-Fußballprofi Baroni sind schon ein seltsames Team in der Krimilandschaft, aber es paßt einfach. Aichner vermag eine überzeugende Zeichnung der Charaktere abzuliefern. Trotz allen Unglücks, das über Max Broll hereingebrochen ist, ist auch immer eine lakonische bis lustige Grundhaltung vorhanden. Max Broll als eine Art Racheengel, der immer wieder von Baroni auf den Boden zurückgeholt werden muß. Das Leben verläuft halt nicht in den Bahnen, die Max Broll geplant hat. Irgendwo will und muß es auch angenommen werden, was Max Broll auch schmerzhaft erfahren muß. Die Konstruktion der Geschichte ist etwas einfach geraten, was aber den Lesespaß nicht trübt. Wenn Bernhard Aichner nicht die Ideen ausgehen, kann Max Broll durchaus eine Größe in der Krimilandschaft werden.
Mittwoch, 3. August 2011
Samuel Pepys--Tagebücher
Zweitausendeins hat im letzten Jahr die Tagebücher komplett und neu übersetzt als gebundene Ausgabe auf den literarischen Markt gebracht. Nun erscheint endlich im September eine Taschenbuchausgabe zu einem deutlich günstigeren Preis.
Die Bestellung ist schon aufgegeben und die Spannung auf dieses Leseerlebnis steigt.
Infos über Samuel Pepys: http://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Pepys
So, nun sind sie endlich angekommen, die Tagebücher. Seit Juli bestellt, hing nun die Sendung fast zwanzig Tage in den Lägern eines großen, deutschen Logistikunternehmens "rum". Ja, ja just in time.
Und jetzt bin ich auf die Lektüre sehr gespannt!
Pepys 1.0
Die ersten ca. 60 Seiten des ersten Tagebuchs (1660) sind gelesen. Es ist ein kalten Januar in London. Pepys erzählt von seinem Leben in einer unsicheren Zeit, seine lukullischen Erlebnissen und seinen Geldsorgen. Kleine Streitereien mit der Ehefrau sind auch dabei. Wunderbar geschildert! Es macht Spaß Pepys auf seinen Wegen zu folgen!
So, nun sind sie endlich angekommen, die Tagebücher. Seit Juli bestellt, hing nun die Sendung fast zwanzig Tage in den Lägern eines großen, deutschen Logistikunternehmens "rum". Ja, ja just in time.
Und jetzt bin ich auf die Lektüre sehr gespannt!
Pepys 1.0
Die ersten ca. 60 Seiten des ersten Tagebuchs (1660) sind gelesen. Es ist ein kalten Januar in London. Pepys erzählt von seinem Leben in einer unsicheren Zeit, seine lukullischen Erlebnissen und seinen Geldsorgen. Kleine Streitereien mit der Ehefrau sind auch dabei. Wunderbar geschildert! Es macht Spaß Pepys auf seinen Wegen zu folgen!
John Brunner, Morgenwelt zurückgestellt
Unter diesem Label werde ich in, wahrscheinlich, unregelmäßigen Abständen über Lektüren berichten.
John Brunners Morgenwelt liegt zur Zeit auf Eis. Man denkt immer, daß SciFi-Literatur so nebenbei zu lesen ist. Morgenwelt ist das treffende Gegenbeispiel. Ein komplexer Roman von einem der ganz großen Schriftstellern der SciFi-Literatur.
John Brunners Morgenwelt liegt zur Zeit auf Eis. Man denkt immer, daß SciFi-Literatur so nebenbei zu lesen ist. Morgenwelt ist das treffende Gegenbeispiel. Ein komplexer Roman von einem der ganz großen Schriftstellern der SciFi-Literatur.
Arnold Stadler--Komm, gehen wir
Diesen Roman entdeckte ich im modernen Antiquariat, ohne etwas über den Schriftsteller Arnold Stadler zu wissen. Eine gute Anschaffung, wie sich nach der Lektüre herausstellte.
Eine Dreiecksgeschichte zunächst zeitlich angesiedelt im Jahre 1978, dem Jahr der drei Päpste. Roland und Rosemarie, kurz vor ihrer Hochzeit, machen Urlaub in Italien und treffen dort Jim, einen Amerikaner mit italienischen Wurzeln. Eine Dreiecksliebesgeschichte entsteht, wobei sich Roland in Jim verliebt. Diese Beziehung der drei bleibt nicht ohne Folgen. Rosemarie erwartet ein Kind von Jim, der allerdings in die USA zurückkehrt. Roland nimmt das Kind für sich an und lebt fortan in Erinnerungen an Jim. Es wird aus ihm ein Schriftsteller, nach seinem Philosophiestudium. Er schreibt ein Buch mit dem Titel: "Ungewaschene Erinnerung an die Liebe". Seine Geschichte mit Jim. Der Roman endet 10 Jahre später, wenn Roland nach Amerika reist, um Jim wiederzusehen. Das Ende läßt Stadler bewußt offen. Also ein Buch ganz ohne Happy End.
