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Montag, 21. Oktober 2013

Ulf Schiewe und "Das Schwert der Normannen"


Ulf  Schiewe beeindruckt mich schon als Autor historischer Romane. 1947 geboren, beginnt er nach seinem Berufsleben, mit dem Verfassen historischer Romane. Dieses auch erfolgreich. Kann es eigentlich etwas schöneres geben? Die Ideen, die sich wohl in langen Jahren angesammelt haben, in Worte fassen und einem Publikum anheimstellen.Wohl auch geprägt duch langjährige beruflich bedingte Aufenthalte in der ganzen Welt. Hoffen wir, daß Ulf Schiewe noch viele Ideen zu Papier bringen wird. 
Dank an den Knaur Verlag, der mir, nach langen Jahren einmal wieder, ein Rezensionsexemplar zuschickte.
Hier meine Rezi, wie immer auch auf amazon erschienen.


Ulf Schiewe ist unter den Autoren historischer Romane schon irgendwo eine Ausnahmeerscheinung.
Er geht hin , nach, so kann wohl unterstellt werden, erfülltem Berufsleben, das ihn doch recht weit in die Welt verschlagen hat, und schreibt historische Romane. Und das noch sehr erfolgreich! Eine beeindruckende Vita!
Nun erscheint mit „Das Schwert des Normannen“ ein neuer Roman. Dieses Mal nicht angesiedelt in Südfrankreich, sondern in Süditalien im 11ten Jahrhundert. Die Normannen sind eingerückt in das Land und gehen auf Beutetour. Darunter auch Robert Guiscard von Hauteville, der auf der Suche nach seinen Brüdern ist, welche ihm voran gingen. An seiner Seite Gilbert, Knappe und auch schon Freund. Der junge Mann wurde auf einem der Beutezüge der Normannen seiner Mutter entrissen und wuchs bei Fressenda auf, der Mutter Roberts.
Der Hauptteil des Romans spielt in Süditalien. Jener kargen Landschaft, die von einzelnen Fürsten beherrscht wurde. Im in Gefahr war von den Byzantiner überrannt zu werden.
In dieser historischen Situation siedelt Ulf Schiewe seinen Roman an. Das ist stimmig. Die Charaktere passen, die Beschreibungen von Landschaften, Begebenheiten und Menschen gefallen. Alles eingebettet in einer adäquaten, nicht übertriebenen Sprache. Besonders gelungen sind die Schilderungen der normannischen Feste. Zugegebenermaßen muss es damals deftig zugegangen sein. Aber es wirkt nicht aufgesetzt, auch dann nicht, wenn die Beziehungen der Männer zu den Frauen dargestellt werden. Man kauft es dem Buch und seinem Autor Ulf Schiewe ab, dass damals so gesprochen und gescherzt wurde. Besser so erzählt und geschrieben, als unglaubwürdig herum geredet.
Überhaupt ist Authentizität ein Pfund mit dem der Roman wuchern kann. Die Erzählung, die konkrete Erzählsituation ist auf den Punkt gebracht. Ulf Schiewe benötigt nicht abgedrehte Charaktere und übertriebene Konstruktionen um seinen Roman spannend und lesbar zu machen. Nein, diese Unaufgeregtheit und Konsequenz in seiner Erzählweise machen den Reiz aus. Geschickt zum Ende im Spannungsbogen aufbauend, bindet Ulf Schiewe den Leser andie Normannen und ihre Situation im fernen Italien. Auch die kleinen Dinge am Rande, das Erwachsenwerden des Gilbert , seine aufrichtige Liebe ,zu Gerlaine all dass verbindet sich im Roman zu einem Ganzen.
Der Roman lässt hoffen auf gelungene Nachfolger!

Samstag, 31. Dezember 2011

Trotz Längen, erneut gute Unterhaltung durch einen Roman von Petra Schier

Petra Schiers Bücher habe ich auf diesem blog schon an anderer Stelle vorgestellt. Hier ihr neuester historischer Roman. Ein bißchen hat mich dieser Roman enttäuscht. Zwar gelingt es Petra Schier erneut durch eine gekonnte Sprache den Leser zunächst an das Buch zu fesseln, doch schlußendlich verliert der Roman etwas an Fahrt. Etwas straffer hätte aus meiner Sicht die Geschichte angelegt werden können, aber dennoch, gute Unterhaltung allemal bietet der Roman. 

Petra Schier entführt den Leser mit ihrem neuen Roman in das Mittelalter, in die Stadt Koblenz.
Luzia, eine junge Frau von niederem Stand hat zusammen mir ihrem Bruder eine Pestepidemie überlebt und wurde von Elisabeth von Manten liebevoll aufgenommen. In Koblenz lernt sie nun Martin Wied kennen, ein erfolgreicher Händler. Dieser ist durch einen furchtbaren Brand entstellt. Wied bittet Luzia ihm auf dem Jahrmarkt an seinem Stand für Gewürze zu helfen. Dieses gelingt gut, da Luzia, selten für die damalige Zeit, als Frau lesen, schreiben und auch sehr gut rechnen kann. Zärtliche Bande zwischen den beiden entwickeln sich und der Leser kann gespannt mitfiebern, ob sich die beiden denn  nun letztendlich auch bekommen werden. Zahlreiche Widrigkeiten und Anfeindungen haben beide, aber in ersten Linie Luzia, zu ertragen. Es wäre nicht ein Roman von Petra Schier, wenn nicht ein glückliches Ende zu erwarten wäre.
Petra Schiers Romane, und es ist nicht der erste, den ich lese, haben häufig starke Frauenpersönlichkeiten zum Thema. So auch hier. Luzia ist so eine Frau. Eine Frau im Mittelalter, auf sich alleine gestellt, sie und ihr kleiner Bruder sind die einzigen, die nach der Pest von der Familie übrig blieben. Sie beißt sich durch auch mit der Hilfe ihrer Freundin Elisabeth von Manten.
Petra Schier gelingt es auch mit diesem Roman erneut eine interessante Frauengestalt dem Leser nahe zu bringen. Die Figur ist plastisch, sympathisch und glaubwürdig. Die Dialoge gelungen entwickelt, auch so, daß der Leser die Schlagfertigkeit und Intelligenz der Hauptfigur als sehr glaubhaft empfindet.
So entwirft Petra Schier denn auf  543 Seiten, nebst Anhang,  ein schon beeindruckendes historisches Bild. Aber, dies ist auch ein bißchen das Manko des Romans. Die Geschichte ist aus meiner Sicht etwas zu breit und langatmig angelegt. Schon schnell ist dem Leser eigentlich klar, daß Luzia und Martin für einander gemacht sind. Eine gewisse Vorhersehbarkeit ist da. Etwas straffer hätte die Geschichte erzählt werden könne, ohne das es ihr zum Nachteil gereicht hätte.
Dennoch ist es kein schlechtes Buch. Petra Schier ist eine Könnerin in ihrem Metier. Die Sprache paßt und der Roman, ist trotz der Längen, flott und unterhaltsam zu lesen. Und das ist es, was ich an den Romanen von Petra Schier so schätze: auch wenn sie kleine Mängel haben, sind sie gut geschrieben und recherchiert.  Ein Autorin, die gute Arbeit in ihren Romanen für ihre Leser abliefert!

Sonntag, 23. Oktober 2011

Historischer Krimi aus (Duisburg) Ruhrort

Silvia Kaffkes Roman Das rote Licht des Mondes ist angesiedelt in Ruhrort im Jahre 1854. Daher die Überschrift, denn zur damaligen Zeit ist Ruhrort noch eigenständig. Es ist die Zeit der beginnenden Industrialisierung der Rhein-Ruhr-Region. Bestialische Morde, verübt durch eine "Sekte" beschäftigen den Kommissar in einer Welt, die sich an der Schwelle zu einer neuen Zeit  befindet. Eine Liebesgeschichte und die Emanzipation der weiblichen Hauptfigur kommen hinzu. Die Düsternheit der engen Gassen, das Elend der Arbeiter und dagegengestellt die wohlgeordnete Welt der Honorationen, Kaufleute und Fabrikbesitzer, daß alles stellt Silvia Kaffke eindrucksvoll dar. Kein Wunder, lebt sie doch in Ruhrort und ist gebürtige Duisburgerin. Das sie ursprünglich Kriminalromane erfolgreich schrieb, merkt man dem Buch an. Die Geschichte ist gut angelegt, die Spannung auf den Punkt gebracht, wenn auch die Hintergründe der Sekte etwas mystisch sind, etwas im Verborgenen bleiben. Somit ein Roman, der absolut empfehlenswert ist.
Überhaupt hat das Ruhrgebiet in den letzten Jahren, so seit ca. 20 Jahre, eine lebhafte Krimiszene hervorgebracht. Einige Romane habe ich ja schon vorgestellt. Geht man von West nach Ost, so findet man in jeder größeren Ruhrgebietsstadt Autoren, die ihre Stadt zur Kulisse von Krimis machten. Nun auch das historische Ruhrort. Es paßt und zeigt, wie interessant und spannend diese Szene ist. Nun gut, literarische Höchstleistungen darf man nicht erwarten, jedoch viel Lokalkolorit und nicht zu vergessen, den Wiedererkennungsfaktor. Und viel typischen Ruhrgebietshumor, den die Protagonisten brauchen, um in diesem Landstrich ein Bein auf die Erde zu bekommen! Und da stellt Das Rote Licht des Mondes eine gelungene Ergänzung dar!

Freitag, 9. September 2011

Chufo Lloréns, Das Vermächtnis des Marti Barbany

Der Roman des spanischen, besser gesagt, katalanischen Schriftstellers Chufo Lloréns führt uns in das Barcelona der Jahre 1053, 1055.
Erzählt werden in diesem Roman eigentlich mehrere Geschichten. Zum einen die Geschichte des Emporkömmlings Marti Barbany und zum anderen, und dieses mit realem, historischen Hintergrund die Geschichte der Fürsten von Barcelona in der damaligen Zeit. Dieser Strang der Geschichte ist dann auch der historisch belegte Teil, was zumindest die Fürsten angeht. Die Geschichte des Marti Barbany entspringt der Phantasie des Autors und ist das Kerngeschehen des Buches.
Marti Barbany wächst bei seiner Mutter auf, seinen Vater kannte er kaum, da dieser als Söldner sein Geld verdiente. Nach dem Tod des Vaters erwartet Marti eine Überraschung. Sein Vater hat für ihn vorgesorgt und den Geistlichen Eudald Llobet beauftragt, quasi als Testamentsvollstrecker, seinem Sohn zu helfen. Dieser Geistliche war nicht immer ein solcher, sondern kannte den Vater aus seiner Zeit als Soldat. Und so kommt Marti nach Barcelona um dort zu leben und zu arbeiten. Er darf nur außerhalb von Barcelona leben, da er nicht Bürger dieser Stadt ist. Jedoch gelingt es ihm, eine zweifelhafte Freundschaft zu Bernat Montcusi aufzubauen, der ein einflussreicher Bürger der Stadt ist und Marti verliebt sich, so viel sei verraten, mit sehr unglücklichem Ende in Laia Betancourt, die Stieftochter Montcusis. Auch entwickelt sich eine intensive Freundschaft zu Beruch Benvenist, dem Vorsteher der Geldverleiher, also einem Menschen jüdischen Glaubens. Dieser ist Marti ein verläßlicher Ratgeber in vielen Dingen seiner Lebens. In all diesen Geflechten gelingt es Marti reich zu werden. Besonders hilft ihm dabei das schwarze Öl, das Barcelona praktisch ermöglicht, Laternen in den Straßen aufzustellen und damit die Stadt sicherer zu machen. Dieses wird von Marti entdeckt und dann nach Barcelona gebracht.
All das hört sich positiv an, wäre da nicht der durchtriebene und hinterlistige Bernat Montcusi, der ein falsches Spiel mit unserem Helden spielt. Und so baut sich die Spannung zum Ende hin auf und Marti erreicht zum Ende hin, um das falsche Spiel von Bernat Montcusi zu entlarven, dass eine „lis honoris“ zwischen den beiden Kontrahenten ausgetragen werden muss. Es handelt sich dabei um ein streng reglementiertes Streitgespräch zur Wiederherstellung der Ehre der beteiligten Personen. Zu welcher Seite am Schluß sich das Blatt wendet, mag der geneigte Leser herausfinden.

Fast 700 Seiten pralles, sinnenfrohes Leben in einer pulsierenden Stadt Barcelona breitet Chufo Lloréns dem Leser aus. Ein Roman, der alles hat: Verwicklungen, Liebesgeschichten und Darstellungen zB, der Handelsverbindungen im 11. Jahrhundert auf der Welt. Sprachlich auf der Höhe gelingt es Lloréns dem Leser eine Epoche des heutigen Spaniens und eine Stadt, die wohl bis heute nichts an Reiz verloren hat, nahe zu bringen. Die Charaktere leben aus ihren Gegensätzen heraus. Die Hauptfiguren sind stimmig gezeichnet und man nimmt ihnen ab, dass sie diesen oder jenen Charakterzug haben. Wobei allerdings auch eine gewisse Blässe störend auffällt.
Darin liegt die Problematik des Romans. Er lebt etwas zu sehr von einer gewissen Schwarz/Weiß Zeichnung der Charaktere, sie sind etwas eindimensional, etwas zu berechenbar. Und so geht dann die Geschichte auch ruhig dahin. Sie ist nicht langweilig, nein, damit würde man Lloréns Unrecht tun, aber es fehlen andererseits leider auch etwas die Höhepunkte in der Erzählung.
Ein Höhepunkt zum Schluss ist dann sicherlich noch einmal die oben bereits erwähnte „lis honoris“. Hier zeigt Lloréns deutlich auf, dass er spannend erzählen kann, die Wendungen in diesem Streitgespräch sitzen und überzeugen. Hier erfährt der Roman Tempo und Verve. Leider ist das Ende durchaus vorhersehbar.

Was also erhält der Leser mit diesem Buch? Er erhält sicherlich ein Buch, was zum Gegenstand hat eine schon vor rund 800 Jahren faszinierende Stadt: Barcelona. Eine klug angelegte Geschichte, gut gemischt zwischen historischen Fakten und erzählerischer Freiheit. Ein sehr liebevoll ausgestattetes Buch mit Anhang, Glossar und Personenverzeichnis.
Was er nicht erhält, ist ein Buch mit überraschenden Wendungen und Spannung bis zur letzten Seite. Und darin liegt auch ein klein wenig die Schwäche des Buches.
Der Leser mag sich insofern ein eigenes Bild machen. Lohnend ist es auf jeden Fall!