Zunächst hat mich bei der Lektüre die Sprache Arnold Stadlers angestrengt. Der Satzbau unerwartet, viele Abschweifungen. Doch mit zunehmender Lektüre entwickelt sich der Sprachfluß eingänglicher. Die Beschreibungen von Plätze und Orten, von Begebenheiten und den jeweiligen Familien werden plastisch durch den Stadlerschen Stil. Und immer wieder schreibt Stadler Sätze, die mich stutzten ließen. "Ein paar Deutschlandfahnen (es ist 1978) hingen immer noch von der Weltmeisterschaft her, schon fast im Nebel, von den Balkonen herunter. Und Franz Beckenbauer war auch nicht mehr da. Der Mensch konnte sich sehr verlassen vorkommen an Allerseelen."
Die Liebe und der Tod sind häufig Thema in diesem Roman. Stadler ist bewegt von diesen bestimmenden Dinge im menschlichen Dasein. "... bekam der Großvater die letzten Tage vor seinem Tod seinen geliebten Rotwein nicht mehr, um nicht süchtig zu werden und um nicht von der Justiz belangt zu werden, die längst, zusammen mit den Medizinern und den Experten, an die Stelle Gottes getreten war (sie stritten sich nur noch, wer das letzte Wort haben sollte)... So liegen Tragik und Ironie eng beieinander. Was die Liebe angeht, so stellt sich Stadler mehrmals die Frage, was sie denn sei. Eine Antwort, sie taucht häufiger auf: "...dass die Liebe das Warten auf die Liebe ist." Bedenkenswert. Stadler ist kein Freund von vorgefertigten Antworten. Nein, seine Antworten sind Zweifel. Zweifel an vielen Dingen, die als selbstverständlich hingekommen werden. Das hat mich beeindruckt. Komm, gehen wir wird nicht das einzige Buch von ihm bleiben, was ich lese. Einmal auf der Welt. Und dann so steht schon im Regal.
Eine Dreiecksgeschichte zunächst zeitlich angesiedelt im Jahre 1978, dem Jahr der drei Päpste. Roland und Rosemarie, kurz vor ihrer Hochzeit, machen Urlaub in Italien und treffen dort Jim, einen Amerikaner mit italienischen Wurzeln. Eine Dreiecksliebesgeschichte entsteht, wobei sich Roland in Jim verliebt. Diese Beziehung der drei bleibt nicht ohne Folgen. Rosemarie erwartet ein Kind von Jim, der allerdings in die USA zurückkehrt. Roland nimmt das Kind für sich an und lebt fortan in Erinnerungen an Jim. Es wird aus ihm ein Schriftsteller, nach seinem Philosophiestudium. Er schreibt ein Buch mit dem Titel: "Ungewaschene Erinnerung an die Liebe". Seine Geschichte mit Jim. Der Roman endet 10 Jahre später, wenn Roland nach Amerika reist, um Jim wiederzusehen. Das Ende läßt Stadler bewußt offen. Also ein Buch ganz ohne Happy End.
Zunächst hat mich bei der Lektüre die Sprache Arnold Stadlers angestrengt. Der Satzbau unerwartet, viele Abschweifungen. Doch mit zunehmender Lektüre entwickelt sich der Sprachfluß eingänglicher. Die Beschreibungen von Plätze und Orten, von Begebenheiten und den jeweiligen Familien werden plastisch durch den Stadlerschen Stil. Und immer wieder schreibt Stadler Sätze, die mich stutzten ließen. "Ein paar Deutschlandfahnen (es ist 1978) hingen immer noch von der Weltmeisterschaft her, schon fast im Nebel, von den Balkonen herunter. Und Franz Beckenbauer war auch nicht mehr da. Der Mensch konnte sich sehr verlassen vorkommen an Allerseelen."
Die Liebe und der Tod sind häufig Thema in diesem Roman. Stadler ist bewegt von diesen bestimmenden Dinge im menschlichen Dasein. "... bekam der Großvater die letzten Tage vor seinem Tod seinen geliebten Rotwein nicht mehr, um nicht süchtig zu werden und um nicht von der Justiz belangt zu werden, die längst, zusammen mit den Medizinern und den Experten, an die Stelle Gottes getreten war (sie stritten sich nur noch, wer das letzte Wort haben sollte)... So liegen Tragik und Ironie eng beieinander. Was die Liebe angeht, so stellt sich Stadler mehrmals die Frage, was sie denn sei. Eine Antwort, sie taucht häufiger auf: "...dass die Liebe das Warten auf die Liebe ist." Bedenkenswert. Stadler ist kein Freund von vorgefertigten Antworten. Nein, seine Antworten sind Zweifel. Zweifel an vielen Dingen, die als selbstverständlich hingekommen werden. Das hat mich beeindruckt. Komm, gehen wir wird nicht das einzige Buch von ihm bleiben, was ich lese. Einmal auf der Welt. Und dann so steht schon im Regal.
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