Geschichte, sehr lebendig

Iris Kammerers Roman Varus ist einer der gelungensten historischen Romane, den ich in der letzten Zeit gelesen habe. Und zu einigen habe ich in der letzten Zeit ja auch geschrieben.
Wie der Titel schon sagt, spielt der Roman zur Zeit der Varusschlacht, also der Schlacht bei der den Römern, geführt durch eben diesen Varus,  durch den germanischen Feldherrn Arminius eine verheerende Niederlage beigebracht wurde. Diese legendenumwobene Schlacht, deren genaue Örtlichkeit bis heute unter den Amateurforschern bis hin zu den Profis einigermaßen umstritten ist. Iris Kammerer gelingt es historisch sehr präzise zu sein. Der Roman besticht durch eine genaue, dem historischen Kontext angemessene Sprache. Das ist nicht immer in historischen Romanen der Fall. Ein kleine Liebesgeschichte ist auch dabei; es handelt sich jedoch nicht um die herkömmlich "Boy-meets-Girl" Konstellation, sondern Iris Kammerer schildert darin noch geschickt den Konflikt, die Begebenheit zwischen Herr und Sklave und später dann zwischen einer befreiten Sklavin und ihrem ehemaligen Herrn. Nun gut, es ist auch eine Liebesgeschichte zwischen einem Römer und einer Germanin, aber sie paßt. Iris Kammerer scheut nicht davor zurück, die Schlachtszenen drastisch darzustellen. Krieg war und ist zu jeder Zeit brutal, menschenverachtend und grausam. So auch schon vor ca. 2000 Jahren. Nur die Mittel und Waffen waren andere. Das kommt deutlich in dem Buch heraus. Aber auch die Geschichte von Freundschaft und Verrat wird erzählt. Nicht zuletzt ist es auch der Verrat von Arminius an Varus, der den Reiz des Buches ausmacht. Warum nun Arminus diese tat, auch mit dieser Brutalität tat, bleibt, wie auch in der realen Geschichte, offen. Das muß auch nicht die vordringliche Aufgabe eines historischen Romans sein. Dieses ist Aufgabe der Geschichtsschreibung und der Historiker, nicht der der Schriftsteller. Iris Kammerer hat den schmalen Grat dazwischen hervorragend gelöst. Sie hat einen historisch präzisen und erzählerisch gelungenen Roman geschrieben. Das ist ihr hoch anzurechenen und dieser Roman ist eindeutig zu empfehlen.

Freitag, 22. Juli 2011

Brigitte Riebe, Die Hüterin der Quelle--sehr gelungen

Man schreibt ja gemeinhin dem Mittelalter die Eigenschaften des Aberglaubens, der Dunkelheit und der religiösen Kämpfe, Auseinandersetzungen zu. Nun zeigt Brigitte Riebe in ihrem Roman Die Hüterin der Quelle aber dem Leser, daß auch das 17. Jahrhundert geprägt ist durch Aberglaube, Dunkelheit, Verfolgung andersgläubiger und durch religiöse, sprich in diesem Falle christlicher Verirrungen.
Die Geschichte des Romans ist angesiedelt in Bamberg. Dort wütet, eine historische Person, der Weihbischof Friedrich Förner.  Er ist ein Hexenbrenner der übelsten Sorte. Nichts ist vor ihm sicher, die geringste Denunziation reicht, um Menschen, selbst Kinder in das sogenannte Loch zu stecken. War die Person erst einmal dort, so war fast immer keine Rettung möglich, der Tod besiegelt. In diesem Umfeld der religiösen Verfolgung, der religiösen Verblendung erzählt Brigitte Riebe die Geschichte. In einem Spannungsfeld zwischen einerseits fanatischen Eiferern und dem auch naturverbundenen Glauben der Menschen. Dem Leben mit der Natur und den Weisheiten, die sich daraus ergeben. Eine Geschichte, die auch geprägt wird von starken, unerschrockenen Frauen und deren Auseinandersetzung mit dem religiösen, sprich christlichem Wahn der damaligen Zeit. Eine dieser Frauen ist Ava. Eine erdverbundene Person, bewandert in der Kräuterkunde und in dem Leben mit den Jahreszeiten. Überhaupt sind es starke Frauencharaktere, die dieses Buch bestimmen. Die Männer spielen zwar keine untergeordnete Rolle in der Geschichte, haben nicht immer den Stellenwert, es sei denn, es handelt sich bei ihnen um die, ja so kann man es formulieren, Unterdrücker. Sie sind dann aber auch immer geblendet durch ihren religiösen Fanatismus. Aber dennoch gelingt es Brigitte Riebe eine krasse Schwarzweißzeichnung zu vermeiden, denn sie läßt auch Ausnahmen von diesem Männerbild zu. Dieses wird anschaulich z.B. in der Person des Veit Sternen und seines Sohnes. Sie sind Krippenschnitzer und in ihrem Handwerk hoch angesehen. Der Leser erfährt einiges über dieses Handwerk in der dunklen Zeit des 17. Jahrhunderts. Ja, es ist in der Tat eine dunkle Zeit, sehr geprägt durch Hungersnöte, Kriege und Hexenverfolgung. Wenig versöhnlich zeichnet Brigitte Riebe, eine gelernte Historikerin, diese Zeit.
Aber das muß wohl auch so sein, denn eine andere, positive Darstellung der Geschehnisse in Bamberg würde eine falsche Sicht der Dinge sein.
Was besonders positiv an diesem Buch auffällt, ist sein differenzierter und in verschiedenen Handlungssträngen aufgeteilterAufbau. Geschickt fügen sich die verschiedenen Perspektiven, auch bestimmt durch die handelnden Personen, zu einem abgerundeten Ganzen zusammen. Historische Richtigkeit in Personen und Abläufen mischt sich gelungen mit den Dingen, die sich Brigitte Riebe dazu gedacht und geschrieben hat. Es paßt zusammen! Auch sprachlich enthielt der Roman aus meiner Sicht keine Schwachstellen. Die Sprache ist durchgehend der Thematik angepaßt.
Und somit muß ich abschließend feststellen, daß Brigitte Riebe mit Die Hüterin der Quelle ein ganz außergewöhnlicher Roman gelungen ist.
Historische Authentizität verbunden mit starken, sehr positiv anzumerken, Frauengestalten, ein ungetrübter Blick auf ein dunkles Kapitel der Vergangenheit, ergeben einen Roman von ausgesprochener Dichte und auch Spannung.
Abgerundet wird das Buch noch durch einen Anhang, der interessante historische Hinweise für denjenigen gibt, der sich über das Buch hinaus  mit dieser Zeit und dieser Gegend beschäftigen will.
Daher meine Empfehlung: Unbedingt lesen!

Sonntag, 8. Mai 2011

Heidi von Plato; Das haarige Mädchen

Die Menge an historischen Romanen, durchaus auch in speziellen Fällen eine Modeerscheinung, ist schier unerschöpflich. Gewiss, viel Schatten ist dort vorhanden. Bei Heidi von Platos Buch Das haarige Mädchen liegt der Fall nun ganz im Besonderen. Erzählt wird die Geschichte Antonietta Gonzalez, einem sogenannten "Fellmädchen",d.h, sie ist am ganzen Körper übermäßig behaart, welches tatsächlich um 1580 herum lebte. Historisch, soweit meine Recherchen, sind genauere Lebensumstände nicht bekannt geworden. Dieses versucht Heidi von Plato dadurch zu kompensieren, daß sie das Mädchen, genannt Tognina, von Antwerpen nach Parma gehen läßt. Dort in Parma ist sie eine Abnormität an den Häusern der Adeligen. Argwöhnisch beäugt durch den Klerus. Die erste Liebe kommt hinzu, später dann die unglückliche Verheiratung mit einem Grafen. Zum Schluß verliert sich ihre Spur wie in der historischen Realität auch. Es verliert sich die Spur eines besonderen Menschen in der damaligen Zeit. Belesen, zB Rabelais; Gargantua und Pantagruel, der lateinischen Sprache mächtig.
Heidi von Plato ist, was das Verfassen von historischen Romanen anlangt, schon eine Sonderfall. Betrachtet man ihr literarisches Werk bis zu diesem Buch, so ist Das haarige Mädchen schon eine Art Ausnahme in ihrem Schaffen. Theaterstücke, veröffentlicht u. a. im renommierten Suhrkamp Verlag, stehen auf der Liste ihrer Bücher. Und nun ein historischer Roman. Aber ein besonderer! Aber auch einer, der nicht ins Schema der historischen Romane paßt, weil er ein Thema behandelt, welches den Rahmen eines historischen Romanes nicht braucht. Der Roman behandelt das Fremdsein eines Menschen in seiner Umwelt, in seiner Zeit. Nicht uninteressant, dennoch historisch nicht unbedingt erforderlich. Die Geschichte ist im Prinzip eine moderne. Der Rahmen eines historischen Romans paßt, anhand der historischen Eckdaten, dennoch wäre die Geschichte auch anders erzählbar gewesen. So bleibt eine gut erzählte und passende Geschichte, deren Hauptanliegen, die Schilderung einer Außenseiterstellung, eines Andersseins, nicht zwangsläufig in einen historischen Rahmen gemußt hätte.

In der 1. Liga der historischen Romane! Petra Schier, Das silberne Zeichen

Petra Schier hat eine Gabe als Autorin, die mich beeindruckt. Sie ist in der Lage, den Leser schnell und überzeugend an ihre Bücher zu fesseln, zu binden. Und dieses ohne in ihren Romanen große Show Effekte einbauen zu müssen. Sie erzählt Krimigeschichten, ohne dabei auf Effekthascherei zu schielen. Braucht ein anderer Autor ausgeklügelte Mordszenarie, besonders angelegte Ermittler, so gelingt dies Petra Schier dagegen mit der Figur der Marysa, einer intelligenten, starken Frau im 15ten Jahrhundert. Eine eindrucksvolle, sich gegen eine Männerwelt durchsetzende Frau. Und besonders wichtig dabei, immer glaubhaft durch Petra Schier geschrieben. Eingebettet sind die Geschichten zudem noch in die historische Kulisse der Stadt Aachen, sowie gespickt mit zahlreichen Detailinformationen über das gesellschaftliche Leben damals und den Aufbau der Handwerkerzünfte, sowie dem Gerichtswesen. Also absolut empfehlenswert!


Die Reihe um Marysa umfaßt folgende Bücher:


Die Stadt der Heiligen
Der gläserne Schrein 
Das silberne Zeichen

Das ist er also nun, der dritte Teil der Geschichten um Marysa und ihrem geheimnisvollen Freund Christoph. Und, vorweg, sehr gelungen ist dieses Buch. Marysa harrt in Aachen der Ankunft ihres Freundes Christoph. Dieser hat Aachen verlassen, um Dokumente beizubringen, die seine Person und seine Herkunft bestätigen. Marysa kann seine Ankunft kaum erwarten, ist sie doch schwanger von ihm. Doch was wäre Marysa ohne Kriminalgeschichte. Nicht lange dauert es und schon findet sich Marysa in einem Geflecht von Lügen und Intrigen wieder. Und wieder ist sie, als erfolgreiche Frau, Zielscheibe des Hasses und des Zorns der Männer in ihrer Umgebung. Wer ist für sie Freund, wer Feind? Selbst als Christoph endlich heimkehrt und sich die Geschichte eigentlich zum Guten wenden sollte, gelingt es Petra Schier noch zahlreiche Verwicklungen aufzubauen und falsche Fährten zu legen. Marysa kommt in ihrem Leben halt nicht auf dem einfachen Weg zu ihrem Glück; nein sie muß Irrungen standhalten und Wirrungen aushalten. Das aber auch eingebettet in einer starken Familie, die sie hält. Und somit ist es eine interessante Krimigeschichte, die den Leser mit fiebern läßt. Und es ist vor allen Dingen eine Krimigeschichte, die man Petra Schier im historischen Kontext abnimmt.
Petra Schier gelingt es in dieser Trilogie von Anfang an mit einer adäquaten Sprache Spannung aufzubauen. Es bedarf keiner besonders ausgeklügelten Todesfälle, keiner noch so kompliziert aufgebauten Geschichten um eine Spannung, eine Fesselung des Lesers an die Geschichte zu erreichen. Petra Schier erreicht das mit grundsoliden Charakteren, starken Hauptfiguren und einem profunden Kenntnisstand über die Stadt Aachen im Mittelalter. Das sind die Stärken von >Das silberne Zeichen<. Aber nicht nur von diesem Roman, sondern von der Konzeption der gesamten Reihe um Marysa und Christoph. Der Leser fiebert halt mit, er ist in der Geschichte. Die Figur der Marysa, diese Frau des 15. Jahrhunderts, ist in ihrer Konzeption eigentlich schon als modern zu bezeichnen; und dennoch in der Zeit des Mittelalters glaubhaft.
Und immer wieder gelungen in den Romanen um Marysa ist das Umfeld. Die Stadt Aachen im 15. Jahrhundert wird lebendig vor den Augen des Lesers. Es zeigt sich dort, daß Petra Schier eine profunde Kennerin der Zeit ist. Die Schilderung  ist stimmig und atmosphärisch dicht.
Und so bleibt als Fazit dieses Romans um Marysa, sowie bezüglich der ganzen Reihe, der Leser erhält außerordentlich lesenswerte  historische Romane.

Samstag, 30. April 2011

Nicolas Lessing, Und stehe auf von den Toten

Rom im Jahre 1701 ist der Schauplatz des Romans von Nicolas Lessing.
Seltsame Dinge gehen vor in der Ewigen Stadt. Mitten während des Karnevals, die Stadt ist im
Ausnahmezustand, verschwinden junge Mädchen und die Bevölkerung, besonders der arme Teil,
der davon in der Hauptsache betroffen ist, ist in Aufregung. Als nun Cäcilia, die Schwester des
Velloni, eines Bücherwurms und Hilfspräfekten der päpstlichen Bibliothek, verschwindet, befasstttt
sich der  päpstliche Hilfsauditor bei der Rota, dem höchsten römischen Gericht,  Prospero
Lambertini mit den den Kriminalfällen, um seinem Freund zu helfen und dessen Schwester aus den
Fängen der bösen Mächte zu retten. Dabei zur Seite steht ihm Alessandro Caprara, sein
Vorgesetzter. Die eigentliche Aufgabe der beiden besteht darin, sich mit Heiligsprechungen zu
beschäftigen und diese für den Papst vorzubereiten und aufzuarbeiten.
Schnell ist klar, dass diese Aufgabe zunächst in der Hintergrund gerät, sind doch Menschenleben zu
retten. Und so macht sich Prospero Lambertini auf in die dunklen Gassen und Keller der Palazzi der
Ewigen Stadt um die Schwester seines Freundes aus der Gewalt des Bösen zu retten. Das dieses
Böse seinen Ursprung auf der dunklen Seite des Lebens, beim Mysteriösen und etwas im Reich der
Phantasie hat, sei an dieser Stelle noch verraten, mehr jedoch nicht, da sich der Roman zum Ende hin rasant entwickelt. Das heißt, der Leser wird bis zum Ende in einer gewissen Spannung gehalten.
Also ein historischer Krimi im Sinne des angelsächsischen „whodunit“.
Ich muss zugeben, dass ich zunächst, nach den ersten Seiten, skeptisch war, ob dieses Konzept
trägt. Eigentlich hat Lessing etwas einfaches gemacht. Er hat den modernen Serientäter in das 18.
Jahrhundert transferiert. Die Konstellationen seines Buch sind daher dem modernen Krimi
entliehen. Und ich muss sagen, es funktioniert. Prospero und sein Team arbeiten wie heutige
Ermittler nur vor etwas mehr als 300 Jahren. Selbst der Rechtsmediziner ist dabei. Und so ist eine
illustre Gruppe im Kampf gegen das Böse aufgestellt und, wie es sich für einen Krimi gehört, am
Ende erfolgreich.
Gefallen haben mir die Charaktere, die ausreichend dargestellt sind. Prospero ist nicht der
strahlende Held, sondern der zweifelnde, mit sich hadernde Detektiv, dessen Verzweiflung im
Kampf gegen die knappe Zeit zur Aufklärung der Verbrechen anschaulich ist. Auch Fehlschläge gilt
es weg zustecken, Schläge einzustecken. Und auch der Kampf gegen korrupte, involvierte Mächte
muss ausgefochten werden. Doch dabei kommt ihm das gemeine, einfache Volk in Gestalt der
Tiberfischer der damaligen Zeit zur Hilfe. Auch hier  gelingt es Lessing geschickt einen
Handlungsfaden  in das Geschehen einzubauen, der zeigt, dass es nicht nur Adel und Klerus im 18.
Jahrhundert gab!
Natürlich lebt auch dieser Roman von gewissen Versatzstücken, die immer wieder in historischen
Romanen  auftauchen, hier die unglückliche Liebe des Prospero Lambertini zu der attraktiven Jüdin
Deborah. Das diese dann auch noch in einen späteren Hauptverdächtigen verliebt, sogar mit ihm
verlobt ist, hätte sicherlich nicht sein müssen, wirkt etwas aufgesetzt, stört aber im großen und
ganzen nicht. Auch stört nicht, ohne zu viel zu verraten, dass die Geschichte zum Ende hin doch
etwas in eine Fantasyecke, so glaubt zumindest der Leser, führt. Nein, es wird schon zum Schluss
nachvollziehbar und passend aufgeklärt. Und, das ist besonders wichtig, spannend bis zur fast
letzten Seite.
Das ist es in der Tat, ein spannendes, etwas wunderliches Buch, das eindeutig Interesse macht auf
weitere Bücher von Nicolas Lessing. Der Leser erhält einen Krimi im historischen Gewand mit erstaunlichen Qualitäten!

Freitag, 29. April 2011

Beate Sauer, Die Buchmalerin; gelungener historischer Krimi

Ein historischer Roman, noch dazu ein Krimi, der sicherlich als gelungen und im oberen Rahmen liegend betrachtet werden muss, ist Beate Sauer, Die Buchmalerin. 1235 im Deutschen Reich ist dieses Buch zeitlich eingeordnet. Es tobt der Kampf zwischen Papst Gregor IX und Kaiser Friedrich II. In diese Auseinandersetzung wird die als Ketzerin verfolgte junge Frau Donata hineingezogen. Sie beobachtet einen Mord an dem Inquisitor Gisbert, der ausgeübt wird von Kardinal Enzio von Trient. Nein, ich verrate nicht den Plot der Geschichte, denn der Mörder steht schon nach wenigen Seiten fest. Und darum geht es auch nicht. Es geht im weiteren darum, wie Donata mit diesem Geheimnis als Spielball der Mächtigen umgeht. Ihr Kampf mit sich selbst und den Ränkespielen, in die sie verstrickt wird. Schnell wird dem Leser aber auch klar, dass sie Hilfe hat. Der Medicus Roger, ein Kundschafter Friedrich II, nimmt sich ihrer an, häufig auch gegen den Widerstand Donatas. Und so kämpfen sich die beiden während eines bitterkalten Winters durch die Gegend um Köln bis hin in die Eifel durch die Geschichte. Spannend und vor allem historisch interessant aufgebaut, kann der Leser diesen Wegen der beiden verfolgen. Authentisch sind die Beschreibungen der Wege, die von beiden gemeinsam zurückgelegt werden. Man fühlt die Kälte, die zwischen den Ritzen der ärmlichen Hütten den Menschen zu schaffen macht. Die Aggressivität der Massen wird greifbar, wenn sie durch den Kardinal aufgestachelt wird gegen sogenannte Ketzer vorzugehen. All das baut Beate Sauer geschickt zwischen die historischen Fakten ein. Der Kaiser und der Papst sind historische Personen, wie auch der Erzbischof von Köln, Heinrich von Müllenark. Der Inquisitor Gisbert hat sein historische Entsprechung in Konrad von Marburg. Es passt einfach zusammen. Die Mischung von Fantasie und Fakten ist gelungen, so gelungen, wie ich sie zuletzt selten in einem historischen Roman vorgefunden habe. Auch die weiteren historischen Fakten, wie zB die Beginen, die Albigenser fügen sich gut in die Geschichte ein. Wo kleine historische Unschärfen sind, erklärt Beate Sauer sie in ihrem Nachwort. Somit erhält der Leser einen gelungen historischen Roman, der auch den Spannungsbogen eines Kriminalromans hält. Nicht nur Spannung erhält er, sondern auch überraschende Wendungen und gut in Szene gesetzte Taten. Die Bösen sind richtig böse und zeigen auch, wie leicht andere ihnen in die Falle tappen und dann im Dunstkreis der Mächtigen umkommen. Diese Mächtigen der Kirche kennen nur ihre eigenen Vorteile. Ein interessanter Aspekt auch in diesem Buch.
Stellt sich nun nur noch die Frage, warum der Roman Die Buchmalerin als Titel hat. Nun, Donata ist mit der Fähigkeit ausgestattet, sehr präzise schreiben und zeichnen zu können. Eine Fähigkeit, die in der damaligen Zeit nicht nur positiv war. Nein, negativ auch denn, wenn zB Pflanzen besonders getreu gezeichnet werden konnten; schnell war der Künstler der Ketzerei verdächtig.

Donnerstag, 21. April 2011

Petra Schier; Die Eifelgräfin

Die Eifel im Jahre 1348 ist Schauplatz dieses Romans von Petra Schier. Die Burg Kempenich ist Zufluchtsort für Elisabeth von Küneburg, die sich dort aufhalten muss, weil ihr Vater auf der Familienburg in eine Erbstreitigkeit verwickelt ist. Aber es war auch durchaus üblich, Töchter zu befreundeten Familien zwecks Erziehung zu geben. Dort lernt Elisabeth Luzia kennen, eine Bauerntochter, die dort ihren Dienst als Magd verrichtet. Die ungleichen jungen Frauen, was zumindest den Stand angeht, lernen sich kennen und auch gegenseitig schätzen. Eine Freundschaft entsteht, obgleich das zur damaligen Zeit nicht üblich war wegen des Standesunterschiedes. Und diese beiden Frauen verbindet ein gemeinsames Schicksal in Form eines Kreuzes, die eine besitzt das Kreuz, die andere eine Einfassung dazu.
Diese beiden Frauen leben nun zusammen auf der Burg Kempenich. Alle Höhen und Tiefen ihrer  Jugend teilen sie. Schicksalsschläge nehmen sie gemeinsam hin. Luzia verliert während einer Pestepedemie ihre Familie, nur ihr kleiner Bruder überlebt und bleibt ihr. Elisabeth bangt um ihren Vater, der  sich im Feldzug befindet. Und beiden ist gemeinsam, dass sie ihre ersten Liebeserfahrungen machen. Ein schwieriges Unterfangen in einer Zeit, in der die Töchter verheiratet wurden und die Mitgift entscheidend war. Und so ist dieser Roman in erster Linie die Geschichte von zwei Frauen, die sich zufällig kennenlernen, aber sofort ihre geheimnisvolle Verbundenheit zueinander spüren; in zweiter Reihe ein Geschichte um die Liebe. Nun, Liebesgeschichten enden ab und an doch glücklich und das sei verraten, so auch hier.
Petra Schier gelingt etwas, was ihr hoch anzurechnen ist: sie schafft eine Geschichte, die in der Tat in ersten Linie eine, oder auch zwei, Liebesgeschichten ist. Und das gelingt ihr aus meiner Sicht auch recht gut. Die handelnden Personen, und dabei sind Elisabeth und Luzia die stärksten, sind lebendig und inhaltlich stimmig. Der Erzählung nimmt man die Situation der Zeit des 14. Jahrhunderts ab. Dabei ist es auch nicht störend, dass der Roman eigentlich „nur“ aus Liebesgeschichten  im 14. Jahrhundert besteht.
Kleine Rahmenhandlungen und einige Wechsel des Handlungsortes ergänzen die Geschichte zutreffend. Historisch eingeordnet sind einige Ereignisse der damaligen Zeit in die Geschichte eingebaut, so zB die Pest und die Pogrome gegenüber den Juden in Koblenz, denen ja häufig die Schuld an dem Ausbruch der Pest gegeben wurde. Auch ist die Burg Kempenich historisch belegt, bzgl. ihrer Bewohner sind jedoch die Quellen nicht so ergiebig, so dass vieles in dieser Hinsicht erzählerische Freiheit ist.
Was mir besonders an diesem Roman von Petra Schier gefällt, ist die Sprache, der Erzählstil. Petra Schier gelingt es, in einem unaufgeregten, eigentlich schon knapp zu nennenden Sprachstil eine fesselnde Geschichte zu erzählen. Trotz der eingegrenzten Handlung und der übersichtlichen Personenstruktur, kommt keine Langeweile auf. Bemüht sich mancher Autor um eine besonderes opulente Sprache, schafft es Petra Schier mit eingängigen Sätzen den Leser zu binden. Zwar ist dieses Buch kein „pageturner“, aber ein Buch, das den einmal beschrittenen Bogen hält. Und somit eher ein Roman, der die Leser anspricht, die Historie verbunden mit Liebesgeschichten mögen.

Zach/Bauer; Morbus Dei

Bastian Zach/Matthias Bauers Roman, Morbus Dei: Die Ankunft ist schwer einzuordnen. Es ist nicht historischer Roman, kein Roman aus dem Genre Horror und auch kein Thriller im herkömmlichen Sinne. Was er aber auf jeden Fall ist: er ist spannend. Aber der Reihe nach. 1703 kommt der Soldat Johann List, desertiert und schwerverletzt in ein namenloses Dorf in Tirol. Der kälteste und härteste Winter seit langem setzte den Bewohnern zu. Johann wird von barmherzigen Menschen aufgekommen und von einem alten Mann, Martin Karrer und seiner Enkeltochter Elisabeth gesund gepflegt. Beherrscht wird er Haushalt von dem despotischen Vater Elisabeths Jakob Karrer. Sie leidet unter ihm, der Mann führt ein strenges Regiment in seinem Haus. Dorthin gelangt Johann, vor der Tür zusammengebrochen in einem grausamen Winter. Der Großvater pflegt ihn und bald verdingt sich Johann als Knecht im Hause von Jakob Karrer. Doch auch schnell merkt, daß in diesem einsamen Tal etwas seltsames, unheimliches vor sich geht. Eine bedrückte Stimmung liegt über dem Tal. Tiere verschwinden und die Menschen tuscheln über die Ausgestoßenen und dem Flucht der das Dorf bedroht. Die Situation eskaliert, als ein versprengter Trupp bayerischer Soldaten in das Dorf kommt. Und bald beginnt eine verheerende Auseinandersetzung, die sich schon lange angedeutet hatte und von der der Leser schnell ahnt, daß es Gewinner nicht geben wird.
Zach/Bauers Buch ist nicht nur eine reißerische Geschichte über urmenschliche und uralte Ängste gegenüber den, so werden sie hier genannt, Ausgestoßenen. Dabei bleibt etwas im Dunkeln, was diese Ausgestoßenen denn nun sind, für die Geschichte ist dieses auch nicht so wichtig.
Zach/Bauers Buch ist auch eine Geschichte von Schuld und Sühne. Dergestalt, daß die Aktion von Menschen auch immer, irgendwo, eine Reaktion hervorruft. Eine Geschichte von Glaube und Unglaube in einer Zeit, auch das klingt an, die durch Kriege bestimmt war und durchaus auch als düster bezeichnet werden kann. Und auch eine Geschichte, die eingebettet ist in die Berglandschaft Tirols, dort führen die Menschen ein karges Leben. Ein Leben, das auch bestimmt ist durch die Natur und den Wechsel der Jahreszeiten. Der Winter als düstere Jahreszeit trägt dazu bei, daß die Geschichte auch bedrohlich und eindrucksvoll dem Leser gegenüber vorkommt. Sie erzeugt eine atemlose Spannung. Der Roman läßt den Leser nicht mehr los, er will irgendwann wissen, welches schreckliche Geheimnis dieses Tal und seine Bewohner birgt. Es gelingt dem Autorenduo diese Spannung aufzubauen und bis zum Ende durchzuhalten. Aber man täte dem Buch Unrecht, wenn es auf diese Spannung reduziert werden würde. Nein, es ist auch ein Buch über die Frage von Verantwortung für ein Handeln. Ein Buch über die Frage über Schuld und Sühne; gut eingebettet in eine historische Rahmenhandlung. Wer einen historischen Roman im klassischen Sinne sucht ist hier falsch. Der Leser, der eine rasante, mystische Geschichte lesen möchte, kommt völlig auf seine Kosten!

Kari Köster-Lösche; Die sizilianische Heilerin

Starke Frauengestalten, diese geprägt durch medizinische Kenntnisse, prägen die Romane von Kari Köster-Lösche. Dieses nun auch in ihrem neuen Roman Die Sizilianische Heilerin.
In das sizilianische Catania im Jahre 1282 führt uns das Buch. Hin zu Constanza Cataliotti, die dort lebt im Kreise ihrer Familie. Ihr Vater übt das Handwerk des Wundheilers aus, eine jahrhundertealte Tradition. Er ist in erster Linie beschäftigt mit der Wiederherstellung von Nasen, die durch Kämpfe verletzt wurden. Constanza, eine hübsche, blonde junge Frau hat viel von ihrem Vater gelernt und übertrifft ihn bereits in Können und Ideen.
Als dann die Franzosen die Insel Sizilien besetzen, entwickelt sich die Geschichte rasant. Constanza wird verstrickt in die Auseinandersetzungen zwischen Franzosen und Sizilianern. Nicht nur das, auch ihre Familie wird ihr fremd und dann auch noch zusehends feindselig. Irgendwie kann sich Constanza dieses nicht erklären und muß schlußendlich flüchten, flüchten auch vor ihrem Vater, der sie töten will. Zuflucht findet sie bei den französischen Truppen, die ihre Heilkunst, die sich auch immer weiterentwickelt hat, sehr schätzen. Als dann die spanischen Truppen  in den Konflikt um Sizilien eingreifen, entwickelt sich die Geschichte schnell und spannend. Dieses muß an dieser Stelle allerdings offen bleiben, damit die Spannung für den zukünftigen Leser erhalten bleibt.

Kari Köster-Lösches  Bücher sind im Bereich der historischen Romane sicherlich in der Spitzengruppe dieses literarischen Genres einzuordnen. Sie zeichnen sich aus durch eine gelungene Dichte in der Erzählweise, sie verfügen über glaubhafte, starke Frauencharaktere und sie vermitteln dem Leser einen interessanten Einblick in das medizinische Know-how der jeweiligen Zeit.
So auch hier. Dabei fällt auf, daß auch schon in alten Zeiten, vor 800 Jahre, Ideen und Ansätze in der Medizin vertreten wurden, die eigentlich als modern zu bezeichnen sind. Oder anders formuliert, viele medizinische Errungenschaften, die wir heute als selbstverständlich ansehen, sind schon sehr alt. Dazu kommt, daß es Kari Köster-Lösche gelingt, eine Spannung aufzubauen, die den Roman trägt, trägt hin bis zum Ende, daß hier nicht verraten werden darf und soll.
Der Leser erhält also alles in allem ein Buch, das seinen selbstgestellten Ansprüchen gerecht wird. Die Geschichte um Constanza Cataliotti, die Heldin mit ihren Ängsten, Sorgen aber auch hervorragenden Fähigkeiten, ist gelungen eingebaut in die medizinischen Themen. Das ist stimmig und die Heldin dieses Romans begegnet dem Leser als glaubhafte, herzliche Person und das trotz der widrigen Umstände, die ihr Leben prägen.

Bestseller-nicht immer gelungen

Ildefonso Falcones Buch „Die Pfeiler des Glaubens“ ist ein sehr ambitioniertes Werk. Versucht es doch, als historischer Roman, etwas was seit Jahrhunderten geschieht und heute besonders aktuell ist, zu erklären, nämlich den Konflikt zwischen dem muslimischen Glauben und dem Christentum. Südspanien, Al-Andalus Mitte des 16. Jahrhunderts bis Anfang des 17. Jahrhunderts, ist Schauplatz der Geschichte. Gleichzeitig ist es auch die Geschichte des Morisken Hernando, alias Ibn Hamid. Morisken sind zwangsgetaufte Mauren, die in den Landstrichen Südspaniens lebten. Hernandos Leben kann der Leser verfolgen von dem Aufstand von Alpujarras, der zu einer Deportation der Morisken von Granada in andere Königreiche Spaniens führte, bis hin zu seinem Leben am Ende  eines anstrengenden, verwickelten Weges. Hernando ist davon beseelt, eine Verständigung zwischen Moslems und Christen zu bewirken. Sein ganzes Leben ist darauf ausgerichtet. Immer lebt er im Zwiespalt der Religionen und auch der Tatsache, das die Religionen einen gemeinsamen Ursprung haben. Und immer wieder scheitert er aber auch an den Gegebenheiten. Der Machtstrukturen der Zeit, den Grausamkeiten der Herrschenden, denen es eigentlich auch nur um die Erhaltung der Macht geht.
Dazwischen baut Falcones auch viele persönliche Dinge ein. Freundschaften, die Hernando eingeht, Liebesbeziehungen zu Frauen. Dabei schwebt aber immer auch der Konflikt der Religionen über diesen Beziehungen. Manchmal wünscht der Leser diesem Mann eigentlich nur Ruhe, Ruhe in seinem Glauben, der ihm aber wiederum auch immer die Kraft gibt, sein Leben an Bruchstellen neu zu beginnen. Nur der Glaube kann wahrscheinlich einem Menschen soviel Kraft und Zuversicht geben. So scheint die Geschichte in sich stimmig und passend zu sein.
Dennoch überzeugt das Buch nicht komplett. Falcones hat sich etwas zu viel vorgenommen. Einmal die Schilderung der Glaubensauseinandersetzungen, die ihre historische Entsprechungen haben, und, damit verbunden, die Lebensgeschichte des Hernando über einen Zeitraum von 44 Jahren. Häufig trägt die Geschichte nicht. Sie schweift ab und verästelt sich. Ab und an kann der Leser den Eindruck gewinnen, Falcones kommt in ein nicht begrenztes Erzählen. Nun, daß kann er, er hat schon die erzählerische Kapazität, ist aber der Geschichte nicht immer förderlich. Viele Dinge wiederholen sich, so z.B. das Bild, daß Hernando immer wieder ganz unten anfangen muß und doch, ich kann es nicht anders formulieren, irgendwie wieder gerettet wird. Immer wieder hat er Glück und auch Erfolg. Damit entwickelt natürlich Falcones die Geschichte fort, es wirkt dennoch manchmal aufgesetzt.
Historisch muß man jedoch sagen, ist die Geschichte hoch interessant und auch aktuell. Der Leser erfährt, auch dank eines guten  Nachwortes viel über die Zeit des Al-Andalus. Al-Andalus war nicht das Paradebeispiel des Zusammenlebens der Religionen. Auseinandersetzungen gab es schon damals.
Der Leser mag sich ein Bild von dieser Zeit und den Auseinandersetzungen  machen. Die Pfeiler der Macht ist ein Buch, daß dabei aus der Sicht eines Romans sicherlich erste Eindrücke vermittelt. Was es aber auf jeden Fall dem Leser bringt, ist eine interessante Lebensgeschichte eines  Menschen in einer zerrissenen Zeit.

Petra Schier; Der gläserne Schrein

Petra Schier legt mit dem Roman „Der gläserne Schrein“ den zweiten Band ihrer Trilogie über das Leben der Handwerkerwitwe Marysa vor. Wiederum ist der Schauplatz der Geschichte die alte Kaiserstadt Aachen im Jahre 1413. Die Chorhalle des Doms soll umgestaltet werden in Hinblick auf den Todestag von Kaiser Karl des Großen. Entsprechend angespannt ist die Stimmung in der Stadt. Ins wanken geraten die Vorbereitungen, als seltsame Unfälle auf der Baustelle geschehen. Sogar Tote sind zu beklagen. Als noch Bardolf, der Mann von Marysas Mutter verhaftet und des Mordes beschuldigt wird, ist es an Marysa, sich der Angelegenheit anzunehmen. Unterstützt wird sie dabei von Christopherus, dem mysteriösen Mönch, der Marysas Bruder Aldo auf dessen Sterbebett versprochen hat, sich um Marysa fortan zu kümmern. Da Christopherus auch ein ausgesprochen gutaussehender Mann ist, knistert es zwischen ihm und Marysa von Anfang heftig. Das sich die Geschichte zum Ende hin positiv entwickelt, sei noch verraten, mehr jedoch nicht, dem geneigten Leser soll nicht die Vorfreude und Spannung genommen werden.

Petra Schier ist mit diesem Band erneut ein erfrischend unprätentiöses Buch gelungen. Sie erzählt die Geschichte nüchtern, nie langweilig, aber immer so, daß man ihr die Bemühungen und die Ideen abnimmt. Und das schätze ich so an der Autorin. Sie weiß was sie in ihren Büchern will und vor allen Dingen, was sie schriftstellerisch kann. Sie hat es nicht nötig, Plots aufzubauschen. Die Handlung ist klar gegliedert, zB auch durch eine kluge Einteilung der Kapitel. Dadurch versetzt sie den Leser in die Lage, immer den Überblick über die Geschehnisse zu behalten. Die Personen, es sind derer nicht so viele, sind gut in der Handlung positioniert. Gut zur Geltung kommt dadurch zB die Gliederung der einzelnen Handwerkszweige in der damaligen Zeit. Damit auch verbunden die Problematik von Frauen, die nach Verlust des Ehemanns der Handwerksbetrieb fortführen mussten. Es war für sie nicht einfach, dieses zu tun. Häufig wurde es nur geduldet, dieses zeitlich befristet zu tun. Wenn nun Marysas Leben in diesem Spannungsfeld geschildert wird, so werden  die Probleme, die ihr daraus entstehen, plastisch. Sie muß, obwohl schon in gehobener Position, um ihre Eigenständigkeit kämpfen. ZB dann, wenn sie gegen ihren Willen verheiratet werden soll. Und so nimmt man Petra Schier in dieser Schilderung auch ab, dass Marysa für die damalige Zeit eine unabhängige Frau war, ohne das eine übertriebene Emanzipation dargestellt wird. Marysa ist eine starke, eigenständige Frau, von der man sich vorstellen kann, dass sie im 15. Jahrhundert gelebt haben könnte.
Und so bleibt mir nur die Empfehlung, dieses Buch zu lesen und die Vorfreude auf den dritten Teil der Geschichten um Marysa und Christopherus.

Reliquien und Ablaßhandel; Die Stadt der Heiligen von Petra Schier

Es gibt historische Romane, die sind locker und leicht geschrieben, ohne flach daher zu kommen. Petra Schier ist das mit Die Stadt der Heiligen gelungen. Ein Roman, der in Aachen in den Jahren 1411/12 spielt. Eine starke Frauengestalt, Marysa, steht mitten im Leben, das nicht nur leicht ist. Unglücklich verheiratet, kämpft sie in einer männerdominierten Welt um ihre Selbstbestimmung und um ihr kleines Glück. Nun könnte der Leser eine vor Schmalz triefende Geschichte erwarten, doch weitgefehlt. Es handelt sich um eine handfeste Krimigeschichte mit Mord, Erpressung und Kerker. In Aachen findet die Heiltumsweisung statt. Ein jahrhundertealter kirchlicher Brauch, bei dem die im Dom zu Aachen gelagerten Reliquien den Pilgern zur Schau gestellt werden. Dieses findet, bis in die Neuzeit alle 7 Jahre statt.Die Stadt ist gefüllt mit Pilgern, Jahrmarkt und KIrmes finden statt. Und mittendrin der geheimnisvolle Dominikanermönch Christopherus, eine Freund des verstorbenen Bruders Marysas. Nach Aachen gekommen, um Marysa beizustehen, was diese auch dringend nötig hat. Christopherus, Ablaßhändler und Inquisitor, ist eine zwielichtige Gestalt, aber durchaus sympathisch. Und so gelingt Petra Schier ein flotter, temporeicher Roman, der auch historisch gut verankert ist. Die historischen Begebenheiten sind nachvollziehbar geschildert. Sie sind interessant, erfährt der Leser doch etwas über den Ablaßhandel und die Geschäfte mit den Reliquien, und auch von den Geschäften , die die Kirche  jahrhundertelang damit machte.  Wen wunderts, daß einige Jahrzehnte später Luther diesem Spuk zwar kein Ende bereitete, aber doch die Spaltung der Kirche herbeiführte. Aber das ist nicht das Thema des Romans. Alles in allem ein runder gelungener Roman, dessen Ende Raum zur Spekulation gibt, ob weitere Geschichten um Chistopherus den Dominikanermönch folgen werden. Die Geheimnisse um ihn lassen das erwarten.

Jan van Aaken, Das Geständnis des Mönchs; ein Schelmenroman

Jan van Aaken soll, so der Klappentext des Romans Das Geständnis des Mönchs, 10 Jahre an diesem Buch gearbeitet haben. Angesichts von ca. 730 Seiten ist dieses auch glaubhaft. Und der Roman ist gelungen. Er erzählt, durchaus in der Form eines Schelmenromanes, die Lebensgeschichte des Mönchs Hroswith von Wikala, der 99 jährige sich in seiner Zelle hinsetzt und seine Lebensgeschichte niederschreibt. Dabei benutzt er eine Bibel, bei er zuvor die einzelnen Pergamentseiten abschabt, um so Platz für seinen Text zu haben. Diese Idee ist schon beachtlich, sind doch seine Erinnerungen durchaus nicht gottesfürchtig und gottgewollt. Nein, sein Leben ist prallvoll mit sinnlichen Geschichten und Völlerei. Hroswith war ein Freund der Frauen und auch sie mochten ihn. Aber eine noch größere Leidenschaft hatte Hroswith Zeit seines Lebens: Bücher und das Lesen. Und so ist er für seine Zeit ein außerordentlich gebildeter und belesener Zeitgenosse, wobei dieses umso erstaunlicher ist, als daß er aus einfachen Verhältnissen stammte und dort lesen und schreiben nicht dazugehörte. Nach dem Tod seiner Eltern verschlägt ihn das Leben in die Welt, durch die er dann anschließend jahrzehntelang zieht. Eine tolldreiste Geschichte reiht sich an die andere, teilweise übertreibt es van Aaken, aber dennoch bleibt es ein witziges, überdrehtes Buch. Leser, die historische Genauigkeit suchen, die historischen in Form eines Romanes informiert werden wollen, sind hier nicht unbedingt richtig. Da nimmt es van Aaken nicht so genau, was aber, unter der Betrachtungsweise eines Schelmenromanes, auch nicht erforderlich ist. Und so kann sich der Leser in 730 Seiten versenken, abenteuerliche Geschichten lesen und sich ferne Länder und seltsame Charaktere vorführen lassen. Das macht Spaß und hat Fahrt, erwartet der Leser das, so erhält er ein pralles, lebensfrohes Buch. Ein Schelmenroman par execellence.
 
»Der Schelmenroman schildert aus der Perspektive seines Helden, wie sich dieser in einer Reihe von Abenteuern durchs Leben schlägt. Der Schelm stammt aus den unteren gesellschaftlichen Schichten, ist deshalb ungebildet, aber bauernschlau. Er durchläuft alle gesellschaftlichen Schichten und wird zu deren Spiegel. Der Held hat keinen Einfluss auf die Geschehnisse um ihn herum, schafft es aber immer wieder, sich aus allen brenzligen Situationen zu retten. 
Traditionellerweise ist der Schelmenroman eine (fiktive) Autobiographie. Sie beginnt oft mit einer Desillusionierung des Helden, der die Schlechtigkeit der Welt erst hier erkennt. Er begibt sich, sei es freiwillig, sei es unfreiwillig, auf Reisen. Die dabei erlebten Abenteuer sind episodenhaft, d.h. sie hängen nicht voneinander ab und können beliebig erweitert werden, was bei Übersetzungen oft der Fall war. Das Ende ist meist eine „Bekehrung“ des Schelms, nach der er zu einem geregelten Leben findet. Es besteht auch die Möglichkeit einer Flucht aus der Welt, also aus der Realität.« 
Zitat aus Wikipedia